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Virtuelle Währung Bitcoin: technische Probleme, Handelsaussetzung, Kursschwankungen

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Ein drastischer Kurssturz im Handel mit Bitcoins hat Zweifel an der zum Teil euphorischen Bewertung der virtuellen Währung aufkommen lassen. Der Wert der dezentralen virtuellen Währung an den internationalen Online-Börsen stürzte binnen weniger Stunden um 60 Prozent in die Tiefe, konnte sich dann aber wieder etwas erholen.

Der Betreiber der Online-Börse Mt. Gox, über die nach eigenen Angaben rund 80 Prozent des Bitcoin-Handels abgewickelt wird, sprach von einem stark Anstieg der Handelsaktivität, was die Systeme überfordert habe. Jetzt sollen zusätzliche Server installiert werden, um den Andrang zu bewältigen. Der Handel wurde am Donnerstag für zwölf Stunden eingestellt, er sollte um 11 Uhr (japanischer Zeit) wieder aufgenommen werden und ist mittlerweile tatsächlich wieder aktiv.

Die Zahl der Transaktionen habe sich innerhalb von 24 Stunden verdreifacht, erklärte Mt. Gox. Jeden Tag würden 20.000 neue Konten bei der Online-Börse eingerichtet. Bis Mittwoch stieg der Bitcoin-Kurs zunächst auf 266 Dollar, um dann binnen weniger Stunden auf 105 Dollar abzustürzen. Der Kurs erholte sich am Donnerstag auf etwas mehr als 179 Dollar. Der Kurs gegen 15:30 Uhr japanischer Zeit (8:30 Uhr MESZ) lag bei knapp über 100 US-Dollar, der durchschnittliche Kurs noch bei knapp über 117 US-Dollar. Vor einem Jahr war die virutelle Währung noch mit 5 Dollar bewertet worden.

Während als Gründe für den zeitweisen Absturz und den derzeitigen Rückgang des Kurses werden vor allem technische Probleme angesehen, wie sie auch Mt. Gox anführt. Allerdings nähren die Kursschwankungen auch die Angst vor einer Spekulationsblase, weshalb sich viele klassische Investoren und Geldhäuser noch zurückhaltend zeigen. Als mögliche Gründe für den Höhenflug werden dagegen diverse Erklärungen angeführt. Besonders die Eurokrise gilt als starke Motivation für viele Marktakteure. Denn immerhin ist Bitcoin eine Währung, die unabhängig von Zentralbanken und staatlichem Zugriff von jedem Nutzer mit speziellen Client-Programmen erzeugt werden kann. Zudem ist die Geldmenge von vornherein auf 21 Millionen Bitcoin begrenzt, weshalb das Krypto-Geld mitunter als Schutz vor Inflation und Fluchtwährung gesehen wird, bisweilen sogar als das digitale Gold.

Zudem befinden sich im Netz immer mehr Akzeptanzstellen für Bitcoin-Transaktionen. Zuletzt erklärten etwa der US-Hoster Namecheap, der Blogging-Dienst Wordpress und die Social-News-Site Reddit, Zahlungen in Bitcoin anzunehmen. Selbst der Transaktionsdienstlesiter Western Union denkt daran, die virtuelle Währung zu akzeptieren. Der größte Bitcoin-Zahlungsabwickler Bitpay berichtete, dass allein für die ersten 25 Tage des März ein abgewickeltes Transaktionsvolumen im Wert von zwei Millionen US-Dollar zu verzeichnen war. 2012 waren es im ganzen Jahr nur drei Millionen US-Dollar. Nach eigenen Angaben wickelt das Unternehmen derzeit Zahlungen für insgesamt 4000 Geschäftskunden ab, ein Zuwachs um 1600 seit Anfang Januar.

Ebenfalls könnte ein steigendes Interesse von Großanlegern und institutionellen Investoren den Bitcoin-Trend beflügeln. Dem Handel mit der virtuellen Währung öffnet sich nämlich nach und nach der Zugang zum Bankensystem, inklusive etwa einer Einlagensicherung für Guthaben. Gleichzeitig gibt es neue Investitionsvehikel für Personen mit dem nötigen Kleingeld: So wurde auf Malta Anfang März der erste bitcoinbasierte Hedgefonds gegründet. (jk)