Vor 30 Jahren: Voyager 1 fotografierte "Pale Blue Dot" und "Familienportrait"

Wohl kein anderes Foto hat derart eindringlich sichtbar gemacht, wie klein und unbedeutend unsere Erde doch ist. Nun wird es 30 Jahre alt.

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Der "Pale Blue Dot" auf dem neu nachbearbeiteten Foto von 1990

(Bild: NASA/JPL-Caltech)

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Auf den Tag genau vor 30 Jahren drehte sich die NASA-Sonde Voyager und aktivierte zum letzten Mal die Kamera – für eine ikonische Fotoreihe und eine ganz spezielle Aufnahme. Das "Familienportrait" zeigt sechs der inzwischen acht Planeten unseres Sonnensystems und darunter als "Pale Blue Dot" ("blasser blauer Punkt") auch unseren Heimatplaneten, die Erde. Die Aufnahmen gehören zu den berühmtesten der Raumfahrtgeschichte und wurden genau mit diesem Ziel überhaupt gemacht, denn einen wissenschaftlichen Nutzen hatten sie nicht. Aus dem Anlass des runden Jubiläums hat die NASA nun die Originalaufnahme der Erde als einsamen Pixel mit aktueller Technik neu bearbeitet.

Voyager 1 war am 5. September 1977 gestartet, 16 Tage nach ihrer Schwestersonde Voyager 2. Auf einer schnelleren Route wurde sie dann vorbei am Jupiter (1979) und dem Saturn (1980) aus der Ebene des Sonnensystems geschleudert und guckt seitdem quasi von schräg oben auf ihre Heimat. Inzwischen ist sie das am weitesten von uns entfernte Objekt von Menschenhand, Signale mit Lichtgeschwindigkeit brauchen über 20 Stunden und 36 Minuten, bis sie die weiterhin aktive Sonde erreichen. 2012 hatte sie den interstellaren Raum erreicht, Voyager erreichte diesen Meilenstein Ende 2018. Erst 2025 wird wohl das letzte wissenschaftliche Instrument deaktiviert werden, 2036 dürfte sie sich das letzte Mal auf der Erde melden.

Weil die Voyager-Sonden nach ihren Vorbeiflügen an den äußeren Planeten in absehbarer Zeit keine anderen Himmelskörper mehr passieren würden, sollten 1990 die Fotokameras an Bord abgeschaltet werden. Auf Anregung des US-amerikanischen Astronomen Carl Sagan jedoch geschah dies nicht ohne eine letzte Fotoreihe: Am 14. Februar 1990 drehte sich Voyager 1 und machte 60 Aufnahmen des Sonnensystems. Zu sehen ist darauf nicht nur die Sonne, sondern auch die Planeten Venus, Erde, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Merkur war zu nah an der Sonne, Mars aus der Entfernung nicht abzubilden und Pluto zu dunkel. Aus 6 Milliarden Kilometern Entfernung ist es weiterhin das aus der größten Distanz aufgenommene Foto unserer Erde.

Simulierte Darstellung von Voyager 1 und ihrer Perspektive

(Bild: NASA/JPL-Caltech)

Wie die NASA erklärt, waren die Kameras der Sonde zu jener Zeit so kalt, dass sie drei Stunden lang von der Heizung erhitzt werden mussten, bevor sie einsatzbereit waren. Die Fotos wurden an Bord gespeichert und wegen der geringen Bandbreite und der bereits großen Entfernung waren alle Einzelbilder erst im Mai 1990 auf der Erde angekommen. Vor den Aufnahmen hatten die Missions-Verantwortlichen mehrere Anfragen für ähnliche Bilder abgelehnt, aus Sorge um die Kamera, die dazu Richtung der noch sehr hellen Sonne gedreht werden musste. Insgesamt habe es acht Jahre und sechs Versuche gebraucht, bis diese Aufnahmen genehmigt wurden. Carl Sagan kommentierte sie dann mit: "Schaut erneut auf diesen Punkt. Das ist hier. Das ist daheim. Das sind wir."

Voyager 1 (15 Bilder)

Erde und Mond

Auf diesem Bild wurde der Mond künstlich aufgehellt, damit er über der hellen Erde zu sehen ist. (Bild: NASA/JPL)

(mho)