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Vor 30 Jahren: Arpanet stellte auf TCP/IP um

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Der 1. Januar 1983 war in den USA ein "Flag Day", zumindest für die Systemadministratoren des Arpanets. An diesem Tag wurden die rund 200 Hostrechner vom alten NCP (Network Control Program) auf das moderne TCP/IP (Transmission Control Protocol/Internet Protocol) umgestellt. Mit TCP/IP wurden die Grundlagen für das Wachstum des weltweiten Internet gestellt, denn das Protokoll erlaubte die Nutzung höchst unterschiedlicher Netze.

Der Umstieg von NCP auf TCP/IP wurde mit dem RFC 801 von Jon Postel eingeleitet. Im Dokument erwähnt Postel Funknetzwerke und Satellitenverbindungen. Diese Netzwerke unterschieden sich stark von den Telefon- und Datennetzwerken, in denen das alte NCP arbeitete. Solch unterschiedliche Netze zu verknüpfen, war das Anliegen der Protokollsuite TCP und IP, die der technisch interessierten Öffentlichkeit 1974 von Vint Cerf und Bob Kahn vorgestellt wurde. In der Zeitschrift IEEE Transactions on Communication Technology erschien ihr Aufsatz A Protocol for Packet Network Intercommunication (PDF-Datei), in dem sie beschrieben, wie die Kommunikation in Datenpakete zerlegt werden kann (TCP) und die korrekte Übertragung der Datenpakete gesteuert werden kann (IP).

Drei Jahre dauerten die Entwicklungsarbeiten, bis TCP/IP im Sinne der Entwickler technisch stabil lief. Was Cerf, Kahn, Postel und viele andere zum Laufen brachten, wurde 1977 mit einer spektakulären Demonstration beim Zusammenschluss des Arpanet mit dem Satnet und einem Funknetz demonstriert. Die Daten wurden von einem Lastwagen zu einem Internet-Gateway des Arpanet gefunkt, wanderten durch das Arpanet zum Satnet, das mit Punkt-zu-Punkt Verbindungen über Satellit die Daten nach Norwegen und von dort nach London funkte, von wo die Daten via Kabel zu einem PDP-10 Computer an der Universität von Südkalifornien in Marina Del Ray geschickt wurden. Während die direkt geschickten Kontrolldaten knapp 650 Kilometer reisten, legten die Daten im TCP/IP-Experiment 153.000 Kilometer zurück. Die Feuerprobe funktionierte, der große Umstieg konnte beginnen.

Dass TCP/IP ein großer Erfolg werden würde, war beim großen Switch am 1. Januar nicht abzusehen. Neben den Forschern im Arpanet und Milnet, dem militärischen Teil des Arpanets, gab es Anstrengungen von Konzernen wie AT&T, 1983 einen eigenen Paket-Datendienst namens Accunet anzubieten. AT&T wurde jedoch von der US-amerikanischen Regulierungsbehörde FCC ausgebremst. Sie befand 1985, dass AT&T als Telefonkonzern seine Monopolstellung bei Sprachdiensten unzulässig benutze, um kostengünstig Datendienste anbieten zu können. In Europa stieß TCP/IP auf ganz andere Vorbehalte. Universitäten, IT-Firmen und Regierungen forcierten ein "Eurosinet" auf Basis des OSI-Standards (Open System Interconnection). Der OSI-Traum verschlang enorme Summen an Forschungsgeldern, konnte sich aber gegenüber dem pragmatischen Ansatz von TCP/IP nicht durchsetzen. (odi)

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