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Vor 50 Jahren: IBM stellt teuerstes Computersystem aller Zeiten vor

Nach heutigem Wert hat das System /360, das IBM vor 50 Jahren vorstellte, 40 Milliarden Dollar Entwicklungskosten verschlungen.

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Heute vor 50 Jahren stellte IBM das System /360 vor, mit 5,545 Milliarden Dollar Entwicklungskosten das teuerste Computersystem aller Zeiten. IBM warb damit, dass die Summe (heute rund 40 Milliarden Dollar) das zweieinhalbfache des Manhattan-Projektes ausmachte und die Kosten für 100.000 Rechenschritte von 1,38 Dollar auf 3,5 Cent reduzierte.

Der perfekte Computer wurde in nennenswerten Stückzahlen zwar erst 1966 ausgeliefert, doch sicherte die Produktfamilie auf lange Zeit die Vormachtstellung von IBM: 70 Prozent aller Mainframes in den 70er Jahren kamen aus dieser Familie. Bis 1982 war das Geschäft rund um das System /360 die Haupt-Einnahmequelle.

IBM System /360 (6 Bilder)

Nach heutigem Wert kostete die Entwicklung des System /360 40 Milliarden Dollar (Bild: IBM)

Dass das seinerzeit überragende System /360, das auch in Deutschland hergestellt wurde, überhaupt entstand, ist dem IBM-Chef Vincent Learson zu verdanken. Dieser kaufte in einer kritischen Phase des achtjährigen Entwicklungsprojektes kurzerhand eine Segelyacht und heuerte die besten Skipper an, nur um IBM-Präsident Tom Watson jr. mit seiner Crew auf der "Palawan" in Grund und Boden zu segeln und freie Hand zu haben. Watson war zunächst ähnlich wie die IBM-Verkäufer davon überzeugt, dass die Idee einer Produktfamilie vollkommen idiotisch ist.

Heute ist der Erfolg des System /360 eng mit dem Namen des Entwicklers Fred Brooks verbunden, dessen Buch vom "Mythos des Mann-Monats" ein Klassiker der Computerliteratur geworden ist. Vom Tom Watson später befragt, was denn der härteste Teil der Entwicklung des Systems /360 gewesen sei, antwortete Brooks mit eben diesem Buch – auch weil der Hardware-Chef Gene Amdahl später anderes im Kopf hatte.

Als bedeutendste Entwicklungsleistung des Gesamtsystems bezeichnete Brooks übrigens die Einführung des 8-Bit-Bytes als Standard der Mainframe-Architektur. Konkurrenten wie Honeywell, Remington-Rand und Burroughs seien damit "ausgeknippst" worden.

Vor zehn Jahren wollte IBM das Jubiläum nicht feiern, diesmal ist es etwas anders. Artikel erscheinen im Wirtschaftsteil der Tageszeitungen, in denen gelobt wird, dass kein Hacker jemals einen Mainframe dieser Art geknackt hat, allen Tannenbäumen zum Trotz. In Deutschland wird besonders das kleinste Modell der Produktfamilie gefeiert, das IBM System /360 20, welches in Böblingen entwickelt und in drei Arbeitsschichten rund um die Uhr gefertigt wurde. Der ursprüngliche Gedanke, dass der perfekte Computer von einem Vollkreis mit 360 Grad repräsentiert wird, findet sich heute in den 360er-Anwendungen wieder.

IBM hält dazu am morgigen Dienstag um 19 Uhr ein Event ab, das im Web übertragen wird. (Detlef Borchers) / (anw)

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