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Volkswirte sehen Arbeitslosigkeit nicht weiter sinken

Der Arbeitsmarkt in Deutschland entwickelt sich seit mehreren Jahren sehr stabil; die Arbeitslosenquote ging trotz aller Krisen stetig zurück. Volkswirte großer deutscher Banken warnen davor, dass sich das bereits im nächsten Jahr ändern könnte.

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(Bild: dpa, Franziska Gabbert/Symbolbild)

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Die Zeiten stagnierender oder sogar sinkender Arbeitslosigkeit in Deutschland gehen nach Einschätzung von Volkswirten großer Geldinstitute allmählich zu Ende. Zwar zeichne sich bis zum Jahresende noch eine stabile Arbeitsmarktlage ab, wie sie auch die Augustmeldung der Bundesagentur für Arbeit (BA) dokumentiert. Für 2016 rechnen viele Wirtschaftsexperten aber bereits mit leicht steigenden Arbeitslosenzahlen. Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) hervor.

Die befragten Fachleute führen die erwartete Entwicklung vor allem auf den anhaltend starken Zustrom von Flüchtlingen zurück. Auch der Volkswagen-Skandal rund um die Manipulation von Abgasmessungen könnte den Arbeitsmarkt treffen, meinen einzelne Volkswirte.

Nach Einschätzung von Allianz-Volkswirt Rolf Schneider dürften wegen der starken Binnennachfrage zwar weiterhin neue Arbeitsplätze entstehen. Dem stehe aber eine ungleich größere Zahl von Zuwanderern gegenüber. Neben Asylbewerbern werden aus seiner Ansicht auch verstärkt EU-Bürger aus Südosteuropa in Deutschland ihr Glück suchen. Wie stark die hohe Migrantenzahl in der Arbeitslosenstatistik ihren Niederschlag findet, hängt nach Auffassung der Volkswirte auch von der Dauer der Asylverfahren ab. Prognosen für 2016 seien daher schwierig.

Bayern-LB-Volkswirt Stefan Kipar sieht auch in der VW-Affäre ein gewisses Risiko für den deutschen Arbeitsmarkt. "Da hängt ein Haufen Jobs dran. Denn ich gehe davon aus, dass die vom Autoabsatz abhängigen deutschen Autozulieferer jetzt erst mal mit der Einstellung neuer Arbeitskräfte warten werden", schätzt Kipar. Die Konjunkturprobleme in China bereiten ihm dagegen weniger Sorgen. "Bisher hat sich die Konjunkturschwäche in China nicht in einer schlechteren Auftragslage der deutschen Industrie niedergeschlagen."

In der Summe hat das die meisten Volkswirte der großen deutschen Geldhäuser dennoch dazu bewogen, ihre Arbeitsmarktprognosen für 2015 bereits zu korrigieren. Zwar erwarten sie im Ergebnis des laufenden Jahrs zunächst weiterhin einen Rückgang der Arbeitslosigkeit, allerdings werde sich die Kurve abflachen: Statt eines Minus von 100.000 bis 110.000 arbeitslos Gemeldeten gegenüber dem Jahr 2014 erwarten einige nun im Schnitt nur noch ein Minus von rund 90.000. Für 2016 veranschlagen die Volkswirte dann einen Anstieg der Erwerbslosenzahlen zwischen 70.000 und 100.000. Lediglich Michael Holstein von der DZ-Bank geht davon aus, dass die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt 2016 wie zuvor unverändert bei 2,8 Millionen liegen wird.

Bei den Detailerwartungen für die kommenden Monate spielen saisonale Einflüsse eine große Rolle. Für den September erwarten die befragten Volkswirte saisonbedingt einen stärkeren Rückgang der Arbeitslosenzahlen als im Jahresdurchschnitt. Mit rund 2,7 Millionen werde die Zahl um rund 100.000 unter dem Vormonatsniveau liegen, berichteten sie unter Berufung auf eigene Berechnungen. Das wären 110.000 weniger als vor einem Jahr. Der starke Rückgang geht nach ihren Einschätzungen vor allem auf das Konto des Herbstaufschwungs. Nach den Sommerferien haben viele Unternehmen wieder verstärkt Arbeitskräfte eingestellt. Auch Ausbildungsabsolventen sollen nach vorübergehender Arbeitslosigkeit einen Job gefunden haben.

Die offiziellen Arbeitslosenzahlen für September will die BA am kommenden Mittwoch, dem 30. September, veröffentlichen. (psz)