WIPO: China ist Patentkönig

Chinesische Unternehmen und Universitäten haben 2019 wieder mehr Anträge auf internationalen Patentschutz gestellt – und die USA damit von der Spitze verdrängt.

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(Bild: Phonlamai Photo/Shutterstock.com
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China hat die USA als Land mit den meisten internationalen Patentanträgen abgelöst. Das geht aus der Statistik der World Intellectual Property Organisation (WIPO) für das Jahr 2019 hervor, die am Dienstag in Genf veröffentlicht wurde. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 265.800 Patentanträge bei der WIPO registriert, was einem Zuwachs von gut 5 Prozent entspricht. "Das war das beste Jahr seit Bestehen unserer Organisation", freut sich WIPO-Generaldirektor Francis Gurry.

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Demnach kamen im vergangenen Jahr 58.990 Patentanträge aus dem Reich der Mitte, zehn Prozent mehr als 2018. Die Patentanträge aus den USA wuchsen im gleichen Zeitraum um knapp 3 Prozent auf 57.840 Stück. Dahinter folgt Japan mit etwas Abstand (52.660 Anträge, plus 6 Prozent). Deutschland kann mit 19.353 Patentanträgen den vierten Platz vor Südkorea mit 19.085 Anträgen knapp behaupten, hat aber im Vergleich zu 2018 weniger Anträge eingereicht (-2 Prozent), während Südkorea eine zweistellige Zuwachsrate aufweisen kann (+13 Prozent).

Auch die Liste der forschenden Unternehmen führen die Chinesen an. Der inzwischen umstrittene Huawei-Konzern steht mit 4411 Patentanträgen einsam an der Spitze vor dem japanischen Mitsubishi-Konzern (2661 Anträge) und Südkoreas Samsung (2334 Anträge). Qualcomm ist mit 2127 Patentanträgen das einzige US-Unternehmen in den Top Ten der WIPO, gefolgt von Oppo (China), BOE (China), Ericsson (Schweden), Ping An (China), Bosch (Deutschland) und LG (Südkorea).

Unter den Wissenschaftsinstitutionen liegt die University of California mit 470 bei der WIPO registrierten Anträgen vorn. Auf den weiteren Plätzen folgen die chinesischen Universitäten Tsinghua (265) und Shenzhen (247) sowie das Massachusetts Institute of Technology (MIT) mit 230 Anträgen. Nahezu 9 Prozent der von der WIPO registrierten internationalen Anträge betreffen Computertechnik, knapp 8 Prozent Kommunikationstechnologien und 7 Prozent Elektronik.

Die Stärke Chinas spiegele eine "langfristige Verschiebung der Innovation nach Osten" wider, kommentiert WIPO-Chef Gurry. Über die Hälfte der Antragsteller seien in Asien. Vor zwanzig Jahren hatte die WIPO gerade einmal 276 Anträge aus China registriert. "Innovation ist aber kein Nullsummenspiel", gibt Gurry zu bedenken. "Das Nettowachstum der weltweiten Innovation bedeutet neue Medikamente, Kommunikationstechnologien und Lösungen für globale Probleme, von denen alle profitieren, wo auch immer sie leben."

Die am Dienstage veröffentlichte Statistik der WIPO spiegelt die Anträge auf internationalen Patentschutz wider. Die Anzahl der Patentanmeldungen bei den regionalen Patentbehörden liegt deutlich höher. Allein das chinesische Patentamt hatte im Jahr 2018 über 1,5 Millionen Anträge zu bearbeiten. Beim US Patent and Trademark Office (USPTO) gingen im gleichen Zeitraum fast 600.000 Anträge ein, das deutsche Patentamt hatte knapp 68.000 Anträge im Postkasten. (vbr)