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WDR-Orchester führt Kompositionen für Computerspiele auf

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In den vergangenen zwanzig Jahren konnte sich die einst von der Klassikbranche verachtete Filmmusik langsam, aber stetig einen Platz in den Konzertprogrammen erobern. Eine ähnliche Entwicklung könnten jetzt jene Werke erleben, die als Stimmungsteppich für Computerspiele komponiert wurden. Das erste Symphoniekonzert nur mit Computerspielmusik fand in Europa bereits vor fünf Jahren zur Eröffnung der Games Convention 2003 im Leipziger Gewandhaus statt. Zwar ist diese Veranstaltung eine dauerhafte Einrichtung der Leipziger Spielemesse, aber die Resonanz im Klassikbereich blieb eher verhalten. Ausgerechnet in Köln, dem mutmaßlichen neuen Standort der Spielemesse, startete nun das Rundfunksymphonieorchester des WDR eine Konzertreihe mit Stücken aus der Spielewelt.

Unter dem Titel "That's Sound, that's Rhythm“ führte das Orchester am vergangenen Sonntag im Kölner Funkhaus neben Stücken von Klassikkomponisten wie Ralph Vaughan Williams oder Morton Gould auch Soundtrackkompositionen von Chris Hülsbeck, Takenobu Mitsuyoshi oder Nobuo Uematsu auf. Am Anfang des circa gut anderthalbstündigen Konzerts stand mit der Neubearbeitung der Eröffnungsfanfare aus "Grand Monster Slam" von Chris Hülsbeck eine reguläre Weltpremiere auf dem Programm. Im zweiten Teil des Konzertes folgten mit "Shenmue – Sedge Tree" ein Medley von Takenobu Mitsuyoshis Kompositionen für das Adventure "Shenmue" und die "Castlevania Suite" der japanischen Komponistinnen Jun Irie und Michiru Yamane. Zum Abschluß erklang von Nobuo Uematsu der 10-minütige Ausschitt "The Man with the Machine Gun" aus der Musik zu "Final Fantasy VIII".

Die WDR-Konzertreihe wird im August fortgesetzt mit einer Aufführung von Werken des Pioniers Chris Hülsbeck, der schon im Alter von sechzehn Jahren mit Hilfe des selbst geschriebenen Programms Soundmonitor erste Kompositionen auf dem Commodore C 64 erstellte. Soundmonitor gilt als der Urvater aller Tracker-Programme, die später in der Regel für die Musikproduktion auf Amiga, Atari und IBM-kompatiblen PCs zum Einsatz kamen. Auf dem Programm des Konzerts "Symphonic Shades" stehen unter anderem die Klassiker "The Great Giana Sisters" und die Musik zur "Turrican"-Reihe. Da die Karten für diese Veranstaltung innerhalb von sechs Tagen vergriffen waren, wurde für den 23. August um 23:00 Uhr ein Zusatztermin angesetzt, für den laut Angaben des Managements noch einige Restkarten erhältlich sind.

Die Initiative für die Konzertreihe geht auf WDR-Seite von Winfried Fechner aus, dem Manager des Rundfunkorchesters. Er hatte ein Eröffnungskonzert der Games Convention in Leipzig besucht und zeigte sich von dem regen Publikumszuspruch für diese ihm unbekannte Musik sehr beeindruckt. Im Vorfeld des Kölner Konzertes erklärte Fechner, dass es ihm nicht so sehr darum gehe, ein jüngeres Publikum für die klassische Musik zu gewinnen, sondern um einen Brückenschlag zwischen zwei verschiedenen Besucher- und Hörergruppen.

Zumindest zeitweise dürfte er aber eine erhebliche Verjüngung des Konzertpublikums und der WDR-Hörerschaft erreicht haben. Außerdem hat er das WDR-Orchester in eine gute Ausgangsposition gegenüber den eigentlichen Philharmonikern der Stadt Köln, dem Gürzenich Orchester, gebracht, wenn es um den Umzug der Games Convention von der Pleiße an den Rhein und die Frage geht, wer in Zukunft das Eröffnungskonzert spielen soll.

Die Ausstrahlung des Konzerts "That's Sound, that's Rhythm" erfolgt am morgigen Sonntag (24. Februar) um 10:00 Uhr auf WDR 4. Neben der bundesweiten Satellitenausstrahlung wird das WDR-Radioprogramm auch im Internet gestreamt. (Georg Immich) / (vbr)