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Vom Hobbymusiker zum Weltstar

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Als Chris Hülsbeck seine Eltern mit der Wahl seines Berufes schockierte, gab es den noch gar nicht. Heute gibt es ihn, und der Kasseler ist ein Weltstar mit Haus und Studio bei San Francisco und Auftraggebern auf der ganzen Welt: Hülsbeck ist Komponist und schreibt Musik für Videospiele. Mit seinen Werken und einem Orchester mit 120 Musikern hat er schon Zehntausende begeistert.

"Eigentlich war es ganz einfach: Musik war immer mein Hobby, Computer waren immer mein Hobby, da lag die Verbindung nahe. Nur, dass ich damit mal mein Geld verdienen würde, hätte ich nicht mal geträumt." Hülsbeck kommt aus einer musikalischen Familie. Schon früh spielte er "alles was Tasten hat". Dazu zählte auch das Keyboard des Computers, denn der passionierte Gamer wäre gern Programmierer geworden. "Als ich 18 war, gab es einen Wettbewerb in einer Computerzeitschrift. Das fand ich spannend, weil ich immer wieder Melodien im Kopf hatte. Das komplizierte war, die umzusetzen. Der C64 konnte damals ja nur drei Töne."

In den frühen Achtzigern freuten sich die Entwickler von Videospielen, wenn der Computer überhaupt etwas von sich gab. Dass das über ein simples Didit-Tada-Didit kaum hinausging, was heute schon von Türgongs übertroffen wird, störte nicht. Gerade darin sah Hülsbeck die Herausforderung: Aus den paar Tönen etwas Interessantes zu machen. Er gewann den Wettbewerb einer Computerzeitschrift und hört noch heute gern die Stücke, die er damals der Jury angeboten hatte. Etwas später bekam der junge Nordhesse seinen ersten Auftrag, dann noch einen und schließlich war er in seinen Zwanzigern ein anerkannter Komponist für Videospielmusik.

"Es ist ein bisschen wie Filmmusik. Nur kommt bei uns das Interaktive hinzu", erklärt Hülsbeck seine Arbeit. Während beim Film der Komponist die Musik statisch szenengenau abstimmen kann, hängt beim Spiel alles vom Nutzer ab, der mal schneller, mal langsamer vorwärts kommt. Der große Tusch sollte erst mit dem Finale ertönen. Und vorher darf die Musik nicht abgehackt sein oder in Dauerschleife dudeln.

Also arbeitet Hülsbeck schon bei der Entstehung des Spiels mit, komponiert mehrere Varianten und sorgt für unbemerkte Übergänge, wenn der Spieler endlich das nächste Level erreicht hat. Das sei ist in erster Linie viel Programmierarbeit.

Im Jahr 1998 bekam er das Angebot, die Musik für "Star Wars – Rogue Squadron" für Nintendos N64 zu schreiben. Dafür musste er in die USA gehen. So wurde aus Christopher Hülsbeck Chris Huelsbeck und aus dem Kasseler einer der gefragtesten Komponisten seiner Branche weltweit. Im vergangenen Sommer gab er sogar ein Konzert mit mehr als 120 Musikern des WDR-Rundfunkorchesters in Köln. Die Karten waren ebenso schnell vergriffen wie die vom WDR produzierte CD. Am 4. August spielt er mit dem Königlichen Philharmonischen Orchester in Stockholm im Konserthuset, wo die Nobelpreise vergeben werden.

Hülsbecks Vorbilder sind fast alle Filmmusikkomponisten: John Williams, Jerry Goldsmith, Alan Silvestri oder Hans Zimmer. Letzter ist Frankfurter und hat es in Hollywood zum Millionär und Oscar-Preisträger gebracht. Gern würde er auch mal die Musik für einen Film schreiben, Kontakte dazu gebe es schon. Dieser Traum hat auch einen europäischen Ableger: "Mal die Musik für einen Tatort schreiben – das wäre Klasse." (Chris Melzer, dpa)/ (pen)