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Wahlbeeinflussung durch Social Media: Facebook liefert Daten für Studie

Forscher einer Studie zur Wahlbeeinflussung über Social Media erhalten Zugriff auf Facebook-Daten. Die Privatsphäre der Nutzer sei gewährleistet, sagt Facebook.

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(Bild: dpa, Dominic Lipinski)

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Facebook unterstützt eine im Frühjahr 2018 angestoßene unabhängige internationale Studie zum Einfluss sozialer Online-Netzwerke auf Wahlen mit Daten aus dem eigenen Netzwerk. Mit der Studie betraute Forscher erhalten nach Angaben von Facebook dazu einen Zugang auf spezifische Daten über eigens dafür geschaffene, sichere Schnittstellen. Die Privatsphäre der Nutzer werde nicht verletzt, beteuert Facebook in einer Mitteilung von Montag.

Organisiert und durchgeführt wird die von Facebook und verschiedenen Stiftungen finanzierte Studie von Social Science One und dem Social Science Research Council (SSRC). Die SSRC hat nun 60 Forscher aus 30 akademischen Einrichtungen in 11 Ländern im Rahmen eines Peer-Review-Verfahrens ausgewählt, die Zugriff auf die von Facebook bereitgestellten Daten erhalten sollen.

Facebook betont in seiner Ankündigung, dass das Unternehmen keinerlei Einfluss auf die Auswahl der Forscher und ihre Projekte genommen habe. Die Wissenschaftler sollen im Rahmen der Studie herausfinden, inwieweit soziale Netzwerke Einfluss auf demokratische Wahlen und die Demokratie allgemein nehmen können. Facebook erhofft sich davon, das Verständnis der Öffentlichkeit zu vertiefen und die Erkenntnisse für Verbesserungen bei der Überwachung und Bekämpfung von Missbrauch der eigenen Plattform nutzen zu können.

In den letzten Monaten habe Facebook dazu eine Infrastruktur zum gemeinsamen Zugriff von Wissenschaftlern auf die Facebook-Daten geschaffen. Um die Privatsphäre der Nutzer zu schützen, habe man mit führenden Datenschutzberatern und dem Social-Science-One-Datenschutzausschuss zusammengearbeitet. Besonderes Augenmerk sei dabei auf den sicheren Datenzugriff sowie auf das Vermeiden der Identifizierung von Einzelpersonen gelegt worden.

Der Zugriff durch die Forscher sei ausschließlich über ein sicheres Portal möglich, das eine Zwei-Faktor-Authentifizierung und VPN nutze. Um die Privatsphäre der Nutzer zu gewährleisten, würde man die Rohdaten mit einem statistischen Rauschen versehen, ohne dass dadurch die Zuverlässigkeit der Ergebnisse beeinträchtigt würden. Zudem könnten Forscher nur eine begrenzte Anzahl an Datenabfragen durchführen.

Um dies zu gewährleisten, wolle man sich bei der Entwicklung der Datenschnittstellen weiterhin Zeit lassen, um den höchsten Schutz zu gewährleisten – auch wenn es bereits Druck seitens einiger Wissenschaftler gebe, die Daten möglichst schnell zur Verfügung zu stellen.

Bereits ab sofort können ausgewählte Forscher der ersten Förderrunde über CrowdTangle die Beliebtheit von Nachrichten und anderen öffentlichen Posts auf Social-Media-Plattformen nachverfolgen. Dabei hätten die Forscher Zugriff auf Facebook- und Instagram-Posts, öffentliche Seiten, öffentliche Gruppen und verifizierte Profile. Die Forscher können dazu die CrowdTangle-API nutzen.

Außerdem stehe den Wissenschaftlern eine Ad-Library-API bereit. Mit ihr erhalten sie Zugriff auf Werbeanzeigen, die im Zusammenhang mit Politik oder Problemen in den USA, Brasilien, Indien, der Ukraine, Israel und der EU stehen.

Ab Juni sollen Wissenschaftler nach einer Schulung Zugriff auf einen Datensatz mit Facebook-URLs erhalten, die von mindestens 100 unterschiedlichen Facebook-Nutzern gepostet wurden. Der Datensatz enthalte zusätzliche Informationen, wie beispielsweise die Anzahl der Shares, eine Textzusammenfassung sowie Statistiken zu den Posts und Bewertungen von unabhängigen Fakten-Checkern.

Facebook, Twitter und anderen sozialen Netzwerken wird vorgeworfen, gegen Wahlbeeinflussung durch Fake News und Misinformationen auf ihren Plattformen zu wenig zu unternehmen. Facebook geriet in die Kritik, nachdem eine große Propaganda-Kampagne aus Russland im Zuge des US-Präsidentenwahlkampfs bekannt wurde. Zusätzlich hatten ausländische Meinungsmacher versucht, Einfluss auf die Abstimmung des Brexit-Referendums zu nehmen. Als Reaktion lässt Facebook beispielsweise derzeit keine aus dem Ausland finanzierte Wahlwerbung mehr auf seiner Plattform zu. (olb)