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WOS3: Prototyp des DataPrivatizer zur Kontrolle von RFID-Tags

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Der Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs (FoeBuD) hat auf der Wizards of OS in Berlin eine erste Demoversion seines DataPrivatizers präsentiert. Das Projekt, das von der Bridge-Stiftung zur Wahrung der Bürgerrechte in der digitalen Gesellschaft mit 15.000 Euro gefördert wird, soll dem Ausspionieren durch die RFID-Technik (Radio Frequency Identification) einen Riegel vorschieben. Darüber hinaus will es die Bürger für die neue Überwachungstechnik sensibilisieren, die vom Staat und der Wirtschaft für großflächige Einsätze vorgesehen ist.

Der Prototyp -- laut FoeBuD-Mitgründer padeluun eine Alpha-Version -- sieht noch etwas klobig aus. Dafür funktioniert er bereits recht gut: Nähert man sich mit dem gut Zigarettenschachtel-großen Gerät einem RFID-Tag, die der Handelsriese Metro beispielsweise für Verpackungen von Frischkäse, Shampoo, DVDs oder Rasierklingen im "extra Future Store" einsetzt, blinken die Leuchtdioden des Spürhunds bunt und eindringlich vor sich hin. Je nach Voreinstellung über die zwei vorhandenen Bedienungsknöpfe ertönt zudem ein Piepton, der immer lauter wird, je näher der Träger des Datenschutzwerkzeugs einem Funketikett kommt. Dasselbe Spiel wiederholt sich, wenn die magnetischen Aktivierungswellen eines RFID-Lesegeräts auf den DataPrivatizer treffen.

"Das Gerät erkennt Tags und Scanner momentan auf fünf Meter Entfernung", erläuterte padeluun im Gespräch mit heise online. Das fertige Produkt, das in spätestens zwei Monaten zunächst in einer Zahl von 3000 Stück in einer eleganten silbernen Verpackung verfügbar sein soll, werde über zehn Meter hinweg funktionieren. Er funktioniert ähnlich wie das Bauset für einen RFID-Detektor, das in Heft 9/2004 der c't vorgestellt wurde.

Die Bastler beim FoeBuD haben auch die c't-Anleitung bereits in materielle Form umgesetzt und betriebsfähig gemacht. Der DataPrivatizer bietet laut padeluun allerdings ein paar darüber hinausgehende Funktionen. So lassen sich mit dem Gerät der Stop-RFID-Aktivisten, das zwischen 50 und 100 Euro kosten soll, die smarten Etiketten nicht nur auslesen, sondern sogar umschreiben. Mit der veränderten Seriennummer werden die Labels unbrauchbar gemacht fürs Data-Mining in Behörden oder Unternehmen -- eine Idee, die der FoeBuD auch bereits bei seiner "Privacy Card" für das Payback-Datensammelnetzwerk verfolgte. Der DataPrivatizer soll in seiner Endversion über einen Kopfhöreranschluss sowie eine serielle Schnittstelle zum PC verfügen.

Zur politischen Zielsetzung des Projekt erklärte FoeBuD-Mitstreiterin Rena Tangens: "Es geht uns nicht darum, dass bald jeder mit so einem Ding rumläuft." Die Leute sollten aber erkennen können, in wie vielen Alltagsgeräten die verräterischen Funkchips bereits auftauchen. Natürlich lasse sich die Detektorfunktion aber auch gut als Eisbrecher auf Partys einsetzen, ergänzte padeluun, wenn man das Objekt der Begierde erst mal von oben bis unten abscanne. Neben der Aufklärung der Bevölkerung hält es Tangens für wichtig, dass der Einsatz von RFID-Tags gesetzlich geregelt wird. Firmen sollten überdies dazu übergehen, datenschutzstärkende Erkennungs- und Blocktechniken direkt in ihre Produkte einzubauen.

Zur Wizards of OS siehe auch:

(Stefan Krempl) / (jk)