Virtuelle Archäologie: Troja zu neuem Leben erwecken

Wissenschaftler wollen archäologische Stätten im Internet zu neuem Leben erwecken.

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Von
  • Wolfgang Stieler

Unter Federführung des Medientechnologie-Unternehmens ART+COM wollen Wissenschaftler der Universität Tübingen, des Deutschen Archäologischen Instituts und der ixl-AG Stätten archäologischer Ausgrabungen mit Hilfe der virtuellen Realität zu neuem Leben erwecken.

Das Projekt "VR-basiertes Wissensmanagement und -marketing in der Archäologie" ist eines von 25 prämierten Projekten des Ideenwettbewerbs "Virtuelle und erweiterte Realität" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Das Gesamtprojekt läuft über zweieinhalb Jahre von Februar 2001 bis Juli 2003. Die Gesamtkosten des Projektes betragen voraussichtlich 7,2 Millionen Mark.

In einem interdisziplinären, internationalen Großprojekt des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen unter der Leitung von Prof. Manfred Korfmann arbeiten zahlreiche Wissenschafter aus verschiedenen Fachgebieten und Ländern zusammen. Sie untersuchen die Entwicklung Trojas und der Landschaft, in der es liegt, der Troas, seit dem Ende der letzten Eiszeit – die Geschichte der Menschen, die dort lebten, die Entwicklung der natürlichen Umwelt, und die Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur.

Die Wissenschaftler wollen nun die verschiedensten Forschungsergebnisse in einem räumlichen Modell der Landschaft um Troja mit den in ihr liegenden archäologischen Fundstellen und Ruinen verknüpfen, in dem einzelne Themen in zeitlichen Schichten angeordnet werden können. Schon das dreidimensionale Modellieren verschiedener Gebäude oder geologischer Schichten, so hoffen sie, werde es erlauben, viele Ideen zu überprüfen und zu präzisieren. Alle Kombinationen von Daten und Themen sollten in Echtzeit, die nach Jahrtausenden zählenden Zeiträume in einem extrem beschleunigten Zeitraffer aufgesucht und dargestellt werden können.

Über die reine wissenschaftliche Arbeit hinaus wollen die Archäologen mit einem solchen Modell aber auch der Öffentlichkeit, die die Forschungen finanziert, "mehr zurückgeben als nur ein Versprechen auf einen Gewinn an Einsicht". Ein VR-Modell sei beispielsweise ausgezeichnet dafür geeignet, archäologische und andere wissenschaftliche Sachverhalte seriös, dabei intuitiv erfassbar und anschaulich dargestellt, einem breiten Publikum zu vermitteln. Die Interaktivität des VR-Konzeptes ermögliche den Benutzern, als Raum-Zeit-Reisende selbst zu entscheiden, wohin sie gehen wollen. Durch die Nutzung modernster Satellitenaufnahmen könnten auch die nähere und weitere Umgebung des antiken Troja im entsprechenden Kontext dargestellt werden. Besucher, die mit diesem System ins antike Troja einsteigen, könnten interaktiv Informationen zu archäologisch relevanten Themen und neueste Grabungsergebnisse im rekonstruierten Kontext abfragen.

Die dem Projekt zugrunde liegende VR-Software basiert teilweise auf dem Highend-VR-System "TerraVision" von ART+Com. Die Software wird im Rahmen des Projekts um entsprechende Funktionen erweitert, die vollkommen neue wissenschaftliche Arbeitsweisen zulassen sollen. (wst)