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Technology Review

Vollzugriff auf Onlinedaten für 100 Dollar im Monat

In den USA können Kunden sich gegen Bezahlung von einer Marktforschungsfirma überwachen lassen. Die weiß dann immer, wohin man surft und wo man sich befindet.

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Während ein großer Teil der Bevölkerung ein invasives Nutzertracking im Internet ablehnt und nicht will, dass derart in die Privatsphäre eingegriffen wird gibt es offenbar auch Menschen, die sich nichts aus dem Datamining in ihrer Onlinelebenswelt machen.

Einige Start-ups nutzen diese Erkenntnis nun aus, indem sie versuchen, sich Zugriff auf bislang private Daten wie die Webnutzung oder das Onlinebanking zu erkaufen, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Luth Research, eine Firma aus San Diego, geht nun noch einen Schritt weiter. Die Firma will Marketingunternehmen und Werbetreibenden Zugriff auf das digitale Leben Zehntausender Menschen geben, die sich vorher bereiterklärt haben, mitzumachen. Gegen Zahlung von 100 Dollar im Monat sollen sie einen Großteil ihrer Aktivitäten auf Smartphone, Tablet oder PC offenlegen.

Luth nennt das Angebot "ZQ Intelligence" und es sammelt und analysiert Daten von den Telefonen und Computern vorausgewählter Teilnehmer über ein geschütztes virtuelles privates Netzwerk (VPN). Die Daten werden durch die Server der Firma geschleust, gesammelt und auf Trends analysiert. Liuth schaut sich laut eigenen Angaben zwar nicht die Inhalte von Nachrichten an, weiß aber beispielsweise, wo sich ein Smartphone-Nutzer gerade aufhält, welche Websites er anklickt, nach was er bei Google sucht und wie oft er Twitter checkt. Die Teilnehmer müssen außerdem regelmäßig Fragen über ihr Onlineverhalten beantworten.

Luth führte im vorigen Jahr beispielsweise ein Projekt für den Autohersteller Ford durch. Der Konzern wollte genauer wissen, wie die Kaufentscheidung für einen Neuwagen beim Kunden fällt. Luth suchte daraufhin nach Kunden, die sich gerade für ein Fahrzeug interessieren – und verfolgte ihren digitalen Weg von den ersten Recherchen im Web bis zum tatsächlichen Kauf. Nachvollziehbar war beispielsweise, wenn ein Kunde zu einem Händler fuhr und dort dann die Websites konkurrierender Autohersteller auf seinem Mobiltelefon besuchte. Auch das Auffinden von Finanzierungsoptionen wurde getrackt.

Mehr zum Thema in der Langfassung dieses Artikels:

(bsc)

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