WWDC: Apples "Leopard" bringt zehn große neue Funktionen

Auf seiner Eröffnungsrede zur Apple-Entwicklerkonferenz in San Francisco gab Steve Jobs weitere Details des 64-bittigen Mac OS X 10.5 preis, darunter einen 3D-Desktop, einen neuen Finder und einen integrierter Viewer.

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Von
  • Johannes Schuster

Auf seiner Eröffnungsrede zur diesjährigen Entwicklerkonferenz in San Francisco zeigte der Apple-Chef Steve Jobs erstmals weitere, bislang streng geheim gehaltene Funktionen von Mac OS X 10.5 alias "Leopard". Insgesamt soll es sich um mehr als 300 handeln, zehn größere davon hob Jobs besonders hervor.

1. Neuer Desktop: Menüleisten und das Dock haben einen neuen 3D-Look erhalten und sind teilweise transparent. Das Dock ist deutlich kompakter und nimmt nun auch Ordner auf, deren Inhalt bei Berührung mit dem Mauszeiger als Vorschau stapelähnlich gezeigt wird. Ein konsistenteres Gesamtbild soll das aktive Fenster deutlicher erkennbar machen. Den Look von gebürstetem Aluminium findet man hier nicht mehr.

2. Überarbeiteter Finder: Die von iTunes bekannte Ansicht "Cover Flow" hat Einzug gehalten, um Übersicht in Dateien, E-Mails und Downloads zu bringen. In einer Seitenleiste lassen sich fremde Macs und Server im Netz mit Spotlight durchsuchen. Mit Hilfe des kostenpflichtigen Apple-Dienstes .mac soll man Dateien demnächst auch dann austauschen können, wenn sich der andere Mac nicht im selben LAN befindet. .Mac-Abonnenten sollen über die Funktion "Back to my Mac" übers Internet auf die Dateien ihres heimischen Rechners zugreifen können.

3. "Quick Look", ein im Finder integrierter Viewer, mit dem man Dateien "in den meisten Formaten", darunter Doc, RTF, PDF und EPS, ohne Verzögerung anschauen beziehungsweise abspielen, bildschirmfüllend vergrößern und darin via Cover Flow blättern kann, ohne weitere Programme starten zu müssen.

4. 64 Bit: Leopard wird laut Jobs durchgehend ein auf Cocoa setzendes 64-Bit-Betriebssystem. Tiger sei zwar auch schon in 64 Bit programmiert, darüber liege aber nur eine 32-bittige Oberfläche. Demnächst sei auch das Frontend 64-bittig. 64-Bit-Programme sollen Seite an Seite mit 32-bittigen laufen.

5. Neue Grafikfunktionen: Über eine neue Bibliothek für Core Animation können Entwickler etwa animierte Bedienoberflächen ohne großen Aufwand in ihre Applikationen einbauen.

6. Boot Camp: Wie angekündigt, enthält Mac OS X 10.5 die finale Software zum Starten von Windows auf Intel-Macs. Wer erwartet hatte, dass Apple eine Virtualisierungsfunktion in Leopard einbaut, wurde enttäuscht: Apple sei mit der Arbeit von Parallels und VMware zufrieden, sagte Jobs.

7. Virtuelle Desktops: Unklar blieb, wo die Neuerung in Spaces steckt, denn diese Funktion wurde schon einmal gezeigt.

8. Neue Widgets für Dashboard: "Movie Times" sucht (vermutlich zunächst nur in den USA) nach Kinovorstellungen, kauft auf Wunsch die Tickets und zeigt Filmvorschauen an. Jobs zeigte außerdem das bereits bekannte "Web Clip", das aus Teilen von Webseiten ein Widget herstellen kann. Neu ist die Auswahlmöglichkeit verschiedener Randstile. Laut Jobs gibt es bereits über 3000 Widgets.

9. Video-Telefonie: iChat bringt nun einige spaßige Effekte auf Basis der Grimassen-Software Photobooth mit. Die Audioqualität soll sich durch den Einsatz von AAC-LD (Low Delay-Codec) verbessern. Zwischen mehreren Chats wechselt man durch Tabs (Reiter), das iChat-Theater zeigt Fotos, Präsentationen und alles, was Quick Look darstellen kann, im Video-Chat.

10. Backup: Die Funktion Time Machine, die das System bequem in frühere Zustände zurückversetzen kann, um etwa gelöschte Dateien wiederherzustellen, kann Backups nun auch auf einer USB-Festplatte, die an der neuen Airport-Basisstation hängt, sichern.

Mit einem Seitenhieb auf Windows kündigte der Apple-Chef den Preis für Leopard an: Es gebe keine Basis-, Premium- oder Ultimate-Version, Mac OS X 10.5 koste stets 129 Dollar (respektive Euro). Für 200 Euro gibt es das Mac OS X Leopard Family Pack, eine 5-Nutzer-Lizenz für den selben Haushalt. Erscheinungstermin bleibt Oktober, WWDC-Besucher bekommen eine Version mit nach Hause.

Die Server-Version von Leopard soll ebenfalls im Oktober erscheinen und unter anderem einen Wiki-Server, einen "Podcast Producer", einen Spotlight-Server und einen iCal-Server enthalten. "Ein hochentwickeltes, um mehr als 250 neue Features erweitertes Server-Betriebssystem am selben Tag auszuliefern wie die Client-Version -- das schafft nur Apple", warf sich Marketing-Chef Phil Schiller in die Brust.

Laut Jobs nutzen zur Zeit 22 Millionen Apple-Anwender Mac OS X, 67 Prozent davon Tiger (10.4), 23 Prozent Panther (10.3) und lediglich 10 Prozent Vorversionen. Die Apple Developer Connection habe die Zahl der angemeldeten Entwickler innerhalb eines Jahres um 200.000 auf 950.000 gesteigert. Es gebe inzwischen unzählige Universal Binarys, sagte Jobs.

Keynote-Besucher Paul Otellini, der CEO von Intel, bekam von Steve Jobs einen von Chef-Designer Jonathan Ive gestalteten Award überreicht. Ein weiterer Gast war Bing Cordon, der Kreativ-Chef von Electronic Arts. Er kündigte Spiele für den Mac an: Command and Conquer 3 soll im Juli erscheinen, anschließend Battlefield 2142, außerdem Need for Speed Carbon, Madden 08, Tiger Woods 08 sowie Harry Potter und der Orden des Phönix. Auch John Carmack von id-Games ließ sich auf der Bühne sehen und stellte eine neue Technik für realistischere Texturen vor, die auf der Keynote das erste Mal gezeigt wurde.

Zu Apples World Wide Developers Conference 2007 siehe auch:

(jes)