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Videotelefonie-Tablet von Cisco soll Schreibtisch freiräumen

Cisco hat zwei Android-Geräte vorgestellt, die Telefon, Computerbildschirm und Videotelefoniesystem in einem sind. Im Herbst sollen virtuelle Konferenzräume in der Cloud folgen.

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Mit günstigeren Endgeräten will Cisco Videotelefonie nicht nur in die Chefetagen, sondern auf jeden professionellen Schreibtisch bringen. Diese Tische sollen aber nicht mit noch mehr Geräten vollgestellt werden, deshalb hat Cisco eine neue Geräteklasse ersonnen, die wie ein All-in-One-PC aussieht, technisch aber ein großes Android-Tablet ohne Akku auf Standfüßen ist. Die ersten beiden Modelle sind der ab Juli in Europa erhältliche DX70 mit 14 Zoll Bildschirmdiagonale und der ab Juni verfügbare DX80 mit 24 Zoll.

DX70

(Bild: Cisco)

Während die Listenpreise bei 2750 beziehungsweise 3990 US-Dollar liegen, soll der Straßenpreis in den USA auf unter 1000 respektive unter 2000 US-Dollar rutschen. Euro-Preise sind noch nicht bekannt. Vorgestellt wurden die Geräte am Montag vor Beginn der 25. Hausmesse Cisco Live in San Francisco. Für Videokonferenzen, also Videotelefonate mit mehr als zwei Teilnehmern, muss man auf den für Herbst angekündigten Collaboration Meeting Room warten.

Schreibtisch aufräumen

Geräte wie das DX70 und DX80 sollen "der einzige andere Gegenstand sein, den Sie außer dem Computer auf dem Schreibtisch brauchen" werden, meint Cisco. Sie vereinen Webcam, VoIP-Telefon mit Freisprecheinrichtung und Computermonitor (HDMI) in sich. In einem Videotelefonat kann auch die Ansicht von Dokumenten oder Apps übertragen werden.

DX80

(Bild: Cisco)

Besonders stolz ist Cisco auf die Funktion "What you see is what you hear" (Was man sieht ist was man hört) des DX80: Vier in den Standfüßen verbaute Mikrophone sollen Geräuschquellen im Raum verorten. Was nicht aus dem Bereich vor dem Monitor kommt, wird als störend eingestuft und reduziert übertragen.

Das Betriebssystem ist Android 4.1.1 mit proprietären Zusätzen für Sicherheitszwecke. Der Administrator kann entscheiden, ob das Terminal nur für Sprach- und Videotelefonie genutzt werden kann oder ob auch andere Apps laufen. Er entscheidet auch über den Zugriff auf Googles Play-Store. Über Bluetooth lassen sich Tastatur und Maus anschließen. In manchen Büros könnte damit der Desktoprechner entfallen, was aber nicht Ciscos Ziel ist. Ein MicroSD-Slot steht für Karten mit bis zu 32 GByte zu Verfügung. Online gehen DX70 und DX80 wahlweise über Ethernet oder WLAN (a/b/g/n) in Verbindung mit einem Cisco Access Point.

Schwenkbar

Die an der Oberkante angeflanschte Kamera macht HD-Videos (1080p, 30 fps) und nimmt einen 63 Grad breiten Bereich auf. Sie unterstützt auch die Übertragung von Papierdokumenten, die unmittelbar vor das Gerät gelegt werden. Dazu richtet der Benutzer die Kamera nach unten, woraufhin sie das aufgenommene Bild automatisch umdreht. Für HD-Übertragungen ist etwa 1 MBit/s Bandbreite erforderlich (H.264). Cisco gibt an, dass das dank ClearPath auch mit 10 Prozent Packetloss noch klappt.

Rowan Trollope von Ciscos Collaboration Technology Group hält ein DX70-Gehäuse, rechts ist ein DX80 in Betrieb

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Der Stellwinkel der in ihren Halterungen fix verbauten Tablets selbst lässt sich durch simplen Fingerdruck verändern. In der fast waagerechten Positionierung fällt es leichter, mit einer passenden App virtuelle Skizzen auf den Touchscreen zu malen.

Kein Stand-Alone-Produkt

Damit es aber überhaupt zu einem Telefonat kommen kann, müssen sich DX80/70 an einem Server anmelden. Unterstützt werden in den ab Juni/Juli erhältlichen Modellen nur Cisco-Lösungen wie WebEx oder Dienste bestimmter Telekommunikationsanbieter. In einer späteren Version werden DX70/80 vielleicht auch mit anderen Servern verkehren können, sofern diese auf offene Standards setzen. Zum Beispiel mit Asterisk.

Hinweis: Cisco hat die Reisekosten des Autors übernommen.

(anw)

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