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Wachstumsmotor Urheberrechtsbranche will gegen Piraterie geschützt werden

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Die US-amerikanische Unterhaltungs- und Softwarebranche trug nach eigenen Angaben 2007 überdurchschnittlich zum Wachstum der US-Wirtschaft bei. Laut der am gestrigen Montag in Washington von der Branchenorganisation International Intellectual Property Alliance (IIPA) veröffentlichten 12. Ausgabe des Berichts zur Rolle des Copyrights für die US-Wirtschaft haben die 1900 Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf Urheberrechten aufbaut, einen Anteil von 22 Prozent am realen Wachstums der US-Wirtschaft. Unter Einbeziehung der von der Branche abhängigen Zulieferer macht der Beitrag sogar 43 Prozent des Realwachstum aus – in US-Dollar sind das satte 1,5 Billionen. Die Branche wuchs mit 7,89 Prozent 2007 fast doppelt so stark wie die übrige Wirtschaft.

Der IIPA gehören unter anderem die Software-Verbände [ttp://www.bsa.org BSA] und ESA an sowie der Filmverband MPAA, der US-Verlegerverband und der Verband der Musik-Majors RIAA. Software und Unterhaltung sind die Exportschlager aus den USA. Mit 126 Milliarden US-Dollar Exportvolumen im Jahr 2007 liegt die Branche vor der chemischen Industrie (122 Milliarden) sowie den Flugzeug- ( 95,65 Milliarden) und Autobauern (56 Milliarden). Trotz der beginnenden Krise stiegen die Löhne und die Beschäftigungszahlen in der Branche, deren Mitarbeiter im übrigen rund 20 bis 30 Prozent mehr verdienen als ihre Kollegen in anderen Industrien. Gerade in der Krise werde die Urheberrechtsbranche ihre besondere Stärke beweisen, versprechen die Autoren der Studie. Sie erwarten zumindest, dass etwaige Einbrüche deutlich geringer ausfallen werden als in anderen Sektoren der Wirtschaft.

Das stolze Resultat zeigt für die Vertreter der Urheberrechtsindustrie aber nicht zuletzt, als Wachstumsmotor müssten sie noch stärker als bisher gegen Piraterie geschützt werden. Von einem weltweit entschieden geführten Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen profitierte auch die US-Wirtschaft erheblich, meinen die Branchenvertreter. Die Studie könne dabei von der Regierung zur Begründung für effektivere rechtliche und polizeiliche Maßnahmen herangezogen werden. Piraterie verhindere nämlich das Wachstum in der US-Wirtschaft und in jedem anderen Land, das auf strenge Maßnahmen gegen den Urheberrechtsklau verzichte. In der Politik fallen solche Zahlen auf fruchtbaren Boden, wie nicht zuletzt die Bemühungen der USA und andere Staaten um das Anti-Piraterie-Abkommen ACTA zeigen.

Eine andere Schlussfolgerung aus der Stärke der Branche zieht Gigi Sohn, Präsidentin der US-Organisation Public Knowledge. Der Branche gehe es so gut, daher seien die von der Industrie gewünschten drakonischen Maßnahmen unnötig. Die Überwachung der Internetaktivitäten durch die Privatwirtschaft und der Wunsch, Nutzer auf einen bloßen Verdacht der Urheberrechtsverletzung vom Netz nehmen zu können, seien überflüssig. Laut Sohn sprechen der Verband der US-Musikindustrie (RIAA) und Provider über solche Maßnahmen, die auch in Europa auf dem Wunschzettel der Copyright-Lobby stehen. (Monika Ermert) / (vbr)