W3C macht mobil

Der alljährliche deutsch-österreichische W3C-Tag diskutierte über Chancen und Techniken des Internet für Mobilgeräte.

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Von
  • Herbert Braun

Der alljährliche deutsch-österreichische W3C-Tag beschäftigte sich diesmal mit dem Thema "Internet für Mobilgeräte". Dazu hatten die Veranstalter Netz- und Content-Provider, IT-Dienstleister und W3C-Offizielle als Sprecher in die Berliner Humboldt-Universität geladen, wo der W3C-Tag heute im Rahmen der XML-Tage stattfand. Gemeinsames Ziel aller Beteiligten ist es, Web-Nutzung mit Mobilgeräten ähnlich komfortabel und geräteunabhängig zu gestalten wie mit Desktop-Rechnern.

Die MWI-Arbeitsgruppe Best Practices soll bereits im kommenden Winter Standards für mobiltaugliche Web-Seiten festlegen, die dann das Gütesiegel "MobileOK" erhalten. Das Problem unterschiedlicher Hard- und Softwareausstattung bei den Endgeräten will die Arbeitsgruppe Device Descriptions eindämmen, indem sie Standards für Gerätespezifikationen festlegt. Der Leiter der Mobile Web Initiative (MWI) im W3C, Philipp Hoschka, skizzierte die Situation des mobilen Internet in Japan, wo bereits 80 Prozent aller Handys fit fürs Web sind und günstige Flatrates mobiles Surfen erschwinglich machen.

Rainer Kirchknopf vom ZDF berichtete aus dem Blickwinkel des Content-Anbieters. Die Zeit sei reif für Fernsehen via Mobilgerät, schätzte er die Lage ein. Dies sei sowohl via Internet wie auch über digitale Fernsehstandards wie DVB-T, DVB-H oder DMB möglich. Christian Breitschwerdt von Vodafone betonte die Bereitschaft des Mobilfunk-Providers, an Mobile-Web-Standards mitzuwirken. Vodafone hat gemeinsam mit Nokia und Microsoft die Top-Level-Domain .mobi durchgesetzt, die mobilgerätetauglichen Websites vorbehalten sein soll.

Paul Sponagl von Sevenval und Thilo Horstmann von SinnerSchrader Neue Informatik zeigten die praktischen Probleme von Unternehmen, die Websites für Mobilgeräte aufbereiten oder erstellen. Typische Probleme seien schwer benutzbare Formulare, bandbreitenfressende Bilder und Videos, die auf kleinen Displays nur schlecht darstellt werden können, oder aktive Inhalte, etwa Flash-Filme, sagte Sponagl.

Horstmann machte klar, dass Usability vom Nutzungskontext abhängig ist, und der unterscheide sich beim mobilen vom stationären Surfen -- Anwender nutzten das Internet an der Bushaltestelle oder in der Kneipe anders als am Schreibtisch. Gegenüber Desktop-PCs böten Smartphones allerdings auch Vorteile. So dürften Gestalter mobiler Inhalte nicht vergessen, dass man mit Smartphones immer noch telefonieren oder SMS versenden könne, was manche E-Commerce-Anwendung einfacher mache. Chancen sieht Horstmann vor allem für Push-Dienste, wie Blackberry derzeit vorführt. (heb)