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Virtualisierung mit Xen: Reif für den Unternehmenseinsatz? [Update]

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Red Hat, bislang einer der wichtigsten Befürworter der Virtualisierungslösung Xen, geht auf Distanz. Gegenüber ZDNet Australien bezeichnet Alex Pinchev, Vizepräsident für internationale Geschäfte, Xen als noch nicht ausgereift genug für den Unternehmenseinsatz.

Die Virtualisierungslösung Xen nistet sich als eine zusätzliche Schicht zwischen der Hardware sowie den eigentlichen Betriebssystemkerneln ein und verteilt die verfügbaren Ressourcen auf die Gastsysteme. Der Xen-Hypervisor selbst besteht aus einem Kernel und den Xen-Tools, mit deren Hilfe die Gastsysteme verwaltet werden. Dom0 ist die erste – privilegierte – Domäne, unter der weitere, weniger privilegierte Gastsysteme (domU) arbeiten können. Für Xen müssen Gastsysteme speziell angepasst werden (Paravirtualisierung); Xen 3.0 beziehungsweise Xen 3.0.2 unterstützen aber auch die Virtualisierungstechniken moderner Prozessoren wie Intels Vanderpool (VT) oder AMDs Pacifica, die Änderungen an den Gastsystemen nicht mehr erforderlich machen.

Noch im Juni hatte der amerikanische Linux-Distributor angekündigt, die nächste Version seiner Unternehmensdistribution Red Hat Enterprise 5 (RHEL) Ende des Jahres mit Xen auszuliefern. Ein eigenes Virtualisierungsportal predigt bereits die Vorzüge der neuen Technik. Allerdings macht Red Hat in seiner Roadmap das genaue Erscheinungsdatum von RHEL 5 vom Reifegrad der Virtualisierungstechnik abhängig. Die für Ende Juli versprochene erste Beta-Version von RHEL 5 ist bislang noch nicht erschienen. Fedora, die als Open-Source-Projekt unter Red-Hat-Hoheit entwickelte "Testversion" der Distribution, enthält Xen bereits seit dem vor über einem Jahr vorgestellten Core 4.

Anders sieht das Novell, wichtigster Konkurrent von Red Hat. In der vor zwei Wochen erschienenen Version 10 des Suse Linux Enterprise Server (SLES) ist Xen bereits integriert. Allerdings unterstützt der SLES 10 zunächst ausschließlich SLES-10-Gastsysteme. Erst ein Service-Pack Ende des Jahres soll auch den Betrieb der Vorgängerversion SLES 9 und von Windows möglich machen. Damit soll zudem das Management der Gastsysteme komfortabeler gestaltet werden.

Reif für den Unternehmenseinsatz sei das Produkt allemal, betonte Marek Chroust, Director Technology Specialists von Novell, gegenüber heise open. Xen brauche sich, was die Stabilität angeht, nicht hinter einem kommerziellen Produkt wie VMWare zu verstecken. Novell könne seinen Kunden Xen durchweg empfehlen; es werde von einigen auch bereits produktiv eingesetzt. Generell sei die Nachfrage nach dem Hypervisor riesig gewesen. Außerdem könne das Unternehmen eine gesamte Infrastruktur rund um die Virtualisierungslösung anbieten und Kunden mit Beratung, Implementierung, Support und Zertifizierung zur Seite stehen. Auch Hard- und Softwaregigant IBM hat schon offiziellen Support für SLES inklusive Xen auf seinen x86-Systemen und Blade-Servern angekündigt.

Noch im Frühjahr sah es so aus, als könnte Xen bald Bestandteil des offiziellen Linux-Kernels werden. Neben XenSource, dem Unternehmen hinter Xen, streben aber auch VMWare und der Betriebssystem-Virtualisierer OpenVZ die Aufnahme ihres Codes in den Linux-Kern an.

Die Kernelentwickler tendieren daher inzwischen zu einer generischen Schnittstelle, die mit verschiedenen (Para-)Virtualisierungsansätzen zurechtkommt. Ein solches API würde den Betrieb eines Standard-Linux-Kernels ohne spezielle Anpassungen auf unterschiedlichen Hypervisors ermöglichen. Als vielversprechendster Lösungsansatz in diese Richtung zeigt sich paravirt_ops, das Rusty Russell von IBM / OSDL auf dem Gipfeltreffen der Kernelentwickler im Juli in Ottawa vorgeschlagen hatte. VMWare hat mit VMI eine eigene offene Virtualisierungsschnittstelle vorgeschlagen. Auch Microsoft hat übrigens mittlerweile verkündet, gemeinsam mit Xensource an Interoperabilität zwischen Xen und der Virtualisierungstechnik der nächsten Windows-Server-Version Longhorn zu arbeiten.

[Update] In einer Presse-Erklärung gegenüber der britischen Online-Zeitung The Register hat sich Red Hat inzwischen noch mal ausdrücklich zu Xen als Virtualisierungslösung bekannt. Das Unternehmen aus Raleigh (North Carolina) betont jedoch, dass es den Hypervisor erst ausliefern werde, wenn dieser sich auch für den unternehmenskritischen Einsatz eigne. (akl)