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Volltextportal Zeno.org: "Kultur kostet Geld"

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Ein Jahr nach Gründung ist die größte deutschsprachige Volltextbibliothek Zeno.org in finanziellen Schwierigkeiten. Da die Werbeeinnahmen deutlich hinter den laufenden Kosten zurückgeblieben seien, plant Geschäftsführer Ralf Szymanski die Einführung eines Abo-Modells.

In dem Wissensportal sind überwiegend Werke aufgeführt, deren Urheberrecht ausgelaufen ist – das Angebot reicht von der Luther-Bibel aus dem Jahr 1545 bis hin zu den Werken Kurt Tucholskys. Der Verlag hat auch mehrere historische Lexika digitalisiert und in eine übergreifende Volltextsuche integriert. Insgesamt sind Texte mit 2,4 Milliarden Zeichen in dem Portal online, hinzu kommen tausende hochauflösende Abbildungen von Kunstwerken.

Zum ersten Geburtstag des Projekts stehen die Zeichen schlecht. In einer Zwischenbilanz habe die Berliner Zenodot Verlagsgesellschaft Kosten und Einnahmemöglichkeiten verglichen, erläutert Szymanski im Gespräch mit heise online. "Das Ergebnis war sehr ernüchternd." Zwar habe sich der Traffic auf dem Portal erfreulich entwickelt, die Einnahmen seien aber nicht entsprechend gewachsen. Die Werbeeinnahmen seien dramatisch hinter den laufenden Kosten zurückgeblieben, eine Besserung sei nicht in Sicht, erläutert Szymanski. Derzeit arbeite ein Team von vier bis fünf Angestellten an dem Portal.

Unter dem Titel Kultur kostet Geld macht der Geschäftsführer auf die akute Notlage aufmerksam: "Wir glauben, dass Zeno.org ein wichtiger Beitrag im deutschsprachigen Netz ist und wollen das Projekt nicht aus finanziellen Gründen sang- und klanglos einstellen." Als alternative Finanzierungsmethode schwebt ihm eine monatliche Abo-Gebühr vor, deren Höhe er mit der Leserschaft abstimmen will. Gegenüber heise online betont er jedoch, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. "Wir wollen jetzt einen Dialog beginnen", so Szymanski.

Im Offline-Geschäft sieht es nicht besser aus. "Die Warengruppe elektronische Medien löst sich derzeit auf", erklärt Szymanski, der auch die Geschäfte des Verlags Directmedia führt. Dieser bietet unter dem Namen Digitale Bibliothek zahlreiche Werke auf CD und DVD an, stößt damit aber auf eine immer geringere Nachfrage: "Kunden sind kaum noch bereit, für Datenträger Geld auszugeben." Stattdessen würden sich die Wissenssuchenden im Internet bedienen.

Dass mit der kostenlosen Vermittlung von Wissen im Internet Geld zu verdienen ist, glaubt hingegen die Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG. Zwar lässt die für April angekündigte Plattform "Brockhaus Online" weiter auf sich warten, das im selben Haus erscheinende Meyers Lexikon wurde in der vergangenen Woche aber weiter ausgebaut. Das Online-Portal hat inzwischen einen größeren Datenbestand und neue Community-Funktionen. So können Mitglieder etwa eigene Homepages anlegen; seit dem vergangenen Jahr ist es Lesern auch möglich, an den Lexikon-Artikeln mitzuschreiben. Um dem Schicksal von Zeno.org zu entgehen, hat der Lexikon-Verlag eine Vermarktungspartnerschaft mit Tomorrow Focus geschlossen. (Torsten Kleinz) / (pmz)

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