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Voting-Gate: SWR-Handbuch zur Änderung von Ranglisten

Die kleine Affäre um manipulierte Ranglisten in öffentlich-rechtlichen TV-Formaten ist noch nicht ausgestanden: Ein Handbuch des Südwestrundfunks über den redaktionellen Umgang mit Votings wirft Fragen auf.

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Die Affäre um manipulierte Ranglisten in öffentlich-rechtlichen Fernsehsendungen erfasst nun auch den Südwestrundfunk (SWR). Dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel liegt ein internes "Handbuch Ranking-Formate" des Senders vor, dessen Inhalt den Verdacht erweckt, dass Eingriffe in die Ergebnisse unter Umständen durchaus erwünscht waren: "Über die endgültige Reihenfolge entscheidet auf jeden Fall die Redaktion", heißt es dem Bericht zufolge gleich zu Beginn des Handbuchs.

Mit Johannes B. Kerner fing alles an: In seiner Show "Deutschlands Beste" hatte die Redaktion die Rangliste nach Belieben manipuliert.

Die Abstimmungen sollten "immer redaktionell begleitet sein, weil im einen oder anderen Fall politisch oder ethisch unkorrekte Votings zustande kommen können", heißt es weiter. Laut Spiegel fehlt der Hinweis, dass redaktionelle Eingriffe transparent gemacht werden müssten. Der SWR teilte mit, dass der redaktionelle Eingriff nur gefordert sei, wenn Voting-Ergebnisse etwa "gegen die im Staatsvertrag über den Südwestrundfunk festgelegten Programmgrundsätze verstoßen hätten". Im SWR sei es aber nie zu einem solchen Fall gekommen.

Dass Manipulationen an solchen Umfrageergebnissen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk offenbar üblich sind, haben Fälle in verschiedenen Sendern gezeigt. Zuerst war die ZDF-Sendung "Deutschlands Beste" aufgeflogen, bei der verschiedene Prominente in der Rangliste verschoben und die aufwändigen Umfragen im Netz sowie unter Hörzu-Lesern gar nicht berücksichtigt worden waren. ZDF-Unterhaltungschef Oliver Fuchs musste wenig später seinen Hut nehmen, die zuständige Redaktion "Team Event und Show" wurde aufgelöst.

Daraufhin haben andere öffentlich-rechtliche Sender ihre eigenen Ranglisten-Formate überprüft und wurden fündig. So haben der Norddeutsche Rundfunk (NDR), der Westdeutsche Rundfunk (WDR) und der Rundfunk Berlin-Brandenbung (RBB) eingeräumt, dass Ranglisten in Sendungen wie "Die schönsten Mühlen Norddeutschlands" oder "21 Dinge, die man in Berlin erlebt haben muss" verändert worden seien. Der WDR will künftig ganz auf Votings verzichten. (vbr)