Menü

Vor 20 Jahren: Ein WWW-Geburtstag - eine Code-Bibliothek mit Folgen

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 58 Beiträge

Am 30. April 1993 erhielten Tim Berners-Lee und Robert Cailliau die offizielle Genehmigung des Genfer CERN, die libWWW-Bibliothek kostenfrei zu verteilen, "to create a server or a browser, to give it away or sell it, without any royalty or other constraint. Whew!" (Tim Berners-Lee)

Dieser Geburtstag des WWW verdient auch heute noch Anerkennung für die Akteure, die etwas anderes wollten als die Kommerzialisierung des Internets. Vor dieser allgemeinen Freigabe des libWWW waren komplizierte Verhandlungen zwischen den beteiligten Universitäten gang und gäbe – kommerzielle Softwarefirmen gab es auf diesem Gebiet damals nicht.

Der WWW-Browser Mosaic, der ab Januar 1993 beim US-amerikanischen Zentrum für Super Computing an der Universität Illinois heruntergeladen werden konnte, enthielt beispielsweise die libWWW nur deshalb, weil gleichzeitig das CERN Mosaic übernehmen und auf info.cern.ch anbieten durfte. Die erste wissenschaftliche Erwähnung von Mosaic (Postscript-Datei) macht dies deutlich, die offizielle Ankündigung in den Newsgroups von Marc Andreessen ist in diesem Punkt recht vage gehalten.

Berners-Lee soll Cailliau zufolge entrüstet gewesen sein, dass Mosaic Bilddateien anzeigen konnte – er selbst bestreitet in seinen Erinnerungen die multimediafeindliche Haltung. Unbestritten ist, dass Berners-Lee in Newsgroups wie www-talk einen anderen Browser lobend am 15. Mai 1993 rezensierte und als Vorbild pries: ViolaWWW von Pei Wei. Der ehemalige Hypercard-Programmierer ist der Erfinder der bis heute unverwüstlichen Bookmarks aufgefundener Webseiten, außerdem entwickelte er die unverzichtbaren Rückwärts/Vorwärts-Buttons im Browser. Auch Viola durfte wegen der libWWW-Übereinkunft vom CERN zum kostenfreien Download angeboten werden.

Damals wurde Pei Wei zugetraut, den Browser zu entwickeln, der die Welt der normalen PC-Benutzer erschüttern könnte – doch er zog es vor, als Programmierer zum Verlag O'Reilly zu wechseln, der 1993 anfing, elektronische Bücher auf HTML-Basis zu vertreiben. Nach Darstellung von Robert Cailliau zeigte Pei Wei seine weiterführenden Ideen für Mini-Anwendungen innerhalb des Browsers einer Delegation von Sun Micosystems, was dazu führte, dass Sun anfing, Java zu entwickeln.

Mosaic (Postscript-Datei) ist der Browser, der die Kommerzialisierung des WWW und damit auch des Internets einleitete. Die Truppe um Marc Andreessen gewann, weil sie mit Jim Clarke einen sehr vermögenden Investor fand. Dass zu dem Zeitpunkt, als Andreesen, Bina und Co. die Universität verließen, um die Firma Netscape aufzubauen, der gesamte Software-Code "per default" an die Universitäts-eigene Verwertungsfirma namens Spyglass ging, ist ein anderes Kapitel der Geschichte. Von Spyglass kaufte Microsoft alle Rechte ein, um den Krieg der Browser beginnen zu können.

Siehe dazu auch:

(anw)

Anzeige
Anzeige