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VoIP-Telefonie und Mobilfunkrufnummer: Erste Erfahrungen mit Sipgate Satellite

Mit dem Satellite-Dienst bekommt das Smartphone eine zweite Mobilfunkrufnummer ohne SIM-Karten-Bindung gratis. Das dürfte Nutzer interessieren, die geschäftliche und private Telefonie trennen wollen. Die wichtigsten Funktionen überzeugen.

VoIP-Telefonie und Mobilfunkrufnummer: Erste Erfahrungen mit Sipgate Satellite

Installiert und freigeschaltet: Nach postalischer Zusendung des Aktivierungs-Codes kann man per Satellite Telefonate in fremde Netze aufbauen und auch auf das im Smartphone integrierte Telefonbuch zugreifen.

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Die Düsseldorfer Firma Sipgate hat kürzlich ihren Satellite-Dienst gestartet, mit dem sie die IP-Telefonie mit Mobilfunkrufnummern kombiniert. Dafür ist lediglich die Installation der Sipgate-eigenen App namens Satellite erforderlich – jedoch keine SIM-Karte. So erhält ein Smartphone neben der SIM-gebundenen Rufnummer eine weitere mit der Vorwahl 015678. Die App, die zurzeit nur für iOS erhältlich ist und später für Android angepasst wird, lässt sich ohne Umschweife auf mehr als einem Gerät einrichten. So können Partner oder Vereinsmitglieder eine Rufnummer verwenden oder man nutzt die zusätzliche Nummer um private und geschäftliche Telefonate zu trennen. Praktisch: Meldet man sich in der App vom Dienst ab, gehen unter der Satellite-Nummer keine Anrufe auf dem betreffenden Gerät ein.

Satellite gründet auf der IP-Technik und benötigt zur Sprachübertragung Datenverbindungen, sei es per WLAN, LTE, UMTS oder EDGE. Satellite funktioniert daher auch im Ausland zu Inlandstarifen. Pro Minute überträgt der Satellite-Sprach-Codec 500 kByte bis 2,2 MByte. Nach Installation der Software sind zunächst nur netzinterne Gespräche mit anderen Satellite-Teilnehmern möglich. Die Freischaltung für Gespräche in andere Netze erfolgt erst nach der Eingabe des per Post zugeschickten Codes. Für die ersten Testrufnummern ging der Freischalt-Code nach drei Tagen ein.

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Erst nach Eingabe des Codes gewährt die App auch den Zugriff auf die iOS-eigene Kontakt-Datenbank. In ersten Prüfungen konnte der Dienst überzeugen. Ein- und ausgehende Festnetz-Verbindungen baute die Satellite-App umgehend auf, die Sprachqualität gefiel gut. Installiert man die Software auf mehreren Geräten, klingeln sie bei eingehenden Anrufen gleichzeitig und das, mit dem man den Anruf zuerst annimmt, bekommt wie erwartet die Verbindung. Im WLAN eingebuchte Geräte registrierten eingehende Anrufe etwas schneller, bei ersten Telefonaten fielen keine Sprachaussetzer auf.

An Kleinigkeiten muss Sipgate freilich noch feilen. Mit der getesteten App-Version 1.0.1 (215) brauchte ein bei Satellite bereits angemeldetes iPhone nach einem Neustart ein bis zwei Minuten, bis es sich erneut registrierte und Anrufe bei ihm eingingen. Danach aktualisierte es das Anrufregister des Satellite-Kontos umgehend, sodass zum Beispiel die bei abgemeldetem Satellite-Client entgangenen Anrufe angezeigt werden.

Kontakte, die sehr viele Telefonnummern enthalten, bereiten Satellite 1.0.1 (215) noch Probleme: Die App zeigt nicht alle Rufnummern an, einige fehlen ohne weiteren Kommentar. Außerdem erkennt iOS nicht, wenn man Satellite verwendet, um die SIM-Rufnummer desselben iPhones anzurufen oder umgekehrt. Deshalb werden solche sinnlosen Verbindungen nicht unterbunden. Für die Apple Watch gibt es bisher keine App, sodass sie anders als bei SIM-gebundenen Anrufen keinen Mucks von sich gibt, wenn ein Telefonat für den Satellite-Client eingeht.

Unterm Strich konnten der Dienst und die App aber überzeugen. Sie belegen außerdem nachdrücklich, wie einfach man zusätzliche Mobilfunkrufnummern auf modernen Smartphones einrichten und nutzen kann. Demnächst will Sipgate einen Pauschaltarif für knapp fünf Euro für Telefonate jenseits der aktuellen 100-Minuten-Grenze pro Monat anbieten. Und wer weiß, vielleicht kommen demnächst auch weitere Telefonie-Funktionen hinzu. Wünschenswert wäre zum Beispiel eine Konferenz-Schaltung. Mobilfunknetzbetreiber dürften interessiert zuschauen. (dz)

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