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Virgin Galactic wird erstes börsennotiertes Unternehmen für Weltraumtourismus

Ein Wagniskapitalgeber übernimmt die Kontrolle über Richard Bransons Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic. Damit kommt die Firma auch an die Börse.

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Virgin Space Ship Unity

(Bild: Virgin Galactic)

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Virgin Galactic wird das erste börsennotierte Weltraum-Tourismusunternehmen. Social Capital Hedosophia (SCH), ein Investmentvehikel des Wagniskapitalgebers Chamath Palihapitiya, kauft neue Virgin-Aktien für cirka 750 Millionen US-Dollar. SCH und Virgin Galactic verschmelzen miteinander, wonach bestehende SCH-Aktionäre 49 Prozent der Anteile halten werden. Palihapitiya selbst erwirbt Virgin-Galactic-Aktien um weitere 100 Millionen Dollar. Das hat Virgin Galactic am Dienstag bekanntgegeben.

SCH ist bereits börsennotiert, hat bisher aber keine signifikante unternehmerische Tätigkeit entfaltet. Das ändert sich nun durch die Fusion mit Virgin Galactic. Auf diese Weise wird die Raumfahrtfirma börsennotiert, ohne einen eigenen Börsengang durchzuführen. Allerdings versteht Virgin Galactic unter "Weltraum" etwas anderes als die Wissenschaft. Tatsächlich gibt es keine klare Grenze zwischen Atmosphäre und All; die Wissenschaft hat sich aber auf eine gedachte Linie in 100 Kilometern Höhe über dem Meeresspiegel verständigt. Virgin Galactic setzt sich die Hürde 20 Kilometer tiefer.

Firmengründer Richard Branson (Archivbild) wird kommende Woche 69.

(Bild: Mark Greenberg)

Das Closing der Fusion ist für die zweite Jahreshälfte geplant. SCH und der in Kanada aufgewachsene Palihapitiya werden gemeinsam über rund 57 Prozent der Aktien verfügen. Eine aktuelle Eigentümerstruktur hat Virgin Galactic nicht veröffentlicht. Soweit bekannt ist, dürften nach dem Closing dem staatlichen Investmentfonds Aabar Investments PJS des Emirats Abu Dhabi um die 16 Prozent an dem Unternehmen verbleiben, während das restliche Viertel wohl Richard Bransons Virgin Group Holding gehören wird.

Das steht auch im Einklang mit Bransons allgemeiner Geschäftsstrategie. Die meisten unter der Marke Virgin auftretenden Unternehmen gehören gar nicht oder nur zu einem Minderheitsteil der Virgin Group Holding.

Voriges Jahr hatte Virgin mit Saudi-Arabien eine Investition von einer Milliarde US-Dollar vereinbart. Nach der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi (korrekt in Deutsch transkribiert: Dschamal Chaschukdschi) durch das saudische Regime ließ Branson dieses Projekt aber fallen.

Bereits vor 15 Jahren hatte Branson angekündigt, ab 2007 kommerzielle Flüge anzubieten, die für wenige Minuten ins All führen sollen. Zunächst kostete ein Ticket ins All 200.000 US-Dollar, dann stieg der Preis auf 250.000 Dollar. Wer fünf Sitze bucht, bekommt den sechsten gratis dazu. Mehr Passagiersitze hat das Raumfahrzeug nicht.

Hunderte Leute haben bereits gebucht oder zumindest eine Anzahlung geleistet. Die jahrzehntelange Wartezeit führte zwar zu einigen Stornos, doch um die 600 Anwärter halten Branson die Treue. Als Basis für die Touristenflüge soll Neumexikos Spaceport America dienen, wo Virgin Galactic ein Terminal mietet.

Virgin Galactics Terminal am Spaceport America in einer Archivaufnahme

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Doch Branson hatte die technischen Herausforderungen unterschätzt, sodass mehrere Starttermine unerfüllt verstrichen. Dazu kamen zwei tödliche Unfälle: Im Juli 2007 starben drei Ingenieure bei einem Test am Raketenantrieb. Dabei sollte eigentlich gar kein Treibstoff gezündet werden, vielmehr explodierte ein Tank mit Stickstoffoxiden. Und im Oktober 2014, beim vierten Testflug mit Raketenschub, zerbrach das Raumschiff VSS Enterprise im Flug. Eine Kombination aus Design- und Pilotenfehler führte zum Absturz des Space Ship Two und kostete den Copiloten das Leben.

Die nun angekündigte Geldinfusion soll Virgin Galactic nun aber wirklich zum kommerziellen Start mit Alltouristen verhelfen. Die Tochterfirma Virgin Orbit plant unterdessen, Satelliten in Umlaufbahnen zu bringen, gerne auch Militärsatelliten.

Wann genau es losgeht, ist noch nicht bekannt. Kurioserweise hat Virgin Galactic aber schon eine Finanzvorhersage für 2023 veröffentlicht. Dann möchte das Unternehmen 600 Millionen Dollar umsetzen und rund 273 Millionen EBITDA erwirtschaften. (ds)