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Von Rollenspiel bis Strategie: neue Online-Welten

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End of Nations: Echtzeitstrategie in einer alternativen Realität

(Bild: Trion Worlds)

Es muss nicht immer Fantasy sein – frei nach diesem Motto präsentierte Trion Worlds auf der am Sonntag beendeten Gamescom in Köln sein servergebundenes Echtzeitstrategiespiel End of Nations. In einer nicht ganz unrealistischen Dystopie hat die Weltwirtschaftskrise verheerende Auswirkungen angenommen. Die Staaten sind unter ihrer Schuldenlast zusammengebrochen, und ein Großteil der Menschheit lebt in Armut. Da taucht plötzlich eine Gruppe auf, die die Weltherrschaft beansprucht: der "Orden der Nationen". Wer sich ihm beugt, erhält Nahrung und den Schutz eines totalitären Regimes. Wer sich widersetzt, wird überrannt. Dennoch stehen immer wieder freiheitsliebende Leute auf und bilden Widerstandstruppen.

Die Spieler agieren als Kommandanten der Freiheitskämpfer. In geheimen Stützpunkten, verborgen vor dem Orden, produzieren sie neue Einheiten, um die Welt zu befreien. Gekämpft wird um Städte und Landstriche, die man auf einer Übersichtskarte auswählt. Die Schlachten bestreitet man dann gemeinsam mit den Armeen anderer Spieler, um so den Orden zurückzuschlagen. Im Laufe der Zeit entwickelt der Spieler immer stärkere Einheiten und gewinnt immer stärkere Fähigkeiten, die er auf dem Schlachtfeld einsetzen kann. Die Entwicklungsarbeit für dieses Projekt liegt in den Händen des in Las Vegas ansässigen Studios Petroglyph, das mit Universe at War und Star Wars – Empire at War bereits Erfahrung im Strategiegenre gesammelt hat.

Rift: Geheimnisvolle Spalten zwischen Realitätsebenen drohen die Welt von Telara zu zerstören.

(Bild: Trion Worlds)

Dass Trion Worlds auch die Freunde von Schwertkampf und Zaubersprüchen im Blick hat, zeigen die Kalifornier mit ihrem Online-Fantasy-Rollenspiel Rift – Planes of Telara , das 2011 starten soll. Sie setzen darin eine Reihe ungewöhnlicher Ideen um. So gibt es kein Klassensystem; stattdessen kann der Spieler die Seelen vergangener Helden zu Hilfe rufen und deren Fähigkeiten erlernen. Dadurch lassen sich die Fähigkeiten verschiedener Berufungen beliebig mischen. Schwertschwingende Magier mit vergifteten Waffen sind ebenso vorstellbar wie hochspezialisierte Kampfmaschinen in Plattenrüstung oder flinke Bogenschützen mit tierischen Begleitern. Auf Ausgeglichenheit legen die Macher des Spiels dabei weniger Wert als auf den Spielspaß. Das Erlebnis, eine fremdartige Welt zu erkunden und eine übermächtig erscheinde böse Macht zu bekämpfen, steht im Vordergrund.

In der Fantasy-Welt von Guild Wars 2 kann jederzeit Unvorhergesehenes geschehen.

(Bild: NCsoft West)

Noch in den Kinderschuhen, wenn auch ausgesprochen gut gefertigten und sehenswerten, steckt Guild Wars 2 vom Publisher NCSoft West, das den Gamescom-Award in der Kategorie "Spiele für Online" errang. Wie sein Vorgänger und dessen drei Add-ons, die im Laufe der Zeit auf den Markt kamen, fällt das Spiel durch sein spielerfreundliches Bezahlkonzept auf: Wie bei einem Offline-Spiel erwirbt man schlicht das Produkt im Handel und kann dieses dann unbegrenzt online nutzen. Grafisch beeindruckt Guild Wars 2 bereits jetzt im Pre-Beta-Stadium: Aufwendige Texturen mit Glanz- und Spiegeleffekten und ein hoher Detailgrad bei den 3D-Modellen verwöhnen das Spielerauge. Die Spielwelt verspricht viel Atmosphäre.

Dabei haben die Macher durchaus Mut zur Hässlichkeit: Die Charr weisen große Ähnlichkeit mit dem Minotaur auf und bewegen sich außerdem auf allen Vieren fort, was ihren animalischen Einschlag noch unterstreicht. Auf Missionen, wie sie in anderen Online-Rollenspielen vergeben werden, verzichtet Guild Wars 2. Stattdessen sind alle Aufgaben, mit denen der Spieler sich konfrontiert sieht, ereignisgesteuert. Oft wird ein Queststart vom Zufall bestimmt: Wenn Monster Bauernhöfe überfallen, kommen die Bewohner in die nächste Stadt gerannt, um Hilfe zu suchen. Anwesende Helden können sich dann dem Kampf anschließen, ohne dass sie sich dafür erst zu Gruppen zusammenschließen müssten.

Lego Universe: Mehrere Spieler tun sich zusammen und nutzen die speziellen Fähigkeiten ihrer Fraktions-Ausrüstungen, um den Maelstrom gemeinsam zu bekämpfen.

(Bild: Warner Bros.)

Nicht ganz so kampforientiert, dafür aber sehr kreativ geht es bei Lego Universe von Warner Bros. zu. Dort treten kecke Miniaturfiguren gegen das sich ausbreitende Chaos des "Maelstrom" an. Ihre wichtigste Waffe ist dabei aber weder das Schwert noch der Zauberstab, sondern die Kreativität der Spieler. Wer den Einfluss des Maelstrom vertreiben will, muss bauen. Hat man erst einmal eine kleine Mauer oder ein paar Türme errichtet, weicht das Chaos mehr und mehr.

Die Bausteine, mit denen man arbeitet, wollen allerdings verdient sein – man erhält sie, indem man heldenhafte Missionen erfüllt. Dabei bleibt es dem Spieler überlassen, wie er an eine Mission herangeht. Fertigkeiten sind nicht von der Figur abhängig, die man spielt, sondern von deren Ausrüstung. Wer eine Ritterrüstung trägt, wird zum Schwertkämpfer. Mit einem Griff in die Tasche kann man sich in einen Zauberer oder Cowboy verwandeln.

Das Spiel ist durch seine konstruktive Ausrichtung und Gewaltarmut auch für Kinder gut geeignet. Es weist etliche Funktionen sozialer Netzwerke auf; so kann man etwa Freunde unter den Spielern im Netz dazu einladen, gemeinsam in geschützten eigenen Bereichen zu bauen. Um sicherzustellen, dass Kinder es online nicht mit falschen Freunden zu tun bekommen, soll es ein aufwendiges Identifizierungsverfahren für die Teilnehmer geben. Wer seine Daten nicht preisgeben möchte, kann dennoch spielen – er muss dann lediglich auf die Möglichkeit verzichten, bei seinen Mitspielern in eine Freundesliste eingetragen zu werden. Das Spiel selbst kostet rund 40 Euro; im Preis ist ein Monat Servernutzung enthalten. Weitere Spielzeit schlägt je nach Abo-Dauer mit bis zu 9,99 Euro pro Monat zu Buche. (psz)