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Währung oder Spekulationsobjekt – das Bitcoin-Dilemma: Zahlen oder Zocken?

Als Währung gedacht, doch vor allem zum Spekulieren genutzt: Der Bitcoin-Höhenflug steht dem ursprünglichen Sinn und Zweck des Kryptogeldes im Weg. Der Hype wirft die Frage auf, ob das digitale Objekt der Begierde überhaupt noch zum Bezahlen taugt.

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Währung oder Spekulationsobjekt – das Bitcoin-Dilemma: Zahlen oder Zocken?

Währung oder Spekulationsobjekt?

(Bild: tombank)

"Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann der letzte Kunde mit Bitcoin bezahlt hat", sagt Niels Göttsch. Der Besitzer der Kaffeebar Leuchtstoff in Berlin Neukölln ist bei Weitem nicht der einzige Ladenbetreiber, dem es so geht. Zwar etabliert sich Bitcoin in der Finanzwelt und eilt von einem Rekordhoch zum nächsten. Seit Jahresbeginn ist der Kurs von rund 1000 auf zeitweise über 20.000 US-Dollar gestiegen. Doch diese Kursexplosion führt zu einem Dilemma.

Denn was eigentlich als digitale Währung gedacht war, droht zum reinen Spekulationsobjekt zu werden. Zum Bezahlen eignet sich Bitcoin dadurch nur noch bedingt. Für Ladenbesitzer und Online-Händler sind extreme Kursausschläge unangenehm – die Preise müssen ständig angepasst werden. Und wer will schon Geld ausgeben, das keinen stabilen Wert hat und eher zur Spekulation auf Kursgewinne einlädt?

In Berlin, wo seit Jahren immer mehr hippe Cafés und Startups Bitcoin-Zahlungen anbieten, macht sich das Problem bereits bemerkbar. Anfangs habe es wenigstens noch um die zehn Bitcoin-Zahlungen pro Jahr gegeben, sagt Kaffeebar-Besitzer Göttsch. Inzwischen seien die Transaktionen aber ganz versiegt. "Die Mitarbeiter vergessen schon, wie das mit der Bitcoin-Annahme überhaupt funktioniert."

Auch die Berliner Konditorei Engelmann bekommt in letzter Zeit gar keine Bitcoin-Anfragen mehr. Es habe immer wieder Probleme gegeben, sagt Besitzer Michael Engelmann. So hätten etwa Kunden aus Versehen das Geld doppelt überwiesen, weil sie nicht sicher waren, ob die Transaktionen tatsächlich stattgefunden haben. Dabei schien Bitcoin eine Zeit lang als Zahlungsmittel auf dem Vormarsch.

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