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Vista: Das "Wow" ist gestartet

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Gestern Abend feierten Microsoft-Chef Steve Ballmer und Firmen-Mitbegründer Bill Gates mit geladenen Gästen am New Yorker Times Square die Auslieferung von Windows Vista und der neuen Bürosoftware Microsoft Office 2007. Mangelndes Selbstbewusstsein ist den Microsoft-Oberen wohl nicht zu bescheinigen. Die zentrale Feier stand unter dem Motto "The 'Wow' starts now". Unter "Wow" verstehen die US-Amerikaner keinen in seiner Rede unterbrochenen Hund, sondern eine "großartige Sache", etwas Tolles, einen Bombenerfolg. Bill Gates mag sich an einer der seltenen Nahtstellen der Unternehmensgeschichte, wenn nicht sogar der Geschichte der Computerei stehen sehen, die nach dem, was der Microsoft-Mitgründer gestern zu sagen hatte, offenbar alle zwölf Jahre auftreten.

Vor zwölf Jahren hieß es zum Windows-Start noch "Start me up", nun ist das "Wow" angesagt.

Vor 24 Jahren habe sich Microsoft darangemacht, eine grafische Nutzeroberfläche zu entwickeln, erläuterte Bill Gates. Zwölf Jahre später kam Windows 95 auf den Markt, mit dem Microsoft seine Vision einer GUI verwirklicht hatte, die nun auch die Masse der Computernutzer erreichte. Nun, wiederum zwölf Jahre später, habe die Vision des "digital lifestyle" mit Instant Messaging, Internet, digitaler Fotografie und Musik, VoIP, Online-Shopping und einigem mehr den Mainstream erreicht. So wie Windows 95 ein Schlüssel zu seiner Ära gewesen sei, so sei es nun Windows Vista für eine Zeit, in der sich Breitband-Internetverbindungen immer mehr durchsetzen, erläuterte Gates. Windows Vista nehme bei den Trends zu Mobilität und dazu, verschiedene Funktionen in einem Gerät zu vereinigen, eine zentrale Rolle ein.

Doch nicht nur den Verbrauchern will Gates das Leben erleichtern, sondern den Entwicklern eine umfangreiche und leicht zugängliche Plattform für ihre Produkte bieten, wie er in einem "Backstage-Interview" mit Kollegin Mika Krammer auf Soapbox erläuterte, der im September in die Betaphase gestarteten Videoarchiv-Plattform. Auf der Bühne schilderte Gates, neben all den Funktionen, die für eine bessere Verbindung zum Beispiel über WLAN sorgen sollen, oder dafür, besser zu verstehen, warum etwas in Windows nicht funktioniere, böten Windows und Office Unterstützung für RSS, XML und eine Menge APIs, um darauf zugreifen zu können.

Gates im Backstage-Interview mit Mika Krammer

Windows Vista kommt nach einer Entwicklungszeit von über fünf Jahren heute in die Geschäfte. Die Arbeit an den über 50 Millionen Programmzeilen von Vista kostete Microsoft schätzungsweise 6 Milliarden Dollar. Großkunden wie die Citigroup hatte Microsoft bereits Ende November mit dem neuen System beliefert. Das Weihnachtsgeschäft für die privaten Anwender hatte der Redmonder Riese mit einer Verschiebung des breiten Marktstarts auf Ende Januar jedoch verpasst. Ballmer betonte nun, Vista sei nicht die letzte Windows-Version, die als "großer Meilenstein" eingeführt werde. "Wird es wieder fünf Jahre dauern? Bestimmt nicht!"

Vista werde in über 70 Ländern in 19 Sprachen erhältlich sein, schilderte Ballmer. Bis zum Jahresende soll es in 99 Sprachen lokalisiert worden sein. Das Betriebssystem könne in 39.000 Geschäften gekauft werden, außerdem bei Software- und Hardware-Resellern auf der ganzen Welt. Dazu kämen tausende Computer, auf denen Vista vorinstalliert sein werde. 1,5 Millionen Geräte würden bereits von Vista unterstützt, zudem seien 2500 Programme für das neue Betriebssystem zertifiziert. Neben den 5 Millionen Beta-Testern hob Ballmer die Firmen Intel, AMD, Dell, HP, Toshiba, Sony und Gateway als Partner hervor.

"Keine Windows-Version hatte so eine große Bedeutung wie Vista", sagte Gates, der auch betonte, mit Windows 95 sei das Betriebssystem mit dem Office-Paket zusammengeführt worden. Ballmer sprach vom größten Start in der Software-Geschichte. An der Seite des Microsoft-Führungsduos starteten die Kinder Caroline, Calvin und Chris der Familie von Melissa und Chris Regan mit einem symbolischen Knopfdruck den Verkauf von Windows Vista und schalteten damit Leuchtreklamen für Office und Vista auf dem Times Square ein. Die "Vista-Familie" aus Germantown im US-Bundesstaat Maryland hatte sich als Tester an der Entwicklung von Vista beteiligt.

Als eine von 50 "Vista-Familien" weltweit hatte auch die Familie von Theo Kröper aus München an dem "Beta-Programm" teilgenommen. "Wir sind mit der Oberfläche von Anfang an gut klargekommen", sagte Martina Haug-Kröper laut einem dpa-Bericht. Besonders die Bildbearbeitung und das Brennen von Diashows auf CD seien viel einfacher als zuvor, ließ sie sich entlocken. Lediglich die Kinderschutzfunktion für das Internet sei bei der Beta-Version von Vista zu streng gewesen. "Als wir die eingeschaltet hatten, konnten wir fast nirgendwo mehr hinsurfen", sagte Sohn Alexander Kröper.

Von einem großen Interesse an Vista sprach in New York Kevin Rollins, Chef des weltweit zweitgrößten PC-Herstellers Dell. Bereits vor der Vista-Einführung sei der Verkehr auf der Website von Dell um 20 Prozent gestiegen. Roger L. Kay, Präsident des Beratungsunternehmens Endpoint Technologies Associates, verwies dagegen in New York darauf, dass viele Firmenkunden von Microsoft beim Umstieg auf ein neues System abwarteten. "Ich habe noch etliche Kunden, die noch nicht einmal auf das Vorgänger-System Windows XP gewechselt sind." Windows Vista sei sicherer und eleganter als ältere Windows-Varianten. Populäre Aufgaben eines PC wie E-Mail schreiben, im Web surfen oder ein Video anschauen, könnten auch ältere Systeme erledigen.

Zu Windows Vista siehe auch:

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