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Telepolis

WM hatte positive wirtschaftliche Folgen für Deutschland

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Die Fußballweltmeisterschaft liegt schon zwei Monate zurück. Der Rausch ist allmählich ebenso verflogen, wie die deutschen Fahnen wieder eingepackt wurden. Vor der Weltmeisterschaft hatten bereits Wissenschaftler versucht, den wirtschaftlichen Effekt solcher Großereignisse, die viele Menschen mit sich reißen und einen nationalen Taumel auslösen, zu bestimmen. Nun haben Wirtschaftswissenschaftler vom Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) der Universität Bonn eine Studie (PDF-Datei) vorgelegt, die die makroökonomischen Folgen von "scheinbar unbedeutenden Ereignissen" wie der WM 2006 nachgegangen ist.

Die Studie von Armin Falk, Professor für Volkswirtschaftslehre, und seinem Team, suchte anhand der Fußballweltmeisterschaft, die als "natürliches Experiment" verstanden wird, die Theorie zu überprüfen, dass Ereignisse, die die Wahrnehmungen und Erwartungen vieler Menschen betreffen, makroökonomische Folgen haben. Zu diesem Zweck haben die Wissenschaftler durch das Meinungsforschungsinstitut Infas über 3.200 telefonische Befragungen jeweils einen Tag nach einem Spiel der deutschen Nationalmannschaft durchführen lassen. Zur Kontrolle wurde eine Gruppe 11 Tage vor dem Beginn der WM befragt. Die Auswahl war ein repräsentativer Ausschnitt der Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 65 Jahren. Gefragt wurde nach der Beurteilung der wirtschaftlichen Situation in Deutschland, der persönlichen wirtschaftlichen Situation und den Erwartungen, wie sich diese in einem Jahr ändern wird.

Die Auswertung hat ergeben, dass die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage nach den Erfolgen der Nationalmannschaft und der durch diese ausgelösten nationalen Begeisterung, signifikant besser war als 11 Tage vor Beginn der WM. Dabei wurde die wirtschaftliche Lage in Deutschland besser als die persönliche eingeschätzt. Auch die Zukunft sah für die Meisten rosiger aus. Besonders ausgeprägt wurde die positive Stimmung nach den Siegen der deutschen Nationalmannschaft über Argentinien und Portugal. Das Scheitern im Halbfinale gegen Italien scheint die Stimmung hingegen nur wenig beeinträchtigt zu haben.

Um die positive Beeinflussung der Stimmung deutlich zu machen, versuchten die Wissenschaftler die Frage zu beantworten, wie stark sich das persönliche Einkommen der Menschen erhöhen müsste, um einen vergleichbaren Effekt wie die WM auf die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage zu bewirken. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass über die verschiedenen Einkommensgruppen hinweg der WM-Effekt einer Erhöhung um 470 Euro entsprechen würde.

Für die Wissenschaftler ist ihre Studie schließlich ein Beleg dafür, dass die Wirtschaft in hohem Maße von der Psychologie bestimmt wird. Überdies könnten durch die Ergebnisse die in anderen Untersuchungen entdeckten Verbindungen zwischen Fluktuationen an der Börse und großen Sportereignissen erklärt werden. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Auswirkungen der WM auf die Einschätzung der wirtschaftlichen Situation auch nach deren Ende anhalten. In den vier Wochen, in denen die WM stattfand, hätten "Millionen von Kunden und Investoren Millionen von Entscheidungen und Plänen gemacht, die potenziell von den Wahrnehmungs- und Erwartungsveränderungen beeinflusst wurden". Nur die Zukunft könne zeigen, ob dies einen "großen und dauerhaften positiven Einfluss" auf die Wirtschaft habe. Fragt sich nur, wie man dies messen könnte.

Siehe dazu in Telepolis: (fr)

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