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Von Chaos keine Spur: Mehr als 2000 Computerfans im CCC-Zeltlager

Fünf Briten haben es sich am Campingtisch bequem gemacht. Vor Wind und allzu indiskreten Blicken schützen sie ihre über Eck geparkten Wohnmobile. Die Tastaturen ihrer Laptops klappern, für lange Gespräche mit den anderen in der Runde ist es ihnen noch zu früh. Keine fünf Meter weiter krabbelt ein verschlafener junger Mann aus seinem Zelt. Es ist Mittagszeit beim 3. Sommerzeltlager des Chaos Computer Clubs, zu dem sich mehr als 2000 Computerfans aus aller Welt auf dem Gelände des Luftfahrtmuseums Finowfurt in Brandenburg versammelt haben.

Viele hier sind nachtaktiv, sagt Florian Holzhauer schmunzelnd. Der 27 Jahre alte Informatikstudent muss als Projektkoordinator um diese Zeit längst hellwach sein. Es gibt jede Menge zu organisieren, auch nachdem die sechs Kilometer Glasfaserkabel zur Vernetzung der in 50 thematischen Dörfern untergebrachten Besucher längst verlegt sind. Besucher sind über das Gelände zu führen, Absprachen zu treffen. Holzhauer bleibt gelassen, auch wenn dauernd eines seiner Telefone klingelt oder über Funk die Sicherheits-Leute um seine Unterstützung bitten.

Die haben allerdings nicht allzu viel zu tun, wie Heinz Dorber, technischer Leiter des Museums, das auf einem Teil des früheren Finowfurter Militärflughafens angesiedelt ist sagt: "Das sind sehr angenehme Gäste. Von Chaos keine Spur." Die 40-jährige Gitta sieht das ähnlich. Ihr kleiner Sohn Lucas habe mit seinen sieben Jahren noch nie so viel Freiheit gehabt wie im Camp. Seine Tage verbringt er in dem von Eltern organisierten Kindergarten. Sein großer Bruder Jonathan (12) begleitet dagegen Vater Matthias, von Beruf Programmierer, gern zu Vorträgen oder Workshops, von denen mehr als 70 auf dem Camp-Programm stehen.

Für einigen Diskussionsstoff sorgt dabei der sogenannte Bundestrojaner. Der Kölner Medienrechtler Marco Gercke ist davon überzeugt, dass sich Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) zuviel von den geplanten Online-Durchsuchungen privater Computer verspricht. Es werde den Sicherheitsbehörden in der Regel nicht gelingen, die Software über E-Mails oder Datenströme in die Rechner mutmaßlicher Krimineller einzuschleusen, ist er überzeugt.

Computersicherheit und Online-Durchsuchungen zählen zu den Schwerpunkten des "Open Air Events für Hacker und ähnliche Lebensformen". Und Holzhauer verweist auf die Mischung von Technik, Politik und Kultur, die das Camp und den Club mit seinen rund 1500 Mitgliedern ausmache. So seien Musiker ebenso im Camp wie Lichtkünstler. Abends steht neben PowerPoint-Karaoke auch die Massage verspannter Schultern auf dem Programm. Treffpunkt ist das Lenin- Denkmal am Hangar 3. Der Revolutionär ist nicht zu verfehlen. Jemand hat ihm ein blinkendes Baströckchen angezogen und seinen Hals mit einer Blumengirlande geschmückt.

Siehe zum 3. Chaos Communication Camp:

Zum 2. Chaos Communication Camp 2003 siehe auch:

(Annette Herold, dpa) / (Annette Herold, dpa) / (vbr)

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