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WOS3: UN-Organisation unterstützt Open Source für Städte in Osteuropa

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Das United Nations Development Programm (UNDP), die für Entwicklungshilfe zuständige UN-Organisation, will Open-Source-E-Government-Projekte in Osteuropa fördern. Gemeinsam mit der bulgarischen Internet Society, deren Chef Veni Markovski das Projekt am Rande der Wizard of OS (WOS) ankündigte, wird die UNDP in der bulgarischen Stadt Kurdjali ein Pilotprojekt starten. Sukzessive soll das Projekt dann auf Städte in Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Rumänien, Serbien und Montenegro ausgedehnt werden. Die Fördersumme ist mit 90.000 US-Dollar allerdings recht bescheiden.

"Es geht einfach darum, Bürgern die Möglichkeit zu geben, sich per E-Mail an die Stadt zu wenden oder eine Geburtsurkunde zu beantragen", sagte Markovski. Er sieht in dem Projekt große Chancen, der geballten Macht von Microsoft in Bulgarien etwas entgegenzusetzen. Auf der WOS berichtete der Jurist, der gleichzeitig Mitglied des Vorstands der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) ist, von den nicht immer sauberen Geschäften des Softwareriesen mit der bulgarischen Regierung: Ende vergangenen Jahres verhinderte eine Kampagne der Internet Society Bulgarien, dass die Regierung ohne Ausschreibung 35.000 Windowslizenzen für die Schulen des Landes einkaufte, weit mehr als Rechner in den Schulen zur Verfügung stehen. Die Zahl der Lizenzen wurde auf 18.000 heruntergesetzt. Und statt der ein Jahr zuvor von der Regierung bei einer Großbestellung bezahlten 450 Euro wurden nach der Ausschreibung nur noch 13,60 Euro pro Windows-XP-Lizenz bezahlt. Markovski sagte, die Einkaufspolitik seiner Regierung habe inzwischen dazu geführt, dass "die bulgarische Regierung die einzige mir bekannte Regierung ist, die zwei verschiedene Lizenzen für ihre Software hat."

Der Gipfel der Abhängigkeit, meinte Markovski, war die Schaffung eines E-Government-Portals, das den Besucher zunächst darauf hinweist, dass er sich für Windows.net registrieren muss, um die angebotenen Services zu nutzen. "Das Portal wurde vom größten Microsoft-Distributor in Bulgarien gemacht." Ziel des UNDP-Projektes sei es dagegen, den Zugang zu Informationen ohne bestimmte Softwarevoraussetzungen zu ermöglichen und kostengünstige Lösungen für die osteuropäischen Staaten zu schaffen.

Einen wichtigen Schritt dahin hat man in Polen bereits gemacht, zumindest auf dem Papier. Pawel Leszek, Mitbegründer des polnischen Linux-Magazins, sagte: "Bei uns gibt es ein offizielles Dokument mit dem Titel 'Nationale Strategie für Open Source Development' (Narodowa Strategia Rozwoju Wolnego)." Das Dokument verlangt unter anderem, dass Open-Source-Software-Pakete für die öffentliche Hand geschaffen werden und vor allem, dass alle staatlichen IT-Systeme Open Source sein müssen. "Leider", kommentiert Leszek, "wird dieses Dokument nach der nächsten Wahl wohl verschwinden." Vorerst sei die Open-Source-Bewegung in Polen noch viel zu schwach.

Leszek, Markovski und der litauische Jurist Mindaugas Kiskis berichteten übereinstimmend von der Abschreckungspolitik des Softwarebranchenverbandes Business Software Alliance (BSA) in ihren Ländern. Markovski nannte die Piraterie-Zahlen des Verbandes aus der Luft gegriffen. Kiskis sagte, die BSA-Drohbriefe, in denen die Adressaten praktisch unterschiedslos als Softwarepiraten angegriffen wurden, hätten letztlich sogar die gegenteilige Wirkung hervorgerufen. "Litauische Unternehmer haben daraufhin Druck auf die Regierung ausgeübt; und solange Microsoft und die BSA noch nicht die Wahlkampagnen hier bezahlen, wirkt das." Dass die neuen Mitgliedsstaaten sich nun auch in der EU für liberalere Regelungen im Bereich Urheberrecht oder bei den Softwarepatenten einsetzen, glaubt er noch nicht. "Doch vielleicht wird es in der Zukunft einmal eine kleine Rebellion der Neuen geben. Ich denke, anders können wir nicht überleben."

Zur Wizards of OS siehe auch:

(Monika Ermert) / (jk)