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Vor 50 Jahren: Beginn der DV-Ausbildung in Frankfurt/Main

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Heute vor 50 Jahren startete Carl Hammer, Direktor des Frankfurter Battelle-Instituts offiziell eine UNIVAC I und eröffnete damit das erste UNIVAC-Rechenzentrum in Europa. Die Laudatio auf den Rechner hielt der damalige Bundesatomminister Siegfried Balke, der zum Thema "Automatisierung als Hilfsmittel der wissenschaftlichen Betriebsführung" sprach. Der Spiegel machte die Einweihung zu einer Titelgeschichte und bildete dazu Norbert Wiener auf dem Titel ab.

Die Einweihung des ersten europäischen Rechenzentrums von Remington Rand gilt als Start der kommerziellen Datenverarbeitung und besonders der DV-Ausbildung in Deutschland. In 35 Lehrgängen wurden allein im ersten Jahr 500 Teilnehmer zu Operatoren ausgebildet. Der Bedarf war groß: Vom abwärts kompatiblen Nachfolgemodell UNIVAC II verkaufte Remington Rand von 1957 bis 1960 über 70 Rechner nach Europa. Sie wurden hauptsächlich in London und Frankfurt bei Banken und Versicherungen eingesetzt und im Schichtbetrieb von jeweils 12 bis 20 Personen bedient. Freie Rechenkapazitäten an den UNIVACs wurden damals für 1470 Mark pro Stunde vermietet.

Mit dem Start der UNIVAC I (das Bild wurde offenbar am Vortag der Einweihung aufgenommen) wurde indes nicht das erste Elektronenhirn in Deutschland (im Unterschied etwa zu dem Relaisrechner Zuse Z5 bei Leitz Wetzlar) eingeschaltet. In München arbeitete bereits seit dem 7. Mai 1956 die Programmgesteuerte Elektronische Rechenanlage München (PERM), wenn auch in einem eingeschränkten Modus und noch ohne Magnetbandspeicher. Mit dem Nimrod der englischen Firma Ferranti war 5 Jahre früher das erste Elektronenhirn auf deutschem Boden eingeschaltet worden, das freilich nur vorübergehend auf der Berliner Industrieausstellung von 1951 "Nim" spielte – 1956 wurde dann für den Nimrod das weltweit erste Schachprogramm entwickelt. (Detlef Borchers) / (jk)

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