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Virtuelle Währung Bitcoin: Neues Allzeithoch, Zweifel an Sicherheit

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Die virtuelle Währung Bitcoin hat ein neues Allzeithoch erreicht: Gegen Mittag am Dienstag kletterte der Kurs am wichtigen Handelsplatz Mt. Gox bis auf den Spitzenwert von 272 US-Dollar, liegt inzwischen aber wieder darunter. Damit wurde die alte Höchstmarke von 266 US-Dollar aus dem April dieses Jahres überboten. Auch auf anderen Handelsplätzen wie etwa Bitstamp kletterte der Preis auf neue Rekordwerte, der von der Seite Coindesk ermittelte Preisindex gibt 270 als Spitzenwert an. Zum Vergleich: Im Juli 2012 war ein Bitcoin nur etwa sieben Dollar wert, Anfang Januar 2013 ungefähr 15 US-Dollar.

Rauf, runter, rauf: Der Bitcoinkurs auf Mt. Gox holt das Allzeithoch vom April wieder ein.

(Bild: Bitcoinwatch)

Über die Gründe der zweiten Preisrallye seit April wird derzeit viel spekuliert. Einer der Hauptgründe für die rasante Entwicklung dürfte die offenbar sprunghaft gestiegene Nachfrage in China sein. Binnen kürzester Zeit hat BTC-China, die erste Bitcoin-Börse des Landes, zum bisherigen Primus Mt. Gox aufgeschlossen und ihn zeitweise sogar als größten Bitcoin-Handelsplatz der Welt überholt, wie der Bitcoinexaminer berichtet. Die in Tokyo beheimatete Börse Mt. Gox konnte 2011 noch rund 80 Prozent aller Bitcoin-Tauschgeschäfte abwickeln.

Dass sich der eBay-Chef John Donahoe persönlich zu Wort meldete und in einem Interview von einer großen Zukunft für virtuelle Währungen wie Bitcoin sprach, dürfte seinen Teil zur derzeitigen Entwicklung beigetragen haben. Von einer Integration in eBays Bezahltochter Paypal sei jedoch noch nicht auszugehen, so Donahoe. Weitere positive Signale, die ein großes Medienecho nach sich zogen, war etwa die Aufstellung des ersten Bitcoin-Automaten der Welt im kanadischen Vancouver. Bereits am ersten Tag sollen am Gerät des Herstellers Robocoin 10.000 kanadische Dollar umgetauscht worden sein.

Die Schließung des großen Drogen-Marktplatzes Silk Road hat die momentane Kurseuphorie nur kurzfristig gebremst. Nach Bekanntwerden der Razzia sackte der Kurs an den wichtigen Handelsplätze kurzzeitig drastisch ab – erholte sich danach aber rasch wieder. Die Geschäfte der Silk Road wurden ausschließlich über Bitcoin abgewickelt, dabei sollen umgerechnet rund 1,2 Milliarden US-Dollar an Umsätzen generiert worden sein.

Im Berliner Bitcoinkiez kann man auch in normalen Läden mit Bitcoins bezahlen.

(Bild: dpa, Hannibal)

Gleichzeitig wird das Ende der Silk Road von vielen auch als Zeichen gesehen, dass sich Bitcoin von halbseidenen Geschäften freimachen kann, mit denen die Währung oft noch assoziiert wird. Tatsächlich wächst die noch überschaubare Zahl der legalen Akzeptanzstellen stetig an. So werden Bitcoins beispielsweise vom Online-Spieleanbieter Bigpoint, dem Bloggingdienst Wordpress und seit kurzem auch von der Bestellplattform Lieferservice.de angenommen, über die man bei lokalen Bringdiensten ordern kann. Ebenfalls gibt es inzwischen mehrere ausschließlich mit Bitcoin operierende Shops, wie zum Beispiel Bitcoinstore, e4btc und das eBay-ähnliche Bitmit. Im Berliner Bitcoinkiez oder dem Kölner Restaurant Currytime kann man auch in realen Geschäften mit Bitcoins bezahlen.

Auch die Nachricht, dass das Bitcoin-Netzwerk empfindlicher gegen Angriffe sein könnte, als bislang gedacht, konnte den Hype bislang nicht bremsen. So haben Informatiker der Cornell University ein Szenario entwickelt, dass eine Schwachstelle im Bitcoin-System offenlegt. Die Achillesferse liegt demnach in einem möglichen egoistischen Verhalten beim Bitcoin-Mining – dem Prozess, bei dem Rechner weltweit für die Aufrechterhaltung des Netzwerks eine schwere kryptografische Aufgabe lösen und bei Erfolg frische Bitcoins erhalten.

Durch das Mining können die Transaktionen gesammelt und im "Blockchain" genannten Zahlungsverzeichnis des Bitcoin-Netzwerks gespeichert werden. Wenn nun die Gruppe der Ego-Schürfer die von ihr errechneten Blöcke verheimlicht, die anderen ehrlichen Miner weiterrechnen lässt und kurz vor ihnen ihren Block veröffentlicht, könne das auf Dauer für ein erhebliches Ungleichgewicht sorgen. Die Ehrlichen werden gewissermaßen bestraft, während nur die Egoisten noch vom Mining profitieren.

Die Wissenschaftler gehen in ihrem Szenario davon aus, dass sich dieses egoistische Verhalten ausbreiten und schließlich den Weg zu Manipulationen von Zahlungen eröffnen könnte. Normalerweise müsste dafür mindestens 51 Prozent aller Mining-Leistung aufgebracht werden, über das Ego-Schürfen könnte laut den Forschern aber schon 33 Prozent ausreichen. Kleinere Anpassungen am Bitcoin-Protokoll könnten dieses Risiko aber minimieren, trösten die Forscher.

Die Leistung der Bitcoin-Miner und die Schwierigkeit ihrer kryptografischen Aufgaben gehen ebenfall durch die Decke.

(Bild: sipa.be)

Doch unabhängig davon, aus welchen Motiven die Bitcoin-Miner auch immer schürfen mögen, zeigt sich auch hier ein wahrer Höhenflug: Die in Hashes pro Sekunde gemessene Leistung der zum Mining versammelten Rechner ist in den letzten Monaten nahezu explosionsartig gewachsen. Betrug die Gesamtleistung des Mining-Netzwerks im Juni 2013 noch ungefähr 100.000 Gigahashes/s, waren es Mitte September schon eine Million, Mitte Oktober zwei Millionen und seit Anfang November vier Millionen. Gleichzeitig dazu steigt auch die Schwierigkeit der kryptografischen Aufgabe, die die Miner lösen müssen.

Mehr zu diesem durch ASIC-basierte Spezialhardware getragenen Goldrausch erfahren Sie in der Ausgabe 25/13 der c't, die ab 18.11. erhältlich ist. (axk)

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