Videostreaming Netflix in Deutschland: Auf die Plätze...

Der US-amerikanische Videostreaming-Dienst Netflix ist nun auch in Deutschland gestartet. Wir fassen die wichtigen Infos zusammen.

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Update
Von
  • Volker Zota

Die Erwartungen an die US-amerikanische Video-Flatrate Netflix waren kurz vor ihrem Deutschlandstart enorm. Vor allem Serien-Fans erhoffen sich schnelleren Zugriff, auch auf Episoden mit Originalton. Nun ist Netflix auch hierzulande verfügbar

Nächste Ausfahrt: Deutschland. Netflix startet seine Video-Flatrate in Deutschland.

[Update 16.09.2014 07:38] Zwar nannte Netlix die konkrete Zahl der verfügbaren Titel bislang nicht. Zumindest aber gab Netflix einige Highlights bekannt. Neben den eigenproduzierten Serien "Orange Is the New Black", "House of Cards", "BoJack Horseman" und "Penny Dreadful" zählen unter anderem die Miniserien "Fargo" und "From Dusk Till Dawn" zu den Programm-Highlights beim Start . Überraschend: Auf die aktuelle Staffel von "House of Cards" müssen deutsche User laut der Ankündigung von Netflix nicht verzichten, obwohl der Dienst die hiesigen Erstausstrahlungsrechte eigentlich an Sky Deutschland verkauft hatte. Viele Serien bringt Netflix auch in der Originalfassung, was vor allem Serienfans immer wieder gefordert hatten.[/Update]

Videostreaming-Dienst Netflix

Die Erwartungen an die US-amerikanische Video-Flatrate Netflix stiegen zum Deutschlandstart ins Unermessliche, vor allem Serien-Fans erhoffen sich schnelleren Zugriff auf Episoden mit Originalton. Etablierte VoD-Dienste reagierten schon im Vorfeld; die Konkurrenz wird Netflix das Leben nicht einfach machen.

Die Preisgestaltung war bereits bekannt. Aufgrund eines Fehler in der Playstation-App konnten einige schon einen Blick darauf werfen. Demnach verlangt Netflix für die monatliche Pauschalgebühr auf dem deutschen Markt die US-Preise in Euro. Folglich bekommt man für 7,99 Euro monatlich einen Stream in Standardauflösung geliefert, für 8,99 Euro lassen sich zwei HD-Streams gleichzeitig schauen – die laut Netflix in den USA meistgenutzte Variante. Schließlich gibt es für monatlich 11,99 Euro noch ein Paket, bei dem man HD-Streams auf bis zu vier Endgeräten gleichzeitig anschauen kann. Eine Kündigung ist jeweils zum Monatsende möglich. Das Videosortiment soll bei allen drei Paketen identisch sein. Den ersten Monat gibt es zum Deutschlandstart kostenlos.

[Update 16.09.2014 07:38]: Speziell für das deutsche Publikum sicherte sich der Dienst die Rechte an der Serie "Stromberg", die es aber erst ab Oktober über den Streaming-Dienst zu sehen geben wird. die "Sendung mit der Maus" und Til-Schweiger-Filme sind ebenfalls unter den deutschen Filmen und Serien, an denen sich Netflix die Rechte gesichtert hat. Dazu kommen unter anderem "Pastewka" und "Der Tatortreiniger". Auch deutsche Eigenproduktionen sind laut Netflix geplant.[/Update]

Das Angebot von Netflix lässt sich auf diversen Endgeräten wiedergeben, darunter Windows-PCs, Macs, Tablets und Spielkonsolen. Auch viele Unterhaltungselektronikgeräte mit Internet-Zugang können Netflix-Videos abspielen, darunter Smart-TVs, Blu-ray-Player und HD-Videoplayer, etwa das Apple TV oder das kommende Fire TV von Amazon. Das ist nicht verwunderlich, da Netflix in den USA schon lange eine enorm breite Unterstützung der Gerätehersteller genießt und etliche deutsche Geräte die US-Versionen mit leicht veränderter Firmware sind.

So üppig wie in den USA wird das Angebot hierzulande anfangs nicht aussehen.

(Bild: Netflix)

Allerdings hatte Netflix im Vorfeld befürchtet, manche Hersteller könnten ältere deutsche Modelle nicht aktualisieren, um einen Kaufanreiz für die aktuelle Gerätegeneration zu schaffen. Dies bestätigte sich nach ersten Erkenntnissen nicht: LG schaltete selbst für vier Jahre alte Blu-ray-Player die Netflix-App frei, auch Sony brachte seine Geräte rechtzeitig auf den aktuellen Stand, darunter die Playstation 4. Wie die WirtschaftsWoche berichtet, wollen Vodafone und die Telekom ebenfalls mit Netflix kooperieren, sodass beispielsweise die Entertain-Kunden der Telekom Netflix über ihre IPTV-Receiver abrufen können sollen. [Update 16.09.2014 07:38]: Zumindest die Kooperation mit der Telekom bestätigte Netflix zum Deutschlandstart; die Netflix-App soll in den kommenden Wochen auf die Settop-Boxen für den IPTV-Dienst "Entertain" der Telekom aufgespielt werden.[/Update]

Anders als bei anderen Diensten werden Netflix-Videos übrigens immer gestreamt, es gibt also keine Möglichkeit, ein Video herunterzuladen und dann ohne Internet-Verbindung anzuschauen.

Interessanterweise hat sich Netflix offenbar kurzfristig entschieden, Videos in ultrahoher "4K"-Auflösung mit 3840 × 2160 Pixeln nur Kunden anzubieten, die das größte Paket buchen. Bei einem Besuch der Firmenzentrale in Los Gatos vor wenigen Wochen klang das noch anders: Damals hatten Manager des Unternehmens angegeben, dass die 4K-Inhalte allen deutschen Abonnenten als kostenloser Bonus zur Verfügung stehen würden.

Auf der IFA bewarben die TV-Hersteller LG, Samsung, Sony und Toshiba ihre Ultra-HD-Fernseher erwartungsgemäß bereits mit der Wiedergabe von Netflix' 4K-Videostreams. Sony hat zudem online mit dem Verkaufsstart seines externen 4K-Medienplayers FMP-X5 mit Netflix-App begonnen. Offiziell ist das rund 400 Euro teuere Gerät dafür gedacht, ältere Sony-TV-Modelle mit einem Streaming-Client nachzurüsten. Die Box ist nötig, da in die genannten Modelle kein Decoder für das moderne Videokompressionsverfahren HEVC eingebaut wurde, das Netflix (und weitere kommende 4K-Streamingdienste) zur für die effiziente Übertragung nutzen werden.

Netflix ist hierzulande momentan die einzige kommerzielle 4K-Quelle: Für eine Ultra-HDTV-Ausstrahlung gibt es noch kein Starttermin, ein physisches 4K-Medium war bis vor kurzem nicht einmal offiziell angedacht. Zumindest Letzteres hat sich nun geändert: Victor Matsuda, globaler Marketing-Chef der Blu-ray Disc Association (BDA) hat bekanntgegeben, dass mit Hochdruck an einer Blu-ray-Variante für 4K-Filme gearbeitet werde. Allerdings werden nach aktuellem Plan passende Player und Discs erst zum Weihnachtsgeschäft 2015 in den Läden stehen.

Die 4K-Chance will sich natürlich auch die deutsche Netflix-Konkurrenz nicht entgehen lassen: Maxdome kündigte bereits im Mai an, im kommenden Jahr mit dem Streaming von Filmen in 4K beginnen zu wollen. Samsung brachte zudem Amazon als künftigen "globalen" Player in diesem Bereich ins Gespräch.

Sky Deutschland senkte vor dem Netflix-Start bei seinem Videodienst Snap prophylaktisch den Einstiegspreis.

Auch abseits von 4K ist es interessant, die Reaktionen der deutschen Videodienste auf den Markteintritt des bislang in 41 Ländern tätigen und über 48 Millionen Kunden zählenden Streaming-Pioniers Netflix zu beobachten: So senkte Sky Deutschland noch schnell vor dem Startschuss die Preise für seinen Videostreamingdienst Snap: Die Parallelnutzung auf zwei Geräten kostet für Nicht-Sky-Abonnenten nun statt 9,90 Euro nur noch 7 Euro pro Monat. Der Einstiegspreis wurde sogar auf monatlich 4 Euro gesenkt, allerdings bekommt man dafür nur einen Stream und kann die Offline-Nutzung in der iPhone- und iPad-App nicht mehr verwenden.

Der Abobereich von Maxdome ist nun klar vom Einzelabruf-Bereich getrennt.

Marktführer Maxdome trennt ab sofort sein Angebot -- auch deutlich sichtbar in der überarbeiteten Oberfläche – in die Bereiche "Maxdome Monatspaket" (Flatrate), "Maxdome Store" (reiner Einzelabruf) und "Maxdome Live" (Events). Zudem hat die Online-Videothek der ProSiebenSat.1 Group über 80 Staffeln von Top-US-Serien neu im Portfolio, die im Monatspaket abrufbar sind. Auch Kinder sollen bei Maxdome jetzt stärker im Fokus stehen. Familien finden unter der Rubrik "Kids" im Web, auf dem Fernseher und in der Mobilgeräte-App eine große Auswahl an Kinderfilmen und -serien. Besonders interessant ist, dass Maxdome mit dem Relaunch auch eine neue "Empfehlungs-Mechanik" einführt. Denn bei Netflix ist man besonders stolz auf den Personalisierungsalgorithmus, der jedem Kunden zielgenau die zu ihm passenden Inhalte empfiehlt.

Der französische Medienkonzern Vivendi soll sich hingegen nach einem Bericht der französische Finanz-Zeitschrift "Les Échos" sogar dazu entschieden haben, sich nicht auf einen kostspieligen Wettbewerb mit Netflix einzulassen und seinen deutschen Video-on-Demand-Dienst Watchever lieber zu verkaufen. Der Dienst hat alleine im ersten Quartal 2014 einen Verlust von 21 Millionen Euro eingefahren. Im Jahr 2013 betrug der Verlust bereits 66 Millionen -- bei gerade einmal 12 Millionen Euro Umsatz.

Nun wird sich also zeigen müssen, wie sich Netflix im Wettbewerb mit der deutschen Konkurrenz schlägt. Letztere setzt unter anderem auf die Möglichkeit einer Offline-Wiedergabe von Videos, die es bei Netflix aktuell nicht gibt. Aber hier soll es bereits erste Bewegungen seitens des US-Dienstes geben: Die Branchenseite Gigaom berichtet unter Berufung auf einen für Netflix tätigen Designmanager, dass der Dienst zumindest über die Bereitstellung von kurzen Videoclips mit maximal 10 Minuten Länge für die Offline-Wiedergabe auf Tablets und Smartphones nachdenke. (nij) / (vza)