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Virtualisierungslösung Xen bald im Linux-Kernel

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Die Virtualisierungslösung Xen soll bald in den Kernel 2.6 einziehen. Das hat der Kernel-Entwickler Andrew Morton US-Berichten zufolge auf dem derzeit stattfindenden Enterprise-Summit des Open Source Development Labs (OSDL) angedeutet. Morton leitet derzeit zusammen mit Linus Torvalds die Weiterentwicklung des Linux-Kernels 2.6.

Mit Xen lassen sich auf einem PC mehrere Betriebssysteme parallel betreiben. Ähnliches ermöglichen Programme wie VMWare, Bochs oder User-Mode-Linux. Diese nutzen jedoch einen anderen Ansatz zur Emulation, der das System teilweise deutlich ausbremst. Bei Xen soll der Einfluss auf die Performance deutlich geringer sein. Bereits vor Mitte Dezember war Xen als Patch auf der Kernel-Mailingliste mit Bitte um Kommentare veröffentlicht worden. Zu der Zeit entstand eine Debatte um Details um die korrekte Integration in den Kernel.

Fedora und Suse experimentieren derweil bereits mit Xen; verschiedenen Mails zufolge sollen die nächsten Mainstream-Versionen der beiden Linux-Distributionen Xen enthalten.

Für viele Standardaufgaben sind aktuelle PC-Prozessoren überdimensioniert. Insbesondere die Mitte des Jahres erwarteten Dual-Core-Prozessoren dürften in viele Rechnern nur selten vollständig ausgelastet werden. Mit mehreren parallel laufenden Betriebssysteminstanzen lassen sich ihre Ressourcen besser nutzen. Dabei sind sind die einzelnen Systeminstanzen weitgehend voneinander abgeschottet: Probleme wie Viren oder Abstürze in einem der virtuellen Systeme beeinträchtigen andere, auf derselben Hardware laufende Betriebssysteme nicht.

Bei Highend-Servern und Mainframes sind Virtualisierungsfunktionen zur so genannten Partitionierung der Maschinen in logisch getrennte Untereinheiten schon lange üblich. In mehreren Partitionen lassen sich unterschiedliche Betriebssysteme oder auch verschiedene Versionen des gleichen Betriebssystems parallel betreiben. Auch zur Konsolidierung des Server-Dickichts in Rechenzentren sind partitionierbare Systeme gut geeignet. Provider könnten so zum Beispiel eine einzelne Webserver-Maschine in mehrere separate Systeminstanzen aufteilen und diese an unterschiedliche Kunden vermieten. Die können dann in ihrer Instanz Root-Rechte erhalten, gleichzeitig jedoch nicht die anderen Kunden auf dem gleichen System beeinflussen.

Auch NetBSD lässt sich in einer einer virtuellen Xen-Machine betreiben. Windows funktioniert hingegen nicht unter Xen, da die Entwickler keinen Zugriff auf die Windows-Quellen haben. Gastsysteme müssen leicht modifiziert werden, damit sie unter Xen laufen. Virtualisierung unter Windows verspricht die unter dem Codenamen Vanderpool entwickelten Virtualisierungstechnik von Intel. Sie soll Ende des Jahres in die Desktop-Prozessoren des Prozessorherstellers einziehen. (thl)