Menü

Von Filmkopierern, organisiertem Verbrechen und Terroristen

vorlesen Drucken Kommentare lesen 196 Beiträge

Eine Studie des Forschungsinstituts RAND versucht Zusammenhänge zwischen dem organisierten Verbrechen, Urherberrechtsverletzungen und Terrorismus herzustellen. In dem 182-seitigen Dokument mit dem reißerischen Titel "Film Piracy, Organized Crime, and Terrorism" äußern die Autoren die Vermutung, dass Terroristen sich auch über Filmpiraterie finanzieren könnten. Schon der Vorspann greift vage und spekulative Formulierungen über "kriminelle und vielleicht terroristische Gruppen" auf.

Nachdem die ersten Kapitel definieren, was man eigentlich unter Terrorismus, organisiertem Verbrechen und "Film Piracy" im einzelnen zu verstehen habe, folgen Fallstudien in denen es um Überschneidungen der beiden Phänomene geht. Zusammenhänge zwischen kommerziellen Raubkopierern und dem organisierten Verbrechen sollen 14 Fallstudien aus Nordamerika, Großbritanien, China, Italien, Hong Kong und anderen Gebieten belegen. In ganzen drei Fällen gelingt es den Autoren zu belegen, dass dabei erwirtschaftete Gelder auch an Gruppen gelangt sind, die im Verdacht stehen, an terroristischen Aktivitäten beteiligt zu sein. Sie kommen zu dem Schluss, dass es am Ende ziemlich auf dasselbe hinauslaufe, ob es bei illegalen Filmkopien um Profit oder Terrorismus gehe: Im Endeffekt dienen Raubkopien dazu kriminelle Organisationen zu finanzieren. So seien Raubkopien nicht nur eine Gefahr für die Medienindustrie, sondern auch für die öffentliche und nationale Sicherheit.

Zu guter Letzt schlagen die Autoren in einem Fünf-Punkte-Plan unter anderem vor, dass sich internationale Gremien wie die G8-Versammlung des Themas Raubkopien stärker annehmen sollten, der Begriff "organisierte Kriminalität" auch auf Raubkopien im großen Stil erweitert werden müsse und die Strafverfolgung grenzüberschreitend erfolgen darf. Ein Problem seien auch die leichten Strafen für Raubkopierer.

Finanziert hat diese Studie die Motion Picture Association (MPAA), wobei die Autoren betonen, dass sie deshalb nicht "notwendigerweise" auch deren Meinung wiedergeben würden. Man habe sich sogar Mühe gegeben, diese Rahmenbedingungen zu beachten. (bbe)