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Von der Bibliothek zum digitalen Dienstleister – Kieler ZBW wird 100 Jahre alt

1919 entstand in Kiel die Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften, die heute das weltweit größte Informationsangebot für diese Wissenschaft hat.

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Von der Bibliothek zum digitalen Dienstleister – ZBW 100 Jahre alt

(Bild: Stefan Vorbeck, Copyright ZBW)

Das ist wahrlich ein Haus der Superlative: Es verfügt über 4,3 Millionen Bände in 79 Kilometer langen Regalen, hält 27.000 Zeitschriften, bietet 500 Datenbanken an und über zehn Millionen Datensätze in dem kostenlosen Suchportal EconBiz. Die Rede ist von dem in Kiel und Hamburg ansässigen weltweit größten Informationsdienstleister für Wirtschaftswissenschaften namens ZBW. Die Abkürzung steht für die deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften, seit einigen Jahren trägt die ZBW den Zusatz Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft. Am Freitag begeht sie feierlich ihr 100-jähriges Bestehen.

Den Wandel von der klassischen Bibliothek zum digitalen Dienstleister für Wissenschaftler und Studenten dokumentieren zwei Zahlen aus 2017: "Wir hatten sechs Millionen Downloads und gut 250.000 Entleihungen von Büchern", berichtet Pressesprecherin Doreen Siegfried. Der digitale Publikationsserver EconStor verfügt über 160.000 frei zugängliche Aufsätze und Arbeitspapiere. ZBW-Direktor Klaus Tochtermann ist kein Bibliothekar, sondern Informatiker und hat an der Kieler Uni eine Professur für digitale Informationsinfrastrukturen.

Zum Arbeiten ins Haus kommen vor allem Studenten, insgesamt sind es 100.000 Nutzer im Jahr. Zahlen müssen die Nutzer nichts. Die ZBW, die mehrfach für innovative Bibliotheksarbeit ausgezeichnet wurde, wird als Teil der Leibniz-Gemeinschaft von Bund und Ländern finanziert; zum Jahresetat von rund 23 Millionen Euro kommen noch 1,6 Millionen an eingeworbenen Drittmitteln dazu.

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Am Anfang der ZBW stand eine kleine Bibliothek am 1914 gründeten Königlichen Institut für Seeverkehr und Weltwirtschaft (heute: Institut für Weltwirtschaft/IFW). Am 1. Februar 1919 wurde die Bibliothek als eigenständige Abteilung innerhalb des Instituts eingerichtet. Noch drei Jahre weiter zurück reicht die Kooperation mit dem Hamburger Kolonialinstitut, dem späteren Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA).

Die Bombardements während des Zweiten Weltkriegs zwangen die Bibliothek 1942 zur Evakuierung: Bücher, Kataloge und Technik kamen für mehrere Jahre, bis 1949, im Ratzeburger Dom unter. Alle Bücher konnten gerettet werden. Erstmals 1971 bekam die Bibliothek einen Neubau, der schon bald zu klein wurde. 1986 gab es erste Online-Zugänge, 2001 wurde, gleich neben dem IfW, das jetzige Gebäude mit einer Gesamtfläche von 15.000 Quadratmetern offiziell übergeben. 2005 fusionierten die Bibliotheken des HWWA und des Kieler IfW.

Sie stellt nicht nur eine Unmenge von Daten und Aufsätzen zur Verfügung, sondern betreibt auch umfangreiche Forschung und unterstützt Forschende in deren Management. Ein großes Thema ist für die ZBW Open Science, also der freie Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen. "Gerade im digitalen Zeitalter ist es sehr wichtig, dass Wissenschaft transparent und glaubwürdig ist", sagt Siegfried. "Wir engagieren uns stark in der Open-Science-Bewegung."

Die ZBW beschäftigt heute rund 300 Angestellte und kooperiert mit hunderten Partnern in aller Welt. Zu ihrem runden Geburtstag hat sie die interaktive Wanderausstellung "Open UP! Wie die Digitalisierung die Wissenschaft verändert" erarbeitet. Sie zeigt aktuelle Forschungsergebnisse, Videos und diverse Informationen zum Thema Open Science. Nach Kiel wird die Exposition auch in Berlin, München und Hamburg zu sehen sein. (tiw)

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