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Von innen gebohrtes Loch in Sojus-Raumkapsel: Russland ermittelt

Drei Raumfahrer in Raumanzügen posieren für Foto

Raumfahrer Jeanette Epps (NASA), Sergej Prokopjew (Roscosmos) und Alexander Gerst (ESA) im November 2017

(Bild: NASA (gemeinfrei))

Weder Weltraummüll noch ein Meteorit haben das Loch in der Sojus-Kapsel verursacht. Es wurde von innen gebohrt. Nun läuft eine russische Untersuchung.

Ein kleines Leck in der Raumkapsel Sojus MS-09 beschäftigt weiterhin russische Behörden. Die Raumkapsel war an der Internationalen Raumstation (ISS) angedockt, als deren Sensoren Ende August einen leichten Druckabfall registrierten. Daraufhin wurde das Loch gesucht, hinter einer Toilette gefunden und abgedichtet. Entgegen früherer russischer Berichte sind die Schuldigen aber offenbar noch nicht gefunden.

Vergangenen Donnerstag waren die drei Raumfahrer Serena Auñón-Chancellor, Alexander Gerst und Sergej Prokopjew an Bord der Sojus MS-09 sicher zur Erde zurückgekehrt [1]. Prokopjew hat inzwischen bestätigt, dass das Loch von innen gebohrt wurde, wie Associated Press berichtet [2]. Es gab Spuren eines Bohrer an der Innenseite. Noch ist aber nicht geklärt, wann und von wem es gebohrt wurde.

Es sei Aufgabe der "untersuchenden Organe, zu urteilen, wann das Loch gemacht wurde", sagte Prokopjew. Damit wolle er aber keinen Verdacht auf seine Raumfahrer-Kollegen an Bord der ISS lenken: Man solle nicht so schlecht über die ISS-Besatzung denken, forderte der Kosmonaut.

Die Prawda hatte bereits im September berichtet [3], dass die Schuldigen gefunden wurden und bestraft würden. Das ist offenbar nicht korrekt. Am 12. Dezember haben Prokopjew und sein Kollege Oleg Kononenko bei einem Weltraumspaziergang Proben von dem Loch genommen. Diese wurden an Bord der Sojus-Kapsel zur Erde gebracht und werden nun von russischen Ermittlern untersucht.

Alexander Gerst zum zweiten Mal auf der ISS (0 Bilder) [4]

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Als wahrscheinlichste Ursache des Lecks gilt ein kleiner Unfall beim Bau der Raumkapsel. Anstatt den Vorfall zu melden, könnte ein Arbeiter das Loch zugeklebt haben. In der Kälte des Alls könnte der Klebstoff geschrumpft und schließlich durch den Innendruck der Raumstation hinausgedrückt worden sein. Eine Einwirkung von außen durch Weltraummüll oder einen Mikrometeoriten wurde als Auslöser ausgeschlossen. (ds [6])


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http://www.heise.de/-4259368

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/meldung/Astronaut-Alexander-Gerst-wohlbehalten-auf-der-Erde-zurueck-4257093.html
[2] https://www.apnews.com/87cb3a5a3f1740eda47a0a1811f96033
[3] https://www.heise.de/meldung/Leck-auf-der-ISS-entstand-wohl-durch-Pfusch-in-Russland-4155235.html
[4] https://www.heise.de/newsticker/bilderstrecke/bilderstrecke_4104483.html?back=4259368
[5] https://www.heise.de/newsticker/bilderstrecke/bilderstrecke_4104483.html?back=4259368
[6] mailto:ds@heise.de