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Vodafone gesteht sieben Millionen "Karteileichen" ein

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Sieben Millionen Vodafone-Kunden sind inaktiv und bringen dem Unternehmen keinen Umsatz ein, musste Firmen-Chef Chris Gent auf einer Analystenkonferenz einräumen. Danach verbrauchten viele Handyeigner beispielsweise das Guthaben ihres Prepaid-Handys, lüden es aber danach nicht wieder auf, sondern besorgten sich stattdessen ein neues Gerät.

Dieser "Unsitte" sind die Mobilfunkanbieter allerdings bereits entgegengetreten, indem sie nur noch eine geringe Anzahl oder sogar nur noch ein einziges Prepaid-Handy pro Kunden verkaufen. Nach Aussagen von Vodafone seien aber 90 Prozent der Inhaber von Prepaid-Karten auch aktive Nutzer, während es bei den Vertragskunden 94 Prozent seien. Ein Kunde wird als "aktiv" eingestuft, wenn er innerhalb von 3 Monaten wenigstens einen Anruf getätigt oder empfangen hat.

Das überraschende Geständnis des Vodafone-Konzerns, wonach umgerechnet rund neun Prozent seiner 80 Millionen Mobilfunk-Kunden als inaktiv zu gelten haben, ist Ausdruck des Versuchs, einen Paradigmenwechsel zu lancieren: Vor dem Hintergrund einer hochgradigen Marktsättigung kann das Marketing-Argument "Kundenwachstum" immer weniger schlagkräftig eingesetzt werden. Stattdessen versucht das Unternehmen, mit dem erzielten Umsatz pro Kunden zu glänzen.

Aus diesem Blickwinkel heraus erweist sich das Eingeständnis des Vodafone-Konzerns als raffinierter Schachzug. Denn rechnet man die inaktiven Kunden heraus, steigt der Umsatz pro (aktivem) Kunden automatisch an. Gleichzeitig lassen sich auch die Wachstumsprognosen wieder günstiger darstellen, weil im Lichte dieser neuen Definition auf einmal nur noch gut 50 anstatt 60 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung ein ("aktives") Handy besitzen, sodass mehr Spielraum bis zur Sättigung des Marktes bleibt. (klp)