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Vor 30 Jahren: Erste .de-Domainnamen vergeben

Dortmund, Paderborn, Karlsruhe – das waren die ersten deutschen Domains, die am 5. November 1986 nach der großen Namensreform im "Internet" adressiert werden konnten. Happy Birthday, deutsches Internet.

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(Bild: DENIC eG)

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Mal wieder ein Internet-Geburtstag? Aber ja doch: Heute vor 30 Jahren hat der technische Support des Computer Science Network (CSNet) die ersten .de-Domains im Hostfile eingetragen. Drei Universitäten waren damit über die hochmoderne Namensgebung des "Domain Name Systems" zu erreichen: uni-dortmund.de, uni-paderborn.de und uka.de (Universität Karlsruhe). , die ans EUNet der European Unix Systems User Group angeschlossen waren. Über den Internet-Anschluss des niederländischen Centrum Wiskunde & Informatica waren sie mit dem CSnet verbunden.

Seit Anfang der 80er-Jahre hatten die Wissenschaftler einen hübschen Spaß namens e-Mail. Kannte man den Namen, unter dem sich ein befreundeter Wissenschaftler an einem Computersystem eingeloggte, konnte man ihm eine Mail schicken. So kam die erste Internet-Mail nach Deutschland: der Willkommensgruß vom CSNet-Support. Die im EUnet zusammengeschlossenen Systeme konnten sich damals via Unix to Unix Copy Protocol (UUCP) Mail schicken, etwa an die Adresse nutzer@unido.uucp für Dortmund.

Der Spaß hörte dort auf, wo es galt, die richtige "Kuvertierung" für den Umschlag beziehungsweise für das Postsystem zu finden. Das frühe Internet war alles andre als ein einheitlich arbeitendes Netz. Je nach Subnetz und Transport galten andere Adressierungsformen. Als John Quarterman 1986 xmit dem Aufsatz Notable Computer Networks erstmals den Versuch machte, die Adressierungstechnik aller damaligen Netze aufzuschreiben, nannte er dies "a major PITA". Aus dem Aufsatz wurde später ein Standardwerk, die "Matrix".

Je nachdem, ob die Server im DECnet liefen (Vax-Rechner mit VMS), per IBMs SNA/NJE angebunden waren oder ob es sich Unix-Rechner mit UUCP handelte, fiel die Mail-Adresse anders aus. Der Versuch, anno 1986 mit dem Netbook im texanischen Hochschulnetz ein universales Telefonbuch einzurichten, belegte dies. Es war unter diesen gültigen Mail-Adressen erreichbar:

Internet: netbook@nic.the.net
Bitnet: NETBOOK@THENIC
SPAN (texanisches Staatsnetz): UTSPAN::THENIC::NETBOOK
uucp: ...cs.texas.edu!ut-emx!netbook

1988 passte die Zeichnung des deutschen Internets noch fast auf einen Bierdeckel.

Die erste pragmatische Lösung des Problems kam mit der Umstellung auf TCP/IP: Ein Hostfile diente als lokales Telefonbuch für die ersten Netze. Die Lösung stieß jedoch spätestens in den 80er-Jahren an ihre Grenzen: Das ständige Aktualisieren und Hin- und Herkopieren dieser Hostfile-Datei belastete die Netze über Gebühr, wie Paul Mockapetris in seinem RFC für ein Domain Name System vorrechnete. Sein Vorschlag bestand aus einem zusammen mit John Postel entwickelten DNS-Namensraum und DNS-Servern, die diese Namen je nach Protokoll auflösten.

Mockapetris' DNS-Vorschlag wurde 1985 umgesetzt und enthielt als erste internationale Länderkennungen .us (USA) .uk (Großbritannien) und .il (Israel). "uk" statt dem nach ISO-Norm gebräuchlichen Form "gb" war notwendig, weil sich das britische Forschungsnetzwerk Joint Academic Network (JANET) eigene Namensregeln gegeben hatte.

Im Herbst 1986 tauchte nicht nur Deutschland mit .de auf der Internet-Landkarte auf, es kamen auch .au, .fi, .fr, .kr, .nl und .se dazu. Im Jahre 1988 übernahm die Universität Dortmund die Pflege des nationalen DNS. Als sich der Internet-Boom abzeichnete, wurde mit 150.000 DM und einem Bestand von 10.000 .de-Adressen das DeNIC gegründet, das die Aufgaben einer Registratur übernahm. Sie verwaltet heute über 16 Millionen .de-Domains.

Aus den vier ersten .de-Knoten sind in 30 Jahren über 16 Millionen .de-Domains geworden

(Bild: DENIC eG)

Es war kein Zufall, dass sich mit Dortmund, Paderborn und Karlsruhe die Unix-Enthusiasten an deutschen Universitäten in einem Verbund befanden. Die Studenten hatten die Chancen der neuen Technik erkannt und gründeten mit Firmen wie EUnet und Xlink die ersten kommerziellen Internet-Provider.

Die ordentlichen Informatiker anderer deutscher Universitäten hielten das "Gebastel" für nicht satisfaktionsfähig und standardisierten lieber den umfangreichen OSI-Verzeichnisdienst X.500 in zahlreichen Gremiensitzungen. Es sollte im Verbundsystem der International X.25 Infrastructure (IXI) eingesetzt werden, wurde aber nie fertig gestellt. Nicht zu verwechseln mit ix.de, der ersten Internet-Adresse des Heise-Verlages, die es seit 1991 gibt. (ad)