Vor 75 Jahren: Das Fernsehen geht auf Sendung

Ab dem 22. März 1935 wurde an drei Tagen in der Woche über den Fernsehsender Paul Nipkow ein rudimentäres Fernsehprogramm ausgestrahlt.

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Von
  • Detlef Borchers

Heute vor 75 Jahren begann die Deutsche Reichspost mit der Ausstrahlung des ersten regelmäßig gesendeten Fernsehprogramms. An drei Tagen in der Woche wurde von 20.30 Uhr bis 22.00 Uhr ein Programm mit einer Auflösung von 180 Bildzeilen für einige wenige Empfänger mit kleinen Bildschirmen ausgestrahlt. Bereits zwei Jahre später wechselte man die Technik und erreichte eine Auflösung von 441 Zeilen.

Die Geschichte des deutschen Fernsehens beginnt 1884 mit einem Patent von Paul Nipkow auf die so genannte Nipkow-Scheibe als Fortentwicklung des Kopiertelegraphen. Ausgehend von Nipkows Erfindung entwickelten Siegmund Loewe und Manfred von Ardenne das, was 1890 von Eduard Liesegang "Fernsehen" genannt wurde.

Im Nationalsozialismus sollte das Fernsehen beispielhaft für die überlegene arische Technik stehen, daher wurde am 22. März 1935 ein rudimentäres Fernsehprogramm einzig mit dem Zweck gestartet, der BBC zuvorzukommen. Über den Fernsehsender Paul Nipkow wurde ein Programm ausgestrahlt, "das Bild des Führers unverlöschlich in alle deutsche Herzen zu pflanzen". Paul Nipkow selbst wurde zum Ehren-Reichsrundfunkführer ernannt und bekam das erste Fernsehgerät geschenkt.

Mit 180 Bildzeilen war das deutsche Fernsehen etwas mickrig geraten. Als die BBC im Herbst 1936 ihr Fernsehprogramm startete, wurde dort mit 441 Bildzeilen gearbeitet, worauf man in Deutschland reagieren musste. Die Programme beider Systeme wurden schwarzweiß übertragen, obwohl das Prinzip des Farbfernsehens seit 1928 bekannt war. Während die BBC ihren Betrieb bei Kriegsausbruch einstellte, sendete das deutsche Fernsehen bis 1944 Unterhaltungs- und Propagandasendungen, die vor allem in Lazaretten empfangen wurden.

Nach dem Krieg startete das Fernsehen zunächst in der DDR am 21. Dezember 1952 und strahlte zu Stalins Geburtstag eine Dauersendung aus, "das Bild des Führers der internationalen Arbeiterbewegung" zu verbreiten. Vier Tage später zog die Bundesrepublik nach, als der NWDR mit der Ausstrahlung eines Fernsehprogrammes begann. Danach entwickelte sich die Fernsehtechnik stürmisch weiter. Im August 1967 startete das Farbfernsehen in der Bundesrepublik mit dem "Goldenen Schuss" als PAL-System, 1969 feierte die DDR ihren Geburtstag mit dem Start des Farbfernsehens als SECAM-System. 1984 gingen Sat1 und RTL auf Sendung, das hochauflösende Fernsehen HDTV konnte zu den Winterspielen in Vancouver seinen ersten Boom verzeichnen. Als Leitmedium des 20. Jahrhunderts konkurriert das Fernsehen heute mit dem Internet um die Aufmerksamkeit des Publikums. Ob es für das Fernsehen Zeit für die Rente ist, ist allerdings noch nicht ausgemacht. (anw)