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Vor zehn Jahren: Störfall im AKW Krümmel

Vor zehn Jahren mussten innerhalb von zwei Stunden die Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel an der Elbe wegen Pannen vom Netz. Der Greenpeace-Atomexperte Smital sieht beim Störfall Krümmel Parallelen zu Harrisburg 1979.

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Vor zehn Jahren: Störfall im AKW Krümmel

Das AKW Krümmel ging 1983 erstmals ans Netz. Mit der Atomgesetznovelle von 2011 verlor es die Berechtigung zum Leistungsbetrieb.

(Bild: dpa)

Die Schnellabschaltungen der beiden Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel vor zehn Jahren am 28. Juni 2007 sind nach Ansicht des Greenpeace-Atomexperten Heinz Smital "einschneidende Ereignisse" der deutschen Atomenergiegeschichte gewesen. Wegen technischer und organisatorischer Probleme sehe er im Störfall von Krümmel damals Parallelen zum ersten schweren Kernschmelzunfall in dem US-amerikanischen Atomkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg von 1979, sagte Smital der dpa. Smital warf dem Betreiber-Konzern Vattenfall vor, damals die Pannen verharmlost zu haben.

Am 28. Juni 2007 hatte sich nach einem Kurzschluss um 13.20 Uhr zunächst das Atomkraftwerk Brunsbüttel im Kreis Dithmarschen, etwa 70 Kilometer westlich von Hamburg, abgeschaltet. Anderthalb Stunden später, um 15.02 Uhr brannte nach einem Kurzschluss eine große Trafostation auf dem Gelände des AKW Krümmel in Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) knapp 30 Kilometer östlich von Hamburg. Schwarze Rauchschwaden waren kilometerweit zu sehen, rund 70 Tonnen Transformator-Öl gerieten in Brand.

Auf die Frage, ob Vattenfall damals die Situation verharmlost oder vertuscht habe, antwortete Smital: "Auf jeden Fall hat Vattenfall die Ereignisse verharmlost und behauptet, der nukleare Teil der Anlage sei nicht betroffen, dabei wurden Sicherheits- und Entlastungsventile falsch betätigt, der Wasserstand im Reaktordruckbehälter ist dramatisch abgesunken und im Kontrollraum sind Rauchgase eingedrungen, so dass teilweise Gasmasken getragen werden mussten."

Eine Vattenfall-Sprecherin verwies darauf, dass die Ereignisse in Krümmel und Brunsbüttel im Juni 2007 von ihrer sicherheitstechnischen Bedeutung her der niedrigsten Stufe zugeordnet worden seien. Die Schnellabschaltungen in beiden Kraftwerken hätten gerade das Funktionieren der Sicherheitssysteme unter Beweis gestellt. "Eine Gefahr für Mensch oder Umwelt bestand nicht. Das hat damals auch die Aufsichtsbehörde bestätigt", sagte die Sprecherin. "Dass Bilder von Qualm und Rauch in einem Atomkraftwerk dazu geeignet sind, die Menschen zu verunsichern, verstehen wir und wir haben für unsere Kommunikationsarbeit daraus die Lehre gezogen."

Nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima wurden 2011 beide Kraftwerke im Zuge einer Änderung des Atomgesetzes formell endgültig stillgelegt.

Der heutige Chef der Atomaufsicht des Bundes und damalige Leiter der Atomaufsicht in Schleswig-Holstein, Wolfgang Cloosters, wollte sich zu den Vorfällen von damals mit Rücksicht auf seine Rolle als Zeuge in einem schwebenden Verfahren nicht öffentlich äußern. Er merkte allerdings an: "In der öffentlichen Wahrnehmung ist dieses Ereignis als ein sehr bedeutsames eingeordnet worden, und das auch zu Recht. Flammen in einem Atomkraftwerk, Eintreten von Rauchgasen in die Warte eines Atomkraftwerkes – das sind schon gravierende Vorgänge, so etwas darf einfach nicht passieren, das muss unter allen Umständen vermieden werden, und zwar durch entsprechende vorsorgende Planung und durch vorsorgende Instandhaltung." Vattenfalls Informationsverhalten sei damals ja auch in den Medien als desaströs kritisiert worden, "was auch zur Folge hatte, dass bei Vattenfall Köpfe gerollt sind."

(dpa) / (anw)

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