Menü

WOS3: Feldversuch der Freifunker

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 35 Beiträge

Der WLAN-Standard IEEE 802.11b (11 MBit/s brutto) unterstützt normalerweise kein Multihop-Networking und kennt nur zwei Betriebsweisen: Im "Managed Mode" verwaltet der Access Point die Funkverbindung und stellt für alle Stationen im Umkreis bis zu etwa hundert Metern den Zugang zum Internet her; im "ad-hoc-Modus" können sich einzelne Stationen gleichberechtigt vernetzen, solange sich ihre Sendebereiche überlappen. Die Reichweitenverlängerung durch ein Multihopping über zwischengeschaltete Relais-Stationen war in 802.11b nicht vorgesehen.

Wie einfach sie sich bewerkstelligen lässt, davon konnten sich interessierte Teilnehmer in dem MANET-Experiment zum Mobile Ad-hoc-NETworking auf der Wizard-of-OS überzeugen: Den OLSR-Dämon des "Optimized Link State Routing"-Protokolls auf den Linux-Laptop als Quellcode laden, kompilieren und mit Hilfe des von Freifunk.Net bereitgestellten Shellskripts die WLAN-Karte so konfigurieren, dass sie zum Router wird und die IP-Pakete anderer Stationen weiterreicht. Auf diese Weise können Stationen, die sich außerhalb der Reichweite eines Access Points befinden, mit Unterstützung der dazwischenliegenden WLAN-Stationen eine Internet-Verbindung herstellen.

Zu der Berliner Veranstaltung haben die Aktivisten von c-base zwischen dem Berliner Congress Centrum am Alexanderplatz und dem etwa einen Kilometer entfernten c-base-Standort eine WLAN-Verbindung aufgebaut. Dabei stellen drei Meshcubes der Hamburger 4G Systeme GmbH im "Sichtkontakt" auf den Gebäudedächern die Infrastruktur der drahtlosen Verbindung beider Endpunkte bereit. Sie dienen in ihrem jeweiligen Umfeld gleichzeitig als Access Points für mobile WLAN-Stationen. Mit der Reichweitenverlängerung multihop-fähiger, mobiler Stationen ließe sich in diesem Teil des Stadtgebietes im Prinzip eine lückenlose WLAN-Anbindung herstellen.

"Je mehr sich beteiligen, umso besser wird die Abdeckung", erklärt Elektra vom kooperierenden Amsterdam Subversive Center for Information Interchange (ASCII). Andererseits geht jedoch mit steigender Zahl beteiligter Stationen ein immer größerer Teil der Bandbreite als Overhead zum Signalisieren der Verbindungsbereitschaft und Update der Routing-Tabellen verloren. Inwieweit die Multihop-Protokolle auch bei sehr großen Teilnehmerzahlen noch funktionieren, ist offen: Die bescheidenen 23 Teilnehmer an dem Berliner Versuch zur Selbstvernetzung stießen jedenfalls noch nicht an die Grenzen des OLSR-Protokolls.

Mit der Verbindung zwischen dem Congress Centurm und c-base in der Rungestraße sind die Freifunker ihrem Ziel der mobilen Vernetzung entlang der Spree einen Schritt näher gekommen. Geplant ist die Verlängerung bis zum Kulturhaus Tacheles. Der unabhängige BerlinBackBone über den Dächern der Hauptstadt soll zugleich zum Rückgrat für die breitbandige Internet-Anbindung von Einrichtungen der alternativen Kulturszene wie dem bootlab, tacheles, cccb und der KuFa in Berlin-Mitte werden.

Zur Wizards of OS siehe auch:

(Richard Sietmann) / (jk)

Anzeige
Anzeige