Vivendi-Chef kann nicht mehr allein steuern

Die die Umstrukturierung der Gruppe, die außer auf Film, Fernsehen und Internet auch auf der Telekommunikation und das Versorgungsgeschäft setzt, soll schneller über die Bühne gehen.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 2 Beiträge
Von
  • Birthe Blechschmidt, dpa

Der umstrittene Chef des weltweit zweitgrößten Medienkonzerns Vivendi Universal, Jean-Marie Messier, kann sich weiter an der Spitze halten, doch wird ihm künftig bei der Führung stärker ins Steuer gegriffen. Auf der mit Spannung erwarteten Verwaltungsratssitzung in New York fielen zur Enttäuschung der Finanzmärkte zwar keine konkreten Schritte zum Abbau der immensen Schulden. Doch überraschend wurde Messier ein Lenkungskomitee zur Seite gestellt, dass nun bei der Entschuldung Nägel mit Köpfen machen soll. "Neue Maßnahmen" solle dieses Komitee vorschlagen, den besten internationalen Praktiken entsprechend, hieß es in der offiziellen Mitteilung des Unternehmens vom Donnerstag in Paris. Insgesamt hat Messier durch Übernahmen zu Höchstpreisen bei Vivendi einen Schuldenberg von mehr als 30 Milliarden Euro aufgehäuft.

Ein hochkarätiges amerikanisch-französisches Duo wird an der Spitze des Lenkungskomitees stehen: Großaktionär Edgar Bronfman Jr. und der frühere Chef der französischen Großbank Société Générale, Marc Viénot. Von ihnen wird nach Börseninformationen nun der entscheidende Strategiewechsel erwartet, um den Kursverfall zu stoppen und die Beteiligungsstrategie ins rechte Lot zu bringen. Viénot ist einer der einflussreichsten Manager in Frankreich, gilt als beinhart und hat schon manchen Machtwechsel eingeleitet. Bronfman Junior gehört zur mächtigen Erbenfamilie Bronfman, deren Seagram-Gruppe mit Vivendi verschmolzen wurde. Er hatte sich erst vor einem halben Jahr aus der operativen Führung von Vivendi Universal in den Verwaltungsrat verabschiedet.

US-Aktionäre und Analysten haben Messier in den vergangenen Monaten immer stärker unter Druck gesetzt. Der 45-Jährige müsse die Umstrukturierung der Gruppe schneller vorantreiben, die gleich einem Gemischtwarenladen ihren Schwerpunkt nicht nur auf Film, Fernsehen und Internet setzt, sondern auch Standbeine in der Telekommunikation und im Versorgungsgeschäft hat. Die Kritik entzündet sich dabei vor allem am Wasserversorger Vivendi Environnement, an dem Vivendi Universal die Mehrheit hält. Vor der Verwaltungsratssitzung war erwartet worden, dass ein Beschluss zur Reduzierung des Anteils auf unter 50 Prozent fällt, damit die bei der Tochter geparkten Schulden von 16 Milliarden Euro nicht mehr in der Bilanz der Mutter auftauchen.

"Entsprechende Maßnahmen werden erst öffentlich gemacht, wenn sie verwirklicht worden sind", teilte der Konzern in Paris mit. Die Börse in Paris reagierte darauf am Donnerstag mit Kursabschlägen. Die Vivendi Universal-Aktie fiel zwischenzeitlich um 4,06 Prozent auf 32,37 Euro. Seit Jahresanfang sank der Kurs um mehr als 47 Prozent.

"Messier hat seinen Kopf noch einmal gerettet, doch noch fehlen entscheidende Initiativen für die Zukunft", sagte ein Börsenanalyst. Die Einrichtung des Lenkungsgremiums wurde vom Wall Street Journal als Kompromiss der widerstreitenden Meinungen in der Bronfman-Familie gewertet. Charles Bronfman, schärfster Kritiker von Messier, wollte dem Vorstandschef nach Brancheninformationen noch schärfere Kontrollen anlegen. Notgedrungen begrüßte Messier die Einrichtung des neuen Lenkungskomitees. Die von ihm voreilig angekündigte Wiederholung der Hauptversammlung vom 24. April auf Grund von Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung schmetterte der Verwaltungsrat indes ab. Mit der Neuauflage wollte Messier doch noch Finanzanreize für das oberste Management durchsetzen. (Birthe Blechschmidt, dpa) / (jk)