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Virtual und Augmented Reality: In Zukunft spielen Pornos im eigenen Bett

Die Porno-Branche rüstet auf: Mit Virtual und Augmented Reality soll wieder Geld in die Kassen kommen. Laut Sexualtherapeutin Ann-Marlene Henning ist VR-Pornografie ein Gewinn für alle und kann die Welt verbessern. Die Appstore-Betreiber sehen das anders.

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Die aus der ZDF-Sendung "Make Love" bekannte Sexualtherapeutin Ann-Marlene Henning ist der Meinung, dass sich Virtual-Reality-Pornos sehr gut für die Sexualerziehung eignen.

(Bild: heise online / J.-K. Janssen)

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Es ist ein bisschen paradox: Pornos sind heute so gesellschaftsfähig wie nie zuvor, und dennoch läuft das Geschäft eher so-la-la als oh-la-la – dank der riesigen Auswahl kostenloser Angebote sind nur wenige Menschen bereit, Geld für Pornografie auszugeben. Mit Virtual und Augmented Reality will die Branche nun aufrüsten und ihre Umsätze steigern. Diese neuen Techniken standen im Fokus der "Eurowebtainment"-Konferenz, die nun auf Mallorca zu Ende ging. Bereits zum 28. Mal trafen sich in strandnaher Umgebung Internet-Unternehmen, die sich auf Messen wie der CeBIT vermutlich eher unwohl fühlen würden: Porno- und Cam-Sex-Anbieter, Seitensprung-Portale, E-Mail-Adresshändler, Zahlungsdienstleister und Internet-Inkasso-Firmen.

Trotz VR- und AR-Hype: Hinter vorgehaltener Hand berichteten mehrere Branchenkenner, dass wohl noch kein Unternehmen mit Virtual-Reality-Pornos – meist 180-Grad-Videos – Geld verdient. Bislang sei alles noch ein Zuschussgeschäft. Noch vor zwei Jahren galt es als sehr gut möglich, dass Pornografie den Verkauf von VR-Headsets ähnlich befeuern würde wie vor Jahrzehnten VHS und später Video-Streaming. Heute sieht man die Sache deutlich skeptischer: Inzwischen hofft die Porno-Branche auf eine nicht-pornografische Killer-App, damit die Zahl der Headsets im Markt und damit auch die der potenziellen Kunden steigt. Als Beispiel wurde häufig der Ehemann genannt, der seiner Frau erklären muss, warum er sich ein VR-Headset kauft – "für Spiele" funktioniere nicht als Antwort, wenn die Ehefrau genau weiß, dass er nie Spiele gespielt hat.

Dabei haben VR-Pornos sogar das Potenzial, die Welt zu verbessern – zumindest sieht das die aus der ZDF-Ratgebersendung "Make Love" bekannte Sexualtherapeutin Ann-Marlene Henning so. Sie wurde von den Konferenz-Verantwortlichen für die Moderation einer Podiumsdiskussion zum Thema "Die Zukunft der Online-Erotik-Unterhaltung" engagiert – was offenbar auch dazu dienen sollte, der Veranstaltung einen seriöseren Anstrich zu geben. Dennoch nimmt man Henning ab, dass ihre positive Meinung zu VR-Pornos nicht mit ihrem Eurowebtainment-Engagement zu tun hat. Ihre These: Während die meisten konventionellen Pornos ein völlig unrealistisches Bild von Sexualität zeigen und beide Geschlechter unnötig unter Druck setzen, seien die immersiven VR-Pornos deutlich näher an echtem Sex und Intimität. Sie sieht die Vorteile der Virtual-Reality-Pornografie insgesamt eher im Bereich der Sexual-Pädagogik als in der Unterhaltung. "Porno muss sich ändern, gerade auch, wenn man Frauen als Zielgruppe will", so Henning im Gespräch mit heise online. "Es muss alles viel echter werden."

Stefan Geisler, der für den Pornoanbieter Reality Lovers produziert, sieht in Augmented Reality großes Potenzial.

(Bild: heise online / J.-K. Janssen)

Es steckt also viel Potenzial in VR-Pornos, selbst wenn die bisherigen Umsätze eher unbefriedigend sind. Noch: "Wir gehen davon aus, in diesem Jahr die Gewinnschwelle zu erreichen", berichtet Stefan Geisler im Gespräch mit heise online. Geisler produziert 180-Grad-Videos für das Portal RealityLovers. "Man muss dabei immer bedenken, dass wir technisch noch ganz am Anfang stehen", so Geisler. Mit stereoskopischen 180-Grad-3D-Videos würde man allerdings schon deutlich mehr Immersion erreichen als mit monoskopischen 360-Grad-Videos, wie sie aktuelle Consumer-Kameras liefern.

Ihm sei bewusst, dass sich die Kundschaft mehr Interaktivität wünscht, aber das sei zurzeit in 180-Grad-Videos nicht zu bewerkstelligen; womöglich klappe das irgendwann mit Lichtfeld-Technik. In Echtzeit berechnete Render-Pornos in nahezu fotorealistischer Qualität seien zwar technisch möglich, doch fehlen der Porno-Branche die Budgets, um mit großen Spiele- oder Film-Produktionen mitzuhalten. Außerdem sieht er ein weiteres Problem mit Render-Akteuren: Der Kundschaft sei das "Glitzern im Auge" der Darstellerinnen und Darsteller wichtig, es gehe darum, die Persönlichkeit wahrzunehmen. Das klappe mit Computergrafik-Figuren nicht.