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Viel zu tun: Vint Cerf über die Zukunft des Internets

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Vinton "Vint" Cerf hat in seiner Keynote auf Telefónicas Campus Party einen persönlichen Ausblick auf die Zukunft des Webs gegeben. Cerf gilt als "Vater des Internets", er hat unter anderem TCP/IP mitentwickelt. Eingeleitet hat der Web-Pionier seinen Vortrag dann auch mit einem kleinen Rückblick in eine Zeit, als Router noch so groß wie Kühlschränke waren.

Begeistert von Google Glass: Vinton "Vint" Cerf.

(Bild: Daniel Berger)

Seitdem ist viel passiert: Das "Internet der Dinge" löst das Netz von Desktop-Computern. Heute sind Kühlschränke online und suchen künftig Rezepte passend zu den gekühlten Inhalten. Auch Bilderrahmen sind vernetzt und laden neue Fotos aus der Cloud. Diese Entwicklungen bringen große Herausforderungen mit, insbesondere im Bereich der Datensicherheit. Diese sei auch zuhause wichtig, erklärte Cerf: "Ein Hacker knackt den digitalen Bilderrahmen von den Großeltern und lädt Bilder hoch, die hoffentlich nicht die Enkel zeigen." Davor schützen soll eine Art "Cyber Fire Department", das digitale Feuer löscht. Brände gebe es viele: Trojaner, Malware, Würmer, DDoS-Attacken und mehr.

Eine weitere Herausforderung sieht der Internet-Pionier in der richtigen Balance zwischen Sicherheit und Privatsphäre. Für den normalen Bürger, der sich an Gesetze hält, sei das derzeitige Ausmaß der Überwachung beunruhigend, erklärte Cerf im Gespräch mit Journalisten. Auf Nachfrage von heise online, ob Google Glass mit seiner integrierten Kamera die Situation nicht noch verschlimmere, antwortete Cerf: "Das ist die klassische Google-Glass-Frage. Erstens: Die Aufnahme läuft nicht dauerhaft, dafür ist nicht genug Speicher eingebaut. Zweitens: Glass ist deutlich sichtbar und man kann sehen, ob sie aufnimmt oder nicht."

Cerf hält Glass für extrem leistungsfähig. Sie ermögliche etwa, dass ein Blinder und ein Gehörloser miteinander kommunizieren können – selbst, wenn der eine Deutsch spricht und der andere nur Englisch versteht. Glass könne in Zukunft Worte übersetzen und als Text ausgeben oder dem Blinden über den Knochenschall-Kopfhörer vortragen. Gebärdensprache kann Glass aber nicht interpretieren, schränkte Cerf ein, jedenfalls noch nicht. Für ihn wögen die Vorteile des Gesichtscomputers schwerer als die Nachteile: Glass sei einfach ein äußerst spannendes Experiment. Für den Technologie-Evangelisten bei Google ist Enthusiasmus selbstverständlich.

Vint Cerf auf der Campus Party in London.

(Bild: Daniel Berger)

Als großer Science-Fiction-Fan denkt er bereits seit 1997 auch über ein Internet im All nach: Das "Interplanetary Internet" soll das Sonnensystem vernetzen und ein neuer Standard die Kommunikation zwischen Planeten ermöglichen. "Doch die Lichtgeschwindigkeit ist zu langsam", sagte Cerf. Eine weitere Herausforderung, die gelöst werden will, etwa durch ein Netzwerk von Satelliten und Rovern, die miteinander vernetzt sind. Oder durch eine Gravitationslinse, die Signale einfängt. Bis das alles funktioniert, ist noch viel zu tun: "There is all this work ahead of us", freute sich Cerf, den seine Ideen sichtlich begeistern. (dbe)

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