Volkswagen: Höherer Umsatz und Gewinn, Werksschließungen in Europa

Der Volkswagen-Konzern hat seinen Gewinn 2019 um 12,8 Prozent gesteigert. Noch ist unklar, wie sich das Coronavirus auf die kommende Bilanz auswirken wird.

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(Bild: Volkswagen AG)

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Der Volkswagen-Konzern konnte Umsatz und Gewinn im Geschäftsjahr 2019 steigern. Das teilte der Konzern am Dienstag mit. Dem Geschäftsbericht nach konnte die VW-Gruppe 2019 ihren Gewinn unterm Strich um 12,8 Prozent auf 13,3 Milliarden Euro erhöhen. Der Umsatz legte um 7,1 Prozent auf 252,6 Milliarden Euro zu. Gründe sind unter anderem starke SUV-Verkäufe, Spareffekte und sinkende Kosten zur Bewältigung der Abgaskrise.

In einigen Regionen ist die Marktlage wegen der schwächeren Konjunktur jedoch schwierig. Und der Blick auf die weitere Entwicklung im laufenden Jahr fällt eher vorsichtig aus. Noch geht Volkswagen von einem Wachstum auf Vorjahresniveau aus, heißt es in dem Bericht. Allerdings "werden die Wachstumsaussichten von anhaltenden geopolitischen Spannungen und Konflikten sowie länder- und regionsübergreifenden Epidemien – wie aktuell die Ausbreitung des Coronavirus – belastet".

So kündigte Herbert Diess, Konzernchef von Volkswagen, bei der Bilanzbekanntgabe an, dass das Unternehmen seine Werke in Europa vermutlich für zwei bis drei Wochen schließen wolle. Dies solle an den meisten Standorten ab dem 20. März der Fall sein, schreibt die dpa unter Berufung auf einen Brief eines Betriebsrates an die Belegschaft der VW-Mitarbeiter in Wolfsburg. Mitarbeiter hatten eine "Zweikalssengesellschaft" bemängelt: Während Büroarbeiter im Homeoffice bleiben können, seien Produktionsmitarbeiter, die dicht zusammenarbeiten müssen, weiter gefährdet. Bisher hatte Volkswagen unter anderem seine Werke in Spanien in Navarra und das der VW-Tochter Seat in Martorell herunterfahren.

Die Folgen der Epidemie seien "eng zu monitoren", hieß es jüngst. Von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Hilfen wie ein leichterer Zugang zu Kurzarbeitergeld sind für den Konzern derzeit kein Thema.

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In China zumindest stabilisiere sich die Lage zunehmend wieder, hieß es aus dem Management – die Lieferketten nach Europa und in andere Regionen seien stabil. Im Februar stürzten die Verkäufe in der Volksrepublik jedoch ab: Sie sanken im wichtigsten Einzelmarkt im Vergleich zum Vorjahr um fast drei Viertel. Der Effekt war maßgeblich dafür verantwortlich, dass auch bei globaler Betrachtung ein erhebliches Minus um 24,6 Prozent in der Absatzstatistik stand.

Bisher hatte VW erwartet, dass sich die Lage bald wieder etwas stabilisiert. Der Februar sei "ganz klar ein Corona-Monat" gewesen, meinte ein Manager. Aufgrund der Werksschließungen dürfte sich dies noch weiter nach hinten schieben.

Im kompletten Zahlenwerk ist auch wieder der Vergütungsbericht für die Top-Manager und Aufsichtsräte des Konzerns enthalten. Für das Jahr 2018 hatte Konzernchef Herbert Diess – ohne Rentenansprüche
– mehr als 7,6 Millionen Euro erhalten. 2019 liegt die jährliche Zielvergütung für den Vorstandsvorsitzenden bei rund 9 Millionen Euro. Für 2019 bekommen die rund 100.000 Tarifbeschäftigten der Volkswagen AG einen Bonus von 4950 Euro.

Die Kernmarke Volkswagen Pkw hat 2019 einen Umsatz von 182 Milliarden Euro erzielt. Das entspricht einem Zuwachs von 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Entsprechend positiv fällt auch der operative Gewinn aus, der um 2,2 Milliarden Euro auf 12,2 Milliarden Euro ansteigt. Zu diesem Anstieg hätten eine Reihe von Faktoren geführt, darunter ein höherer Absatz an Pkw sowie "positive Effekte aus Produktkosten und geringere "negative Sondereinflüsse" wie "Dieselgate". Nach Angaben von Volkswagen hätte das Ergebnis im Pkw-Bereich besser ausfallen können. Allerdings seien die Forschungs- und Entwicklungskosten gestiegen.

Für die Altlasten von "Dieselgate" musste der Konzern im abgelaufenen Jahr 2,34 Milliarden Euro veranschlagen – 2018 hatten Sondereinflüsse von 3,18 Milliarden Euro zu Buche geschlagen. Das Unternehmen will an 260.000 Diesel-Geschädigte aus der Musterfeststellungsklage eine Gesamtsumme von 830 Millionen Euro verteilen. Damit dürfte die Diesel-Rechnung noch einmal steigen, mittlerweile betragen die weltweiten Rechtskosten bereits mehr als 30 Milliarden Euro.

Gemessen an den Auslieferungen blieb die VW-Gruppe 2019 vor dem Erzrivalen Toyota weltgrößter Autobauer. Das Plus betrug 1,3 Prozent auf 10,97 Millionen Fahrzeuge, die Japaner kamen auf 10,7 Millionen.

Vorstellung VW ID.4 (5 Bilder)

Ähnlich wie der Tiguan zum Golf soll sich der ID.4 zum ID.3 verhalten.
(Bild: Volkswagen )

(mit Material der dpa) / (olb)