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Virgin-Chef will 747 mit Biosprit fliegen lassen

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Mit Biosprit soll eine Boeing 747-400 im Februar von Heathrow zum Amsterdamer Flughafen Schipol fliegen.

Der britische Milliardär Sir Richard Branson ist immer für außergewöhnliche Aktionen gut: Im US-Bundesstaat New Mexico lässt der Weltrekordjäger derzeit den ersten Weltraum-Flughafen für kommerzielle Ausflüge ins All bauen, in Großbritannien mischte er die etablierte Mobilfunkbranche mit einer eigenen Prepaid-Marke (Virgin Mobile) auf, zuletzt eröffnete er eine kommerzielle Blutbank für Stammzellen, in der Eltern neugeborener Kinder genetisches Material aus dem Nabelschnurblut in Stickstofftanks einfrieren lassen können – und jetzt kündigte Bransons Virgin-Konzern an, dass der erste Flug einer kommerziellen Verkehrsmaschine mit Biosprit unmittelbar bevor stehe.

Und Branson wäre nicht Branson, würde er nicht gleich das größte Exemplar seiner über hundert Maschinen umfassenden Verkehrsflugzeug-Flotte für den bislang einmaligen Versuch auswählen: eine Boeing 747-400. Im kommenden Monat soll die langjährige Königin der Lüfte einen Demonstrationsflug vom Londoner Flughafen Heathrow nach Amsterdam absolvieren und dabei statt Kerosin Biosprit verbrennen. Ziel des Projekts sei es, den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid durch den Flugverkehr zu verringern, erklärte ein Virgin-Sprecher am heutigen Montag in London. Virgin arbeite dabei mit Boeing und dem Triebwerkshersteller General Electric Aviation zusammen.

Um welche Art von Biosprit es sich bei dem Virgin-Testflug handeln wird, ist bislang nicht bekannt. In der Branche haben derzeit jedoch Meeresalgen Hochkonjunktur, aus denen sich infolge des schnellen Wachstums pro Hektar deutlich mehr Öl gewinnen lässt, das Grundlage für den dieselähnlichen Biokraftstoff ist, als etwa aus Raps oder Sojabohnen. Doch die Nutzung von Biosprit als Kerosin-Ersatz hat auch ihre Tücken: So ist es etwa alles andere als trivial, den Treibstoff technisch so zu verändern, dass er auch bei Temperaturen von minus 50 Grad Celsius, wie sie in Höhen von 10.000 und mehr Metern herrschen, noch flüssig bleibt.

Und das ist wiederum mit ein Grund dafür, warum die 747 von Virgin Atlantic lediglich ein ihr eigentlich unwürdiges Hüpferchen von 350 Kilometer über die Nordsee machen darf. Dennoch soll der Flug, an dem keine Passagiere teilnehmen werden, den Ingenieuren Unternehmensangaben zufolge "wichtige Erkenntnisse für die Zukunft" liefern. Branson ist über den Firmenzweig Virgin Green Fund seit dem Jahr 2006 selbst im Geschäft mit Biobrennstoffen aktiv und kündigte an, zehn Jahre lang die Gewinne seiner zahlreichen Fluggesellschaften sowie der eigenen Eisenbahnlinien in Großbritannien (Virgin Trains) als Investitionen in diesen Bereich fließen zu lassen. (pmz)