Menü

WWW: Tracking-Methoden werden brutaler, Browser-Hersteller schauen weg

Die Überwachungsmethoden der Tracker werden immer ausgefeilter. Selbst bei Online-Apotheken bedienen sich die Datendealer. Datenschutz-Forscher Arvind Narayanan ärgert sich über die Untätigkeit der großen Browser-Hersteller.

von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 788 Beiträge
Bronzestatue eines Paparazzo

Pressburger Paparazzo-Statue

(Bild: Kurt Bauschardt CC BY-SA 2.0 )

"Ein Wettrüsten zwischen Trackern und Datenschützern", sieht Professor Arvind Narayanan von der Princeton-Universität. Er betreibt Bots, die jeden Monat die wichtigste Million Webseiten aufrufen und auf Tracking- und andere Überwachungs-Methoden untersuchen. Dabei zeigt sich, dass die Datendealer laufend neue und tiefdringendere Methoden einsetzen, um an private Daten zu gelangen. heise online hat Prof. Narayanan im Silicon Valley getroffen.

Als Schutz empfiehlt er spezielle Browser, wie zum Beispiel Brave, sowie Browser-Erweiterungen, wie Ghostery und Privacy Badger. "Ich nutze sie selbst und ermuntere jeden, sie zu installieren und auszuprobieren", sagt Narayanan. Aber sie seien nicht unbedingt für Durchschnittsuser geeignet und den Datendealern immer wieder einen Schritt hinterher. Adblocker hingegen verbergen zwar Reklame, sind aber nicht auf Tracking ausgerichtet.

Arvind Narayanan war an den Verhandlungen über die Do-Not-Track-Einstellung beteiligt. Das Projekt gilt heute als gescheitert.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Daher nimmt Narayanan die Browser-Hersteller in die Pflicht: "Die Browser-Anbieter sollten klare Richtlinien über akzeptables und inakzeptables Tracking veröffentlichen, User bei Verletzung dieser Richtlinien warnen, und einen Tracking-Schutz-Modus anbieten, ähnlichem dem bereits bestehenden Inkognito-Modus."

Entgegen weit verbreiteter Meinung schützt der Inkognito-Modus nämlich nicht gegen Tracking, sondern dagegen, dass auf dem Endgerät Spuren gespeichert werden. Das verhindert vor allem, dass andere User des selben Endgeräts die Browser-History ausweiden – nicht aber Dritte, denen ein Script die Browser-Nutzung live frei Haus liefert.

Die meisten Browser-Anbieter ergreifen bisher keine nennenswerten Gegenmaßnahmen. Sie begreifen Tracking durch Dritte nicht als klassisches Sicherheitsproblem und verweisen darauf, "neutral" zu sein. Dieser Argumentation kann Narayanan nichts abgewinnen: "Ein Browser, der gegenüber Tracking durch Dritte neutral ist, ähnelt einem E-Mail-Provider, der gegenüber Spam neutral ist."

Anzeige
Zur Startseite
Anzeige