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WM 2006: Mobilfunker und Medienfirmen rüsten sich für den digitalen Rasen

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Die Fußballweltmeisterschaft 2006 versetzt die Telekommunikations- und Medienbranche in Aufbruchstimmung. Nachdem O2 bereits mit einem Deal zum Anbieten von Video-Sequenzen vorgeprescht ist, hat Matthias Immel, bei T-Mobile International für das Consumer Marketing der WM 2006 verantwortlich, heute auf dem Medienforum Berlin-Brandenburg einen Ausblick auf die Pläne seines Hauses gegeben. Der WM-Hauptsponsor will bis zur Mitte nächsten Jahres "ein komplettes Diensteportfolio" rund um das Fußballereignis anbieten. Einen Schwerpunkt soll dabei Handy-TV bilden. Dazu sollen etwa auch "Blogging-Dienste" kommen, um das Event "direkt erlebbar zu machen". Ob T-Mobile dabei erfahrene Blogger einkaufen oder eigene Webreporter anstellen will, konnte Immel noch nicht sagen.

Auch bei den Bewegtbildern auf den Mobiltelefonen will sich Immel noch nicht festlegen. Ob bei T-Mobile etwa DVB-H (Digital Video Broadcasting Handheld) oder der konkurrierende, auf DAB aufbauende Standard DMB (Digital Media Broadcasting) eingesetzt werde, wusste der WM-Beauftragte des Mobilfunkers nicht zu sagen. Demnach spricht viel dafür, dass es bei T-Mobile noch kein breites Angebot mit Handy-TV, sondern eher ein Pilot-Projekt geben wird, wenn es um die Echtzeit-Übertragung geht. Verschiedene "Near Live"-Angebote, bei denen wichtige Spielszenen etwa per MMS um wenige Minuten zeitversetzt auf videofähige Endgeräte übertragen werden, hat T-Mobile dagegen bereits seit der Fußball-Europameisterschaft im vergangenen Jahr im Angebot und auch auf die Bundesliga ausgedehnt. Dort hat T-Mobile laut Immel "Abonnenten im fünfstelligen Bereich", die pro Spiel dafür 1,20 Euro berappen. Diese Angebote will sein Haus -- genauso wie O2 -- auf jeden Fall auch zur WM zur Verfügung stellen.

An Ideen zur Eroberung des digitalen Rasens arbeiten auch andere Firmen. Der Hamburger Firmengründer Thomas Lehr etwa will mit goalunited ein mehrsprachiges Multiplayer-Onlinespiel schaffen, das sich über Werbeeinblendungen auf der virtuellen Anzeigetafel finanziert. Mit dem Game, in dem der Spieler in die Rolle eines Managers eines Fußballvereinsmanagers in einer kompletten Liga schlüpft, soll kommendes Jahr eine eigene WM im Netz simuliert werden. Dirk Balfanz vom Zentrum für Graphische Datenverarbeitung in Darmstadt, der das Projekt servingo mitentwickelt, setzt auf die baldige vollständige Realisierung von Spielen anhand von Original-TV-Aufnahmen in Game-Maschinen auf dem Handy. Schon heute lassen sich über servingo Spielszenen in 3D auf einem Handheld nachstellen und aus zahlreichen Perspektiven wie etwa der Sicht des Torwarts beim Elfmeter anzeigen.

Bei der kommenden Weltmeisterschaft der Nachwuchsspieler FIFA U 17 in Peru werden die Bälle erstmals mit Funkchips ausgestattet, welche den Schiedsrichtern in kniffligen Situationen bei Tor, Aus oder Abseits mit Standpunktinformationen bei der Kontrolle eines Spiels assistieren sollen. Die Infrastruktur für die vom Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen mitentwickelte Technik hat die Münchner Cairos Technologies AG bereits weitgehend installiert. Ob die verchipten Bälle auch bei der WM 2006 in Deutschland zum Einsatz kommen, soll nach dem Test bei der Junioren-WM entschieden werden. (Stefan Krempl) / (anw)