Videospiele: ESRB kennzeichnet Lootboxen nun klarer

Einen generischen Mikrotransaktionssticker hat das ESRB 2018 eingeführt. Nun weist das USK-Pendant in den USA expliziter auf Zufallselemente hin.

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Videospiele: ESRB kennzeichnet Lootboxen nun klarer

Screenshot aus einem Trailer zu NBA 2k20

(Bild: 2k Games)

Von
  • Daniel Herbig

Das Entertainment Software Rating Board (ESRB) will zukünftig expliziter auf Glücksspielelemente in Videospielen hinweisen. In einem Blog-Eintrag schreibt das nordamerikanische USK-Pendant, der Hinweis solle für mehr Transparenz beim Kauf von Videospielen sorgen.

Einen generischen Mikrotransaktions-Sticker hatte das ESRB bereits 2018 als Reaktion auf die zunehmende Verbreitung von Lootboxen in Videospielen umgesetzt. Dieser Sticker wies auf die Möglichkeit hin, im Spiel zusätzliche Gegenstände zu kaufen. In der Branche wurde diese Umsetzung als zu allgemein kritisiert, weil genauere Angaben zur Art der In-Game-Käufe fehlten.

Nun hat das ESRB eine zweite Variante des Stickers angekündigt, die neben dem bisherigen Hinweis auf Ingame-Käufe auch die Zusatzinformation "beinhaltet Zufallsgegenstände" umfasst. Damit fängt die Regulierungsorganisation alle Arten von Lootboxen und andere Formen des Ingame-Glücksspiels auf.

Bei Lootboxen kauft der Spieler ein Paket, das eine Auswahl an Ingame-Gegenständen beinhalten kann. Welche Items er bekommt, ist erst nach dem Öffnen der Lootbox klar. In Spielen wie NBA 2k20 wurden außerdem Formate umgesetzt, bei denen der Spieler zum Beispiel über einarmige Banditen auf die Jagd nach Ingame-Items gehen kann.

Solche Formen des Ingame-Glücksspiels gelten als gefährlicher als die traditionelle Art des Ingame-Kaufes, bei dem man für Geld den gewünschten Gegenstand direkt kaufen kann. Bei den FIFA-Spielen enthalten solche Lootboxen zum Beispiel Kicker für die eigene Online-Mannschaft – um Messi zu ziehen, muss man im Zweifelsfall sehr viele Lootboxen kaufen. Auf diesen Unterschied will das ESRB nun mit dem neuen Sticker aufmerksam machen.

In einem Blog-Eintrag schreibt das ESRB, die Nachfrage nach einer differenzierteren Auszeichnung von Ingame-Käufen sei gar nicht von besorgten Eltern ausgegangen, sondern eher von "Konsumenten und Enthusiasten".

Das ESRB ist für die Alterseinstufung von Videospielen in den USA und Kanada verantwortlich, die Sticker sind auf der Verpackung oder als Grafik in Online-Stores zu sehen. Die Einstufung durch das ESRB ist zwar freiwillig, in der Branche aber Standard. Das Rating-Board ist eine Tochtergesellschaft des Branchenverbands ESA, dem große Publisher wie Electronic Arts, Nintendo oder Microsoft angehören.

Auf Deutschland haben die Auszeichnungen des ESRB keinen Einfluss. Die hier für die Alterseinstufung verantwortliche Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle USK orientiert sich für auf Datenträgern veröffentlichte Videospiele an dem Jugendschutzgesetz. Weil "Simuliertes Glücksspiel" nicht Teil der Leitkriterien für die Beurteilung von Videospielen ist, werden Elemente wie Lootboxen in der Regel nicht für die Alterseinstufung berücksichtigt. Laut USK können solche Systeme aber über den Begriff der Entwicklungsbeeinträchtigung abgedeckt werden. Die International Age Rating Coalition (IARC), zu der die USK gehört, will ab Herbst außerdem einen vergleichbaren Glücksspiel-Indikator bei Apps aus Online-Stores wie dem Play Store und dem Windows Store anzeigen.

Update: Informationen zur USK-Praxis ergänzt. (dahe)