Menü

WOS 4: "Creative Commons"-Vater ruft zum Kampf gegen DRM auf

Larry Lessig, der "Vater" der "Creative Commons"-Bewegung (CC), fordert verstärkte Bemühungen zur Unterstützung einer freien Netzgesellschaft. Auf der Konferenz Wizard of OS 4 (WOS 4) rief der Stanforder Rechtsprofessor die versammelte Entwicklergemeinde auf, auch auf proprietären Plattformen freie Inhalte verfügbar zu machen. "Die freie Kultur braucht ein Betriebssystem, welches das Wissen unserer Gesellschaft besser anspricht", erklärte Lessig. Dafür seien nicht nur "freie Software", "freie Werkzeuge" sowie "freie und offene Protokolle" erforderlich, sondern auch eine bessere praktische Umsetzung des Freiheitsgedanken in die Praxis.

"Wir müssen auf freier Software und auf proprietären Plattformen aufbauen", betonte der Vordenker. Die nicht frei verfügbare Multimedia-Software Flash etwa hält er für "ein entscheidendes Werkzeug der digitalen Grundausbildung in einer freien Kultur." Jedes Kind sollte damit umgehen können. Es komme daher darauf an, Flash-Entwickler zu einer ähnlichen Zusammenarbeit zu ermuntern, wie sie aus dem Linux-Umfeld bekannt ist. Wenn schon die Software an sich nicht frei sei, sollte zumindest der damit programmierte Code zur freien Nutzung zur Verfügung gestellt werden. "Wir müssen den Leuten verdeutlichen, dass der Quellcode eine Form des Wissens ist und sich auf jeder Plattform wie ein Virus verbreitet", gab Lessig als Parole aus. Er begrüßte daher die Entwicklung des freien Flash-Players Gnash der Free Software Foundation (FSF), da so die Unterstützung für freie Software auf der Inhalte-Ebene ausgebaut werde.

Der Aktivist im Wissenschaftsgewand beklagte gleichzeitig, dass die Gegenseite der traditionellen Herrscher über die Medieninhalte sowie die US-Regierung und ihr nahe stehende Politiker ihrerseits den Kampf für den Erhalt bestehender Machtstrukturen verschärft habe. Den Widersachern der von Lessig befürworteten interaktiven "Read-Write"-Gesellschaft und einer Kultur, die zur eigenen Kreation und zum Austausch von Inhalten ermuntere, gehe es um den Erhalt ihrer Pfründe.

Statt einer "demokratischen Peer-2-Peer-Produktion" wollten die ewig Gestrigen den Bürgern die "Read-only"-Gesellschaft mit der Couch-Potato-Mentalität weiter schmackhaft machen. Dabei würden sie auf eine gewisse "Copyright-Attitüde" setzen, um die in der digitalen Gesellschaft zur Norm werdende Kopierbarkeit von Bits und Bytes "unter perfekter Kontrolle zu halten". Ihre Rechtsanwälte würden den Standpunkt vertreten, dass entgegen aller "Fair use"-Regeln jede Nutzung eines kulturellen Werks einer Erlaubnis bedürfe und Kids etwa das Unterlegen eines sarkastischen Jesus-Videos mit einem Hit von Gloria Gaynor verbieten. Technisch untermauert würde dieser Anspruch durch Systeme zum digitalen Rechtekontrollmanagement (DRM).

"Wir müssen auf diese Verrücktheit antworten, müssen uns widersetzen", beschwor Lessig die Konferenzbesucher. "Als erstes müssen wir DRM bekämpfen". Auf der rechtlichen Seite verwies er auf die von ihm an vorderster Front mit vorangetriebenen Bemühungen, mit Hilfe der auch für Deutschland adaptierten "Creativ Commons"-Lizenzen einen großen Pool an Medieninhalten schaffen, die komplett oder für nicht-kommerzielle Zwecke zum freien Download und zum Remixen freigegeben sind. Anders als beim Urheberrecht oder beim Copyright US-amerikanischer Prägung behalten sich die Künstler bei CC nur einige ihrer Rechte vor, während sie die Nutzungsmöglichkeiten für Dritte erhöhen. 138 Millionen Webseiten hätten im Juni bereits auf CC zurückverlinkt und so gezeigt, dass sie die entsprechenden Lizenzen verwenden, führte Lessig aus. Letztlich entstehe so eine ganz neue "Infrastruktur", wie Menschen über Nutzer- und Verwertungsrechte denken.

Angesprochen auf die Kritik aus der "Free Software"-Gemeinde an der häufigen Wahl vergleichsweise restriktiver CC-Lizenzen zeigte sich Lessig betroffen. Er bezeichnete es als das für ihn "am meisten niederschlagende Ereignis in der Geschichte von Creative Commons", dass FSF-Gründer Richard Stallman nach langen Diskussionen CC-Lizenzen nicht mehr empfehlen wolle. Es handle sich um zwei spezielle Formen, nämlich um die gesonderten Sampling-Genehmigungen sowie die Lizenz für Entwicklungsländer, stellte der Rechtsprofessor klar. Stallman wolle die darin gewährten Sonderrechte nicht auf besondere Anwenderkreise eingeschränkt wissen. Doch laut Lessig kommt es darauf an, Balancen zu finden und Unterschiede zu beachten. Es dürfe nicht dazu kommen, Freiheiten zu diktieren. Vielmehr müsse jede CC-Nutzergemeinde für sich entscheiden, welche Werte ihr am wichtigsten und wie diese zu schützen seien. Generell gehe es bei Creative Commons nicht darum, bestehende Nutzungsrechte etwa an Werken in der frei verfügbaren Public Domain zurückzuschrauben.

Um die Bemühungen des Professors auf der WOS zu unterstützen, verkündete der Verlag Open Source Press, die deutsche Übersetzung des jüngsten Lessig-Buchs "Freie Kultur" unter einer CC-Lizenz zur Verfügung zu stellen. Für die englische Version galt dies von Anfang an. Überdies fiel auf der Konferenz der Startschuss für die Plattform RegisteredCommons.org, auf der Werke digital signiert und registriert werden können. Sie soll helfen, dass CC-lizenzierte Inhalte als solche besser erkennbar und wie von den Rechtehaltern vorgesehen verwendet werden. Eines der ersten dort verzeichneten Werke ist die deutsche "Free Culture"-Übersetzung.

Zur Wizards of OS 4 siehe auch

(Stefan Krempl) / (Stefan Krempl) / (mw)

Anzeige
Zur Startseite
Anzeige