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Vor vierzig Jahren begann alles: Lo!

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Leonard Kleinrock vor einem IMP

(Bild: Wikimedia Commons)

Das Internet hat viele Väter. Deswegen hat das Internet nicht erst seit heute viele Geburtstage zu feiern, weil viele "Kinder" eben das ergeben, was das heutige Internet ausmacht. Heute ist so ein Geburtstag: Vor 40 Jahren wurde die erste Nachricht zwischen zwei entfernten Host-Computern ausgetauscht.

Am 29. Oktober 1969 lief die erste Nachricht über das ARPANET, dem Vorläufer des Internets. Leonard Kleinrock und sein Programmierer Charlie Kline versuchten, sich über ihren Computer an der Universität von Californien (UCLA) in einen Computer am Stanford Research Institute (SRI) einzuloggen. Die wichtigste Komponente war der sogenannte IMP, der Interface Message Prozessor, ein Kommunikationscomputer, der den Datenaustausch im paketorientierten ARPANET regelte.

Erst im Januar 1969 hatte die Firma Bolt Beranek and Newman (BBN) von der Militärforschungsbehörde ARPA den Auftrag erhalten, 16 IMPs zu produzieren. Die Idee, dass ein digitales paketbasierendes Kommunikationsnetz so aufgebaut werden kann, dass "Informationsblöcke" variabel umgeleitet werden können, wenn das Netz gestört ist, hatte Paul Baran 1964 in einer elfbändigen Studie (PDF-Datei des wichtigen Band Nr. 9) für die ARPA entwickelt und theoretisch durchgerechnet.

Doch alle Theorie muss die Puddingprobe der Praxis bestehen. In seinen Memoiren beschrieb Leonard Kleinrock das Geschehen. Am 2. September hatte BBN den ersten IMP ausgeliefert, den Honeywell nach den Spezifikationen von BBN gebaut hatte. Er wurde an der UCLA von Steve Crocker und John Postel erfolgreich an einen Rechner von Scientific Data Systems angeschlossen. Im Oktober folgte IMP Nr. 2, der in Stanford installiert wurde. Am 29. Oktober startete dann das Verbindungsexperiment, an das sich Kleinrock im Jahre 2006 so erinnerte:

The procedure was to type "log" and the system at SRI was set up to be clever enough to fill out the rest of the command, namely to add "in", thus creating the word "login". A telephone headset was available to the programmers at both ends so they could communicate by voice as the message was transmitted. At the UCLA end, we typed in the "l" and Charlie asked SRI if they received it; "got the l" came the voice reply. UCLA typed in the "o", asked if they got it; back came the reply "got the o". UCLA then typed in the "g" and the darned system CRASHED! It was not the IMPs that crashed, it was not the long-haul line that crashed, it was not our UCLA Host that crashed; it was the SRI Host. Quite a beginning. And so the very first message ever sent over the Internet was "Lo!" as in "Lo and behold!" Quite a prophetic message indeed.

Was wie ein Fehlstart aussehen mag, war 1969 ein einmalig erfolgreicher Testlauf: Noch am selben Tag kam eine stabile Verbindung zustande, die nach dem Testbericht Nr. 1928 geschlagene 27 Stunden funktionierte und bei jeweils 20.000 gesendeten und empfangenen Datenpaketen ein fehlerhaft übertragenes Paket produzierte. Mit rechnerisch 50 kBit/s im Maximum bei 19 gleichzeitig genutzten Telefonleitungen war das IMP-gesteuerte Netz überdies das schnellste Netzwerk seiner Zeit – der von der ARPA festgesetzte Datendurchsatz von 700.000 Bits pro Sekunde wurde erreicht.

Es war ein kleiner Schritt in der Verbindung von Rechnern, doch ein großer Schritt hin zu dem, was heute als Digitalisierung des Alltags Wirklichkeit geworden ist. Auch wenn sich die Pioniere der Technik heute nach alter Väter Sitte streiten, wer denn nun der eigentliche Vater des Internets ist oder wer die Idee mit den Paketen hatte, so kann man heute mit Fug und Recht ein Gläschen Sekt heben. Wer keine Maschine feiern mag, sollte in Andenken an Jon Postel feiern. Er war einer von denen, die den Titel "Vater des Internets" ablehnten.

Siehe dazu auch:

(jk)

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